Ein internationales Forschungsteam hat einen neuartigen HIV-Antikörper identifiziert, der das Virus an einer besonders verwundbaren Stelle angreift und dabei bisherige Limitationen bekannter Antikörper überwindet. Diese Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Florian Klein eröffnet neue Perspektiven für Impfstoff- und Therapeutika-Entwicklung gegen HIV-1 und wurde im Fachjournal „Nature Immunology“ veröffentlicht.
HIV-1 kann durch Antikörper neutralisiert werden, wenn diese an verwundbare Strukturen auf der Virusoberfläche binden. Eine solche Schwachstelle ist die so genannte V3 Glykanstelle des Oberflächenproteins des Virus. Diese Zielstruktur spielt eine zentrale Rolle beim Eindringen des Virus in menschliche Zellen und ist daher seit Langem ein wichtiges Ziel für die Entwicklung von neuen Immuntherapeutischen- und präventiven Ansätzen. Allerdings konnten bisher vor allem Antikörper identifiziert werden, die die V3 Glykanstelle nur bei einem Teil der weltweit zirkulierenden HI-Virusvarianten wirksam erkennen können.
Der nun beschriebene Antikörper mit der Bezeichnung 007 greift die V3 Glykanstelle auf eine andere Weise als bisher bekannte Antikörper an. Im Gegensatz zu klassischen V3 Antikörpern ist seine Bindung nicht von einer bestimmten Zuckerstruktur abhängig, die von HIV-1 häufig verändert wird, um der Immunabwehr zu entgehen. In Labortests bleibt 007 daher auch gegenüber Virusvarianten wirksam, die gegen klassische V3 Antikörper resistent sind. Auch in einem Mausmodell mit menschlichen Immunzellen verbessert 007 die bisherige V3 Antikörpertherapie effektiv, sodass das Virus mehrere Veränderungen gleichzeitig entwickeln muss, um der Antikörpertherapie zu entkommen. Ein zentrales Ergebnis der Studie ist daher, dass 007 bisherige Aktivitätslücken klassischer V3 Antikörper schließt und dadurch Antikörpertherapiekombinationen unterstützt, die das Virus insgesamt effektiver ausschalten können.
„Die V3 Glykanstelle gilt seit langer Zeit als Schwachstelle von HIV-1, konnte aber bislang nur unvollständig therapeutisch genutzt und für die Impfstoffentwicklung erschlossen werden“, erklärt Erstautor Dr. Lutz Gieselmann. Frau Dr. Malena Rohde, ebenfalls Autorin der Arbeit ergänzt: „Die Identifikation des Antikörpers 007 verdeutlicht, dass diese Schwachstelle deutlich vielseitiger angreifbar ist als bisher angenommen und eröffnet damit auch für die Impfstoffentwicklung neue Perspektiven.“
So sind diese Forschungsergebnisse sowohl für die Entwicklung neuer Kombinationstherapien als auch für die Impfstoffentwicklung von großer Bedeutung. Für den Einsatz zur HIV Immuntherapie wurde 007 bereits an die Firma Vir in Zusammenarbeit mit der Gates Foundation zur Förderung ihrer gemeinnützigen Zwecke exklusiv lizensiert und wird mit Unterstützung des Kölner Start-up Unternehmens Togontech präklinisch entwickelt.
Diese Studie wurde unterstützt von der Gates Foundation, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) sowie dem European Research Council (ERC).
Presse and Kommunikation:
Jan Voelkel
+49 221 470 2356
j.voelkel@verw.uni-koeln.de
Verantwortlich: Dr. Elisabeth Hoffmann – e.hoffmann@verw.uni-koeln.de
Zur Publikation:
https://www.nature.com/articles/s41590-025-02385-3
Criteria of this press release:
Journalists
Biology, Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
transregional, national
Research results
German

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