idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
20.04.2026 07:30

Übergewinnsteuer in der Krise nur bedingt wirksam

Pascal Ausäderer Presse und Redaktion
ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim

    Übergewinnsteuern sind als Kriseninstrument nur bedingt geeignet. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim, die erstmals eine umfassende empirische Bewertung der EU-weiten Erlösobergrenze vornimmt. Die Besteuerung von Übergewinnen im europäischen Strommarkt während der Energiekrise 2022 hat zwar erhebliche Einnahmen generiert, blieb jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück und führte zu leichten Verzerrungen im Marktverhalten.

    „Übergewinnsteuern erscheinen auf den ersten Blick als effizientes Instrument zur Finanzierung von Krisenkosten, ohne wirtschaftliche Entscheidungen zu verzerren. Unsere Analyse zeigt jedoch, dass diese Steuern nur unter bestimmten Bedingungen dieses Versprechen einlösen können“, erklärt Julia Spix, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“. Dr. Daniela Steinbrenner, Wissenschaftlerin im selben Forschungsbereich, erklärt: „Insbesondere die konkrete Ausgestaltung und der Zeitpunkt der Einführung sind entscheidend für den Erfolg. Selbst bei großzügiger Definition von Übergewinnen lassen sich Verzerrungen im Marktverhalten nicht vollständig vermeiden.“

    Begrenztes Aufkommen und ungleiche Verteilung

    Die Analyse zeigt, dass die EU-Erlösobergrenze im EU-Strommarkt zwar Einnahmen generierte, diese jedoch stark zwischen den Mitgliedstaaten variierten. Insgesamt konnten etwa 24 Prozent der staatlichen Unterstützungsmaßnahmen zur Abfederung der Energiekrise gedeckt werden. In vielen Staaten lagen die Einnahmen weit unter den Erwartungen, insbesondere weil die Strompreise nach dem Höhepunkt der Krise schnell wieder sanken. Entscheidend für den fiskalischen Erfolg ist somit ein präzises Timing der Maßnahme – idealerweise während der Hochpreisphase.

    Anreize für strategisches Verhalten im Strommarkt

    Neben der fiskalischen Wirkung untersucht die Studie auch mögliche Marktverzerrungen. Dabei zeigt sich, dass langfristige Investitionsanreize durch die temporäre Steuer weitgehend unbeeinflusst bleiben. Kurzfristig scheinen Stromerzeuger ihre Produktionsentscheidungen jedoch geringfügig anzupassen, um die eigene Profitabilität unter der Besteuerung zu optimieren. Dies zeigt, dass selbst auf transparenten Märkten die Definition des Übergewinns maßgeblich das Verhalten von Firmen beeinflussen kann.

    Über die Methodik

    Die Studie basiert auf einem umfangreichen Datensatz mit stündlichen Informationen zur Stromerzeugung und zu Vortagsmarktpreisen in 23 EU-Mitgliedstaaten. Die Autorinnen analysieren sowohl die fiskalischen Effekte als auch die Verhaltensreaktionen von Stromproduzenten. Die hohe zeitliche und technologische Detailtiefe der Daten ermöglicht eine präzise Bewertung der Übergewinnsteuer im europäischen Strommarkt.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Julia Spix
    Wissenschaftlerin im Forschungsbereich „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“
    Tel: +49 (0)621 1235-338
    E-Mail: julia.spix@zew.de

    Dr. Daniela Steinbrenner
    Wissenschaftlerin im Forschungsbereich „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“
    Tel: +49 (0)621 1235-390
    E-Mail: daniela.steinbrenner@zew.de


    Originalpublikation:

    https://www.zew.de/fileadmin/FTP/dp/dp26012.pdf


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Politik, Wirtschaft
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).