Deutschland als Schauplatz afroamerikanischer Ideengeschichte: Mit dieser Perspektive befasst sich ein neues, von der Foundation for German-American Academic Relations (SDAW) gefördertes Forschungsprojekt an der Freien Universität Berlin. Unter dem Titel „Zwischen Imperium und Exil: Afroamerikanisches Denken und die deutsche koloniale Imagination“ (Engl: „Between Empire and Exile: African American Thought and the German Colonial Imagination“) untersuchen Forschende aus den USA und Deutschland ab April 2026 die intellektuellen Verbindungen zwischen afroamerikanischem Denken und deutscher Kolonial- und Erinnerungsgeschichte.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Aufenthalte und Auseinandersetzungen afroamerikanischer Intellektueller in Deutschland neue Sichtweisen auf Begriffe wie „Rasse“, Empire und Kolonialismus hervorgebracht haben – und wie diese Impulse bis heute in Debatten über Rassismus und Erinnerungspolitik nachwirken. Persönlichkeiten wie die US-amerikanischen Bürgerrechtler*innen W.E.B. Du Bois, Audre Lorde und Angela Davis stehen exemplarisch für diese transnationalen Verflechtungen.
Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts liegt dabei auf der Schriftstellerin und Feministin Audre Lorde, die zwischen 1984 und 1992 an der Freien Universität Berlin lehrte und eine Generation afro-deutscher Aktivistinnen prägte. Ihre in Berliner Archiven erhaltenen Lehrveranstaltungen werden im Rahmen des Projekts transkribiert und wissenschaftlich ausgewertet.
Geleitet wird das Projekt von Dr. Helen A. Gibson vom John-F.-Kennedy Institut für Nordamerikastudien an der FU Berlin und von Dr. K. Bailey Thomas von der University of Rhode Island.
Deutschland als produktiver Ort Schwarzer Ideen
Die Forschungskooperation betont Deutschland als aktiven Ort intellektueller Auseinandersetzungen mit kolonialen und rassistischen Narrativen. Wissenschaftler*innen wie Alexander Ghedi Weheliye und Fatima El-Tayeb haben hier maßgebliche Impulse für die Black Studies gesetzt. Historische Akteure wie William Pickens verdeutlichen die engen Verflechtungen von Schwarzem Internationalismus und europäischen Diskursen. Untersucht wird zudem, wie Deutschlands „koloniale Amnesie“ – das selektive Vergessen der eigenen kolonialen Vergangenheit – afroamerikanische Denkbewegungen beeinflusst hat und umgekehrt.
Drei zentrale Fragen des Projekts:
Wie haben afroamerikanische intellektuelle Auseinandersetzungen in Deutschland neue Interpretationen von „Rasse“, Empire und Kolonialismus hervorgebracht?
Was sagen uns Archivmaterialien aus Berlin über historische Begegnungen zwischen afroamerikanischen Denker*innen und afro-deutschen Communities?
Inwiefern prägt dekoloniales Africana-Wissen gegenwärtige Debatten über Erinnerung, Identität und politischen Widerstand in Deutschland?
Internationale Vernetzung
In der ersten Projektphase im Frühjahr 2026 werden unter anderem zentrale Werke afroamerikanischer Theorie diskutieren – darunter W.E.B. Du Bois The Souls of Black Folk, Audrey Lordes Zami: A New Spelling of My Name, Jennifer L Morgans Reckoning with Slavery und Christiana Sharpes In the Wake.
Höhepunkt ist ein dreitägiger internationaler Workshop im Herbst an der Freien Universität Berlin. Geplant sind Vorträge von Nachwuchswissenschaftler*innen, Dialogformate mit afro-deutschen Intellektuellen und Public Historians, eine öffentliche Veranstaltung zur Vernetzung von Wissenschaft und der afro-deutschen Community sowie eine kollaborative Schreibwerkstatt zur Vorbereitung einer gemeinsamen Publikation.
„Mit dem Projekt an der Freien Universität Berlin wird die transatlantische Zusammenarbeit im Bereich der Black Critical Theory gestärkt und ein deutliches Zeichen für die internationale Erforschung von Kolonialismus, Rassismus und Erinnerungskultur gesetzt“, sagt die FU Historikerin Dr. Helen Gibson.
Dr. Helen Gibson, Freie Universität Berlin, John-F.-Kennedy-Institute für Nordamerikastudien, E-Mail: helen.gibson@fu-berlin.de
Dr. K. Bailey Thomas, University of Rhode Island, Department of Gender and Women's Studies, E-Mail: bailey.thomas@uri.edu
https://sdaw-foundation.de/
https://www.uri.edu/news/2026/01/uri-visiting-professor-visits-berlin-to-researc...
Audre Lorde in Berlin - in einem Café am Winterfeldtmarkt, 1992.
Source: Dagmar Schultz
Copyright: Freie Universität Berlin, Universitäts-Archiv, NL Lorde, Sig. 176
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars, Students, all interested persons
History / archaeology, Politics, Social studies
transregional, national
Research projects
German

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