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02/18/2026 14:09

1,25 Millionen Euro für Erforschung bakterieller Infektionswege im Reis

Dr.rer.nat. Arne Claussen Stabsstelle Presse und Kommunikation
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

    Prof. Dr. Wolf B. Frommer erhält renommierte Koselleck-Förderung der DFG

    Erstmals geht die renommierte Reinhart-Koselleck-Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU). Mit einer Fördersumme von 1,25 Millionen Euro über fünf Jahre wird ein neues Projekt von Prof. Dr. Wolf B. Frommer am Institut für Molekulare Physiologie unterstützt. Ziel ist es, die Mechanismen zu untersuchen, mit denen schädliche Bakterien in das Wasserleitgewebe (Xylem) von Reis eindringen und sich dort ausbreiten.

    Bakterien wie Xanthomonas oryzae pv. oryzae (Xoo) verursachen die sogenannte Weißblättrigkeit (englisch Bacterial Blight), eine der häufigsten Erkrankungen des Reises. Weltweit verursacht sie erhebliche Ernteausfälle, die eine veritable Gefahr für Reisbauern darstellen.

    Die Pflanze schützt sich zwar durch mehrere Barrieren, doch Xoo nutzt spezifische Strategien, um in die Wasserleitbahnen einzudringen, sich gegen den Wasserstrom zu bewegen und Nährstoffe aus der Pflanze zu gewinnen. Bisher ist wenig über die genauen Schritte der Infektion bekannt; besonders auf zellulärer Ebene und in Echtzeit existieren nur wenige empirische Beobachtungen.

    Das neue Projekt soll diese Lücke schließen. Mit modernsten Bildgebungsverfahren, Einzelzell-Analysen und Genomeditierung (CRISPR-Cas) wollen die Düsseldorfer Forschenden die verschiedenen Phasen der Infektion – vom ersten Kontakt und Eindringen über natürliche Öffnungen der Blattoberfläche, die systemische Ausbreitung im Xylem bis hin zu der von Prof. Wolf B. Frommer und seinem Team entdeckten Besiedelung angrenzender Gewebe – systematisch untersuchen. Dabei steht das grundlegende Verständnis der Infektionsmechanismen im Vordergrund. Auf dieser Basis können gegebenenfalls in einem nächsten Schritt resistente Reissorten entwickelt werden.

    Die Koselleck-Förderung ermöglicht es, risikobehaftete, aber hochinnovative Ansätze zu verfolgen, die in anderen Programmen nicht gefördert werden können. „Es geht darum, Prozesse zu untersuchen, die sich tief im Blattgewebe abspielen – dort, wo Bakterien gegen den Wasserstrom ankämpfen, sich verankern, miteinander kommunizieren und in lebende Zellen eindringen“, sagt Prof. Frommer. „Diese Abläufe sind räumlich und zeitlich so stark überlagert, dass bislang unklar ist, ob es überhaupt möglich ist, die einzelnen Schritte der Infektionsmechanismen getrennt aufzulösen. Es besteht das Risiko, dass dies nicht gelingt. Wenn wir aber erfolgreich sind, dann eröffnet dies zugleich die Chance, die Infektion von Xylem-Pathogenen erstmals auf einer grundlegend neuen Ebene zu verstehen.“

    HHU-Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck: „Ich gratuliere Prof. Wolf B. Frommer zu dieser herausragenden Auszeichnung. Die Koselleck-Förderung zählt zu den renommiertesten Programmen der deutschen Forschungsförderung und ist zugleich ein großer Erfolg für die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie würdigt die wissenschaftliche Exzellenz von Prof. Frommer und unterstreicht die Bedeutung unserer Pflanzenbiologie für zentrale globale Herausforderungen wie die Ernährungssicherheit und eine nachhaltige Landwirtschaft.“

    Positive Ergebnisse können nicht nur für die Bekämpfung der Weißblättrigkeit, sondern auch für das Verständnis der Infektion durch andere Xylem-pathogene Bakterien wie Xanthomonas campestris pv. campestris, Xylella fastidiosa oder Ralstonia solanacearum, möglicherweise zudem für Humanpathogene, von Bedeutung sein. Darüber hinaus liefern Erkenntnisse darüber, wie Bakterien miteinander kommunizieren und in Zellen eindringen, wichtige Hinweise auf grundlegende Infektionsprozesse – auch bei Tieren und Menschen.

    Die fünfjährige Projektlaufzeit beginnt im März 2026.

    Zur Person

    Prof. Dr. Wolf B. Frommer ist Alexander-von-Humboldt-Professor für Molekulare Physiologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sein Institut ist in der Biologie der HHU verankert und Teil des Exzellenzclusters CEPLAS. Er zählt zu den international führenden Wissenschaftlern in der Pflanzenphysiologie und -genetik.

    Seine Forschung konzentriert sich auf die molekularen Mechanismen, mit denen Pflanzen Nährstoffe wie Zucker transportieren und regulieren. Diese Prozesse machen sich Pflanzenpathogene zunutze – sind die Abläufe verstanden, können resistente Kulturpflanzen entwickelt werden. Mit der Koselleck-Förderung wird er erstmals in Deutschland ein Projekt vorantreiben, das die komplexen Infektionsstrategien schädlicher Bakterien im Reis-Xylem auf zellulärer Ebene entschlüsseln soll.

    Über Reinhart Koselleck-Projekte der DFG

    Die Reinhart-Koselleck-Förderung ist eine der renommiertesten Auszeichnungen der DFG für Einzelpersonen in der deutschen Wissenschaft. Sie unterstützt hochinnovative, risikobehaftete Grundlagenprojekte, die über den Rahmen herkömmlicher Förderprogramme hinausgehen. Die Förderung ermöglicht es Forschenden, sich über einen Zeitraum von fünf Jahren intensiv und unabhängig mit wegweisenden Fragestellungen zu beschäftigen – oft in Bereichen, die bisher wenig erforscht sind. Die DFG verleiht die Auszeichnung nur an Personen, die durch ihre bisherige Arbeit ein hohes wissenschaftliches Profil unter Beweis gestellt haben. Benannt nach dem renommierten deutschen Historiker Reinhart Koselleck, steht die Förderung für wissenschaftlichen Pioniergeist und langfristige Unabhängigkeit.


    More information:

    https://www.dfg.de/de/foerderung/foerdermoeglichkeiten/programme/einzelfoerderun...


    Images

    Reispflanzen (Oryza sativa) mit ausgebildeten Rispen.
    Reispflanzen (Oryza sativa) mit ausgebildeten Rispen.

    Copyright: HHU/Melissa Stiebner


    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars
    Biology, Zoology / agricultural and forest sciences
    transregional, national
    Research projects
    German


     

    Reispflanzen (Oryza sativa) mit ausgebildeten Rispen.


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