Übergewinnsteuern sind als Kriseninstrument nur bedingt geeignet. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim, die erstmals eine umfassende empirische Bewertung der EU-weiten Erlösobergrenze vornimmt. Die Besteuerung von Übergewinnen im europäischen Strommarkt während der Energiekrise 2022 hat zwar erhebliche Einnahmen generiert, blieb jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück und führte zu leichten Verzerrungen im Marktverhalten.
„Übergewinnsteuern erscheinen auf den ersten Blick als effizientes Instrument zur Finanzierung von Krisenkosten, ohne wirtschaftliche Entscheidungen zu verzerren. Unsere Analyse zeigt jedoch, dass diese Steuern nur unter bestimmten Bedingungen dieses Versprechen einlösen können“, erklärt Julia Spix, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“. Dr. Daniela Steinbrenner, Wissenschaftlerin im selben Forschungsbereich, erklärt: „Insbesondere die konkrete Ausgestaltung und der Zeitpunkt der Einführung sind entscheidend für den Erfolg. Selbst bei großzügiger Definition von Übergewinnen lassen sich Verzerrungen im Marktverhalten nicht vollständig vermeiden.“
Begrenztes Aufkommen und ungleiche Verteilung
Die Analyse zeigt, dass die EU-Erlösobergrenze im EU-Strommarkt zwar Einnahmen generierte, diese jedoch stark zwischen den Mitgliedstaaten variierten. Insgesamt konnten etwa 24 Prozent der staatlichen Unterstützungsmaßnahmen zur Abfederung der Energiekrise gedeckt werden. In vielen Staaten lagen die Einnahmen weit unter den Erwartungen, insbesondere weil die Strompreise nach dem Höhepunkt der Krise schnell wieder sanken. Entscheidend für den fiskalischen Erfolg ist somit ein präzises Timing der Maßnahme – idealerweise während der Hochpreisphase.
Anreize für strategisches Verhalten im Strommarkt
Neben der fiskalischen Wirkung untersucht die Studie auch mögliche Marktverzerrungen. Dabei zeigt sich, dass langfristige Investitionsanreize durch die temporäre Steuer weitgehend unbeeinflusst bleiben. Kurzfristig scheinen Stromerzeuger ihre Produktionsentscheidungen jedoch geringfügig anzupassen, um die eigene Profitabilität unter der Besteuerung zu optimieren. Dies zeigt, dass selbst auf transparenten Märkten die Definition des Übergewinns maßgeblich das Verhalten von Firmen beeinflussen kann.
Über die Methodik
Die Studie basiert auf einem umfangreichen Datensatz mit stündlichen Informationen zur Stromerzeugung und zu Vortagsmarktpreisen in 23 EU-Mitgliedstaaten. Die Autorinnen analysieren sowohl die fiskalischen Effekte als auch die Verhaltensreaktionen von Stromproduzenten. Die hohe zeitliche und technologische Detailtiefe der Daten ermöglicht eine präzise Bewertung der Übergewinnsteuer im europäischen Strommarkt.
Julia Spix
Wissenschaftlerin im Forschungsbereich „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“
Tel: +49 (0)621 1235-338
E-Mail: julia.spix@zew.de
Dr. Daniela Steinbrenner
Wissenschaftlerin im Forschungsbereich „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“
Tel: +49 (0)621 1235-390
E-Mail: daniela.steinbrenner@zew.de
https://www.zew.de/fileadmin/FTP/dp/dp26012.pdf
Criteria of this press release:
Journalists
Economics / business administration, Politics, Social studies
transregional, national
Miscellaneous scientific news/publications, Research results
German

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