Am Wochenende ist der Philosoph Jürgen Habermas in seinem Haus in Starnberg verstorben. Die Goethe-Universität trauert um ihren Emeritus, der der Universität von 1964 bis 1971 als Nachfolger von Max Horkheimer auf dem Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie und, nach seiner Zeit als Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg, erneut von 1983 bis zu seiner Emeritierung 1994 als Professor für Philosophie angehörte.
Mit Jürgen Habermas verliert die Goethe-Universität einen der weltweit bedeutendsten Philosophen des 20. und 21. Jahrhunderts und den wichtigsten Vertreter der zweiten Generation der „Frankfurter Schule“, der die von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer geprägte Kritische Theorie maßgeblich weiterentwickelt hat. Zugleich war Jürgen Habermas der einflussreichste öffentliche Intellektuelle der Bundesrepublik Deutschland, dessen Stimme auch im wiedervereinigten Deutschland nach 1990 und weit über Deutschland hinaus wahrgenommen wurde.
„Habermas‘ Beiträge zu einer philosophischen Theorie kommunikativer Vernunft, zur Grundlegung einer Theorie vernünftiger Freiheit und gesellschaftlicher Gerechtigkeit, zur Normativität und Institutionalisierung des Rechts und zur Rolle von Religion in säkular-pluralistischen Gesellschaften haben zu einer weltweiten Rezeption und zu lebendigen Debatten eingeladen, die an der Goethe-Universität Frankfurt bis auf den heutigen Tag weitergeführt werden“, sagt Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff in Würdigung des Verstorbenen. „So wirken seine bahnbrechenden Arbeiten, aber auch seine persönliche Präsenz an der Universität und seine vertrauensvolle Nähe zu vielen Mitgliedern unserer Universität weit über die Lebensspanne dieses außerordentlichen Forschers und einzigartigen Hochschullehrers hinaus. Sie werden die Forschung und Lehre an der Goethe-Universität Frankfurt auch in Zukunft im Verbund der Rhein-Main-Universitäten weiterhin nachhaltig prägen.“
Habermas hatte bereits 2011 einen Teil seines Vorlasses der Goethe-Universität übergeben, einen weiteren 2025. Damit ist die Forschung zu seinem Werk primär in Frankfurt verortet, dem Schwerpunkt seines Werdens und Wirkens. Die Frankfurter Schule, die Kritische Theorie und das Werk von Jürgen Habermas gehören zentral zum Selbstverständnis der Goethe-Universität, die in disziplinärer Vielfalt Antworten auf gesellschaftliche Fragen erarbeiten will.
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Bildtext: Jürgen Habermas bei einem Vortrag an der Goethe-Universität zu seinem 90. Geburtstag 2019. Foto: Uwe Dettmar/Goethe-Universität
Jürgen Habermas bei einem Vortrag an der Goethe-Universität zu seinem 90. Geburtstag 2019.
Source: Uwe Dettmar
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