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04/09/2026 14:36

Menschen teilen gerne - aber nicht mit allen

Eva Schissler Kommunikation und Marketing
Universität zu Köln

    Die Bereitschaft von Teilnehmenden einer Studie, mit Menschen aus anderen Ländern zu teilen, hängt davon ab, wie ähnlich beide Gruppen erscheinen. Auch der Wohlstand und die Stabilität des eigenen Landes sowie wahrgenommene und tatsächliche Konflikte zwischen den Ländern spielen bei der Bereitschaft zu teilen eine wichtige Rolle. Diese individuellen Einstellungen schaffen eine Dynamik, die zur Lösung globaler Herausforderungen beitragen kann – oder ihr im Weg steht / Veröffentlichung in „PNAS Nexus“

    Studienteilnehmende aus verschiedenen Ländern zeigten eine positivere Einstellung gegenüber Menschen, die sie als ihnen ähnlich empfanden. Das ist das Ergebnis eines sozialen Experiments, das ein Team von Psycholog*innen aus der Key Profile Area „Social and Economic Behavior“ an der Universität zu Köln durchgeführt hat. Der Fokus der Studie lag auf der Prosozialität, also der Neigung, das Wohl anderer zu fördern und mit Menschen aus verschiedenen Ländern zu teilen. Die Wissenschaftler*innen stellten fest, dass die Prosozialität mit zunehmender Ähnlichkeit kultureller und nationaler Stereotype anstieg. Die Ergebnisse der Studie wurden im November 2025 unter dem Titel „Beyond ingroup favoritism: Investigating cross-national social preferences across 25 nations“ in der Fachzeitschrift PNAS Nexus veröffentlicht.

    Die Forschenden gingen von der Prämisse aus, dass globale Herausforderungen Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinweg erfordern. Prosozialität kann dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen. „Es ist zwar bekannt, dass Menschen ihre eigenen Landsleute bevorzugen, aber diese Studie zeigt, dass sie auch gegenüber Menschen aus anderen Ländern eine beträchtliche Prosozialität an den Tag legen. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass nicht alle ‚Fremden‘ gleich behandelt werden“, so Vanessa Clemens, Doktorandin am Social Cognition Center Cologne.

    Sie und ihre Kolleg*innen an der Universität zu Köln und der FernUniversität Hagen luden 6.182 Teilnehmende aus 25 Ländern ein, an einem Spiel teilzunehmen. Jede Person erhielt 150 „Taler“, eine erfundene Währung, und konnte zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen, wie sie die Taler mit einer anderen Person aus einem bestimmten Land teilen wollte. Im Anschluss wurde nach dem Zufallsprinzip eine Entscheidung der Teilnehmenden ausgewählt, die in Landeswährung ausgezahlt wurde, sodass der Einsatz reale Auswirkungen hatte.

    Fast 90 Prozent der Menschen teilten mehr mit Menschen aus ihrem eigenen Land als mit Menschen aus anderen Ländern. Die Teilnehmenden teilten auch mehr mit Personen aus kulturell ähnlichen Ländern und weniger mit Menschen aus Ländern, mit denen ihr eigenes Land in Konflikt lag – ob aktuell oder in der Vergangenheit. Menschen aus Ländern mit verlässlichen Institutionen teilten im Allgemeinen mehr. Teilnehmende aus wohlhabenderen Ländern teilten mehr mit Menschen aus weniger wohlhabenden Ländern. Dies könnte den Wunsch widerspiegeln, die Ungleichheit zwischen den Ländern zu verringern. Insgesamt waren die Teilnehmenden am ehesten großzügig gegenüber Personen aus Ghana und Kenia. Die geringste Bereitschaft, die eigenen Taler abzugeben, bestand gegenüber Personen aus den Vereinigten Staaten oder China. Das zeigt systematische Unterschiede in der Art und Weise, wie Menschen unterschiedliche „Fremde“ behandeln.

    Die Forschenden stellten fest, dass die länderübergreifende Prosozialität mit der Stimmabgabe in der Generalversammlung der Vereinten Nationen sowie mit vergangenen und andauernden bewaffneten Konflikten zusammenhing. Das deutet darauf hin, dass die beobachteten Muster sowohl kooperative als auch konflikthafte Dimensionen internationaler Beziehungen widerspiegeln.

    Das Team kam zu dem Schluss, dass eine verminderte Zusammenarbeit aufgrund eines historischen oder andauernden Konflikts zwischen zwei Ländern auch die spätere Zusammenarbeit zwischen Einzelpersonen aus diesen Ländern behindern könnte, da sich Spannungen auf staatlicher Ebene auf individueller Ebene widerspiegeln. „Dass sich Zusammenarbeit und Konflikte auf staatlicher Ebene systematisch auf die Prosozialität auf individueller Ebene übertragen lassen zeigt, dass globale Herausforderungen nicht nur institutionelle oder strategische Probleme sind – sie sind auch psychologische Koordinationsprobleme“, fügt Vanessa Clemens hinzu.

    Hindernisse für die internationale Zusammenarbeit (etwa in den Bereichen Klimawandel, Migration oder Konfliktlösung) könnten somit zum Teil darin begründet liegen, wie Personen Menschen aus anderen Ländern wahrnehmen und mit ihnen umgehen. Wenn sie weniger Vertrauen in Andere haben und weniger bereit sind, sich gegenüber Menschen aus rivalisierenden Ländern prosozial zu verhalten, kann das den Handlungsspielraum politischer Entscheidungsträger*innen einschränken, die öffentliche Unterstützung für kooperative Politikmaßnahmen verringern und internationale Abkommen anfälliger machen.


    Contact for scientific information:

    Vanessa Clemens
    Social Cognition Center Cologne
    +49 221 470 76763
    vanessa.clemens@uni-koeln.de


    Original publication:

    https://academic.oup.com/pnasnexus/article/4/11/pgaf343/8340225?login=true


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    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars, Students
    Politics, Psychology, Social studies
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


     

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