Wahlplakate prägen das Stadtbild, Kandidierende werben auf Podien und bei Parteiveranstaltungen um Stimmen. Im März stehen in zwei Bundesländern die Landtagswahlen an. Während in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz neue Wahlversprechen gemacht werden, bleibt die Frage: Was wurde aus den alten? Wie viel haben die aktuellen Landesregierungen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in den vergangenen fünf Jahren tatsächlich umgesetzt? Eine Übersicht bieten zwei Koalitionstracker – Deutschlands erste Koalitionstracker auf Länderebene, mit denen Wahlversprechen messbar sind.
Entstanden ist das interaktive Tool in einem Projekt des Masterstudiengangs Journalismus der Universität Leipzig in Kooperation mit dem SWR Data Lab. Für Baden-Württemberg ist der Tracker ab sofort verfügbar. Zu finden ist er auf der Website des SWR. Die Veröffentlichung für Rheinland-Pfalz ist am 5. März 2026 geplant.
Monatelang analysierte das studentische Team die Koalitionsverträge der amtierenden Landesregierungen, hunderte Seiten wurden Zeile für Zeile durchgegangen. In Baden-Württemberg wurden damit 433 konkrete Vorhaben identifiziert. „Das war gar nicht so einfach, wie es vielleicht klingt”, sagt Julia Mayer, Studentin des Masterstudiengangs Journalismus. „Die Koalitionsverträge sind an vielen Stellen sehr vage formuliert. Wir mussten klare Kriterien entwickeln, um Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Am Ende hatten wir ein detailliertes Kategoriensystem, und doch gab es immer wieder Grenzfälle, die wir intensiv diskutiert haben.“
Danach ging es ans Überprüfen: Jedes Ziel wurde recherchiert. Online-Suchanfragen erstreckten sich von geplanten Bahnstrecken, über neue Verordnungen für Landwirt:innen bis hin zu Digitalisierungsprojekten in Schulen. Wo sich keine eindeutigen Belege fanden, fragten die Studierenden direkt bei den Ministerien nach. Die Antworten wurden ausgewertet und somit jedes Ziel, transparent mit Quellen belegt, eingeschätzt. Insgesamt ordnet das Projekt die Versprechen in sieben Kategorien ein: von „umgesetzt“ über „teilweise umgesetzt“ bis „nicht begonnen“ oder „gescheitert“.
Das Ergebnis zeigt: Ein Großteil der angekündigten Vorhaben in Baden-Württemberg wurde umgesetzt. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Themenfeldern. Während im Bereich Gesellschaft und Demokratie zum Beispiel am meisten Ziele vollständig umgesetzt wurden (74 Prozent), liegt Bauen und Wohnen auf dem letzten Platz (40 Prozent).
Neben der Recherche entwickelten die Studierenden auch ein interaktives Tool. Dort können Nutzer:innen jedes einzelne Vorhaben inklusive Quellenlage und Bewertung einsehen. Wer sich inspirieren lassen möchte, kann sich per Zufallsfunktion ein politisches Ziel anzeigen lassen und entdecken, was daraus geworden ist.
Das Projekt versteht sich als Beitrag zu mehr politischer Transparenz und als Beispiel dafür, wie datenjournalistische Methoden demokratische Prozesse nachvollziehbar machen können. „Gerade in diesen Zeiten, in denen die Welt voll von Desinformationen ist, bietet der Koalitionstracker eine Orientierung und die Möglichkeit, sich über politische Handlungen genauer zu informieren. Dies zeigt die wichtige Bedeutung von Journalismus für unsere Demokratie“, sagt Studiengangsleiter Prof. Dr. Markus Beiler von der Universität Leipzig. Stephanie Jauss vom SWR Data Lab erklärt: „Das Projekt war durch den Umfang der Koalitionsverträge wirklich aufwendig für alle Beteiligten und die Kommunikation ohne Vor-Ort-Termine in so einer großen Gruppe manchmal eine Herausforderung. Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass alle dran geblieben sind und wir die aufwendige Recherche gemeinsam gemeistert haben.“
Die Projektbeteiligten
Beteiligt waren die Studierenden Sven Bleilefens, Maximiliane Hoferer, Josephine Limprecht, Julia Mayer, Birk Menzel, Magdalena Oppitz, Bex Pohland, Jan-David Runte und Lara Wehner. Geleitet wurde das Projekt von Katharina Forstmair und Stephanie Jauss (SWR Data Lab) sowie Dr. Uwe Krüger (Universität Leipzig). Im Masterstudiengang Journalismus lernen die Studierenden, den digitalen Wandel des Journalismus zu begleiten und innovativ mitzugestalten. Dazu vereinigt das Studium eine vertiefte journalistische Ausbildung mit informatikwissenschaftlichen Kompetenzen und Kenntnissen angewandter Sozial- und Journalismusforschung. Das dreijährige Studium schließt ein Volontariat ein.
Text: Dr. Uwe Krüger
Dr. Uwe Krüger
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft
Telefon: +49 341 97-35756
E-Mail: uwe.krueger@uni-leipzig.de
http://www.uni-leipzig.de/personenprofil/mitarbeiter/dr-uwe-krueger
https://www.swr.de/regierungscheck
https://www.sozphil.uni-leipzig.de/institut-fuer-kommunikations-und-medienwissen...
Screenshot des Koalitionstrackers für die Landesregierung Baden-Württembergs 2021-2026.
Source: SWR/Stephanie Jauss
Copyright: SWR
Criteria of this press release:
Journalists, all interested persons
Media and communication sciences, Politics
transregional, national
Research results, Studies and teaching
German

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