Am 29. April wird die Gesprächsreihe „Frankfurter Schule“ im Kino des Deutschen Filminstitut & Filmmuseum (DFF) fortgesetzt. Das Podiumsgespräch mit der Filmwissenschaftlerin Gertrud Koch und dem Journalisten Bert Rebhandl geht der Frage nach, inwiefern der Begriff der „Kulturindustrie“ heute noch aktuell ist und wie er sich im Kontext digitaler und globaler Medienlandschaften interpretieren lässt.
FRANKFURT. Die Diagnose der „Kulturindustrie“, wie sie von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer in der Mitte des 20. Jahrhunderts formuliert wurde, gehört zu den einflussreichsten kritischen Analysen der Kulturproduktion moderner Gesellschaften. Angesichts von Digitalisierung, Plattformökonomien und globalisierten Medienmärkten stellt sich heute jedoch die Frage nach ihrer Reichweite und Aktualität. Zwischen algorithmisch gesteuerten Distributionsformen, neuen Produktionsbedingungen und veränderten Öffentlichkeiten haben sich die Bedingungen kultureller Produktion tiefgreifend gewandelt.
Gerade am Beispiel des Films lässt sich nachvollziehen, wie sich Kunst, Wirtschaft und Öffentlichkeit gegenseitig beeinflussen und verschränken. Vor diesem Hintergrund diskutieren Gertrud Koch und Bert Rebhandl über gegenwärtige Formen kultureller Produktion und Verbreitung. Im Zentrum stehen Fragen nach ästhetischer Gestaltung, politischer Wirkung und ökonomischen Rahmenbedingungen ebenso wie nach Unabhängigkeit, Urheberschaft, Kritikfähigkeit und Öffentlichkeit. Dabei wird ausgelotet, ob und wie sich die klassische Kritik der Kulturindustrie auf heutige Film-, Medien- und Popkulturen anwenden lässt – oder ob sie neu gedacht werden muss.
Die Veranstaltung
„Kulturindustrie heute?“
am Mittwoch, den 29. April 2026, um 19 Uhr
im DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum
widmet sich diesem hochaktuellen Themenfeld.
Der Eintritt kostet 3 Euro. Karten können an der Abendkasse und über die Website des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums erworben werden.
Begrüßen werden der hessische Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Timon Gremmels und die Frankfurter Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Dr. Ina Hartwig.
Staatsminister Timon Gremmels erklärt: „Die Kritische Theorie lehrt uns, dass Demokratie nichts Selbstverständliches ist. Auch moderne und vermeintlich aufgeklärte Gesellschaften können zurückfallen, Fortschritt und Technisierung können umschlagen in neue Formen von Unmenschlichkeit, Gewalt und Zerstörung. So bedeutet es nicht automatisch mehr Demokratie, wenn mehr Menschen die digitalen Massenmedien und Kommunikationskanäle nutzen. Wie hängen Kulturindustrie und neue autoritäre Bewegungen zusammen? Welche Rolle spielen Filmkunst und Kino? Ich bin gespannt, welche Erklärungen und Thesen zu Kulturindustrie und Kulturbetrieb der Gegenwart sich mit dem Instrumentarium der Kritischen Theorie entwickeln lassen.“
Dr. Ina Hartwig unterstreicht: „Kaum ein gesellschaftlicher Bereich bleibt von dem tiefgreifenden Umbruch der letzten Jahrzehnte durch Digitalisierung, Medienwandel und künstliche Intelligenz unberührt. In der Kultur sind die Einschnitte besonders spürbar. Die Frage nach der Kommerzialisierung der Kultur, die schon die Frankfurter Schule beschäftigt hat, ist heute aktueller denn je: Themen wie Urheberschaft, also das Recht am eigenen Werk, neue ästhetische Gestaltungsformen oder die Frage danach, wie Kreative mit ihrer Arbeit überleben können, beschäftigen den modernen Kulturbetrieb intensiv. Daher begrüße ich es sehr, dass die Neuauflage unserer beliebten Gesprächsreihe sich diesem hochaktuellen Thema widmet.“
Rainer Forst, Direktor des Forschungszentrums „Normative Ordnungen“ und Mitinitiator der Reihe, sagt mit Blick auf den Termin: „Ich freue mich sehr, dass wir mit Gertrud Koch eine der wichtigsten Medientheoretikerinnen in der Tradition der Kritischen Theorie gewinnen konnten, um im Gespräch mit dem Filmkritiker Bert Rebhandl zu überlegen, ob und wie sich die klassische Analyse der Kulturindustrie auf die Gegenwart übertragen lässt.“
Gertrud Koch ist eine der renommiertesten Filmwissenschaftlerinnen im deutschsprachigen Raum. Sie war Professorin für Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin und ist Autorin zahlreicher Veröffentlichungen zur Filmtheorie, Kritischen Theorie, Ästhetik und Medienkultur. Ihre Arbeiten verbinden klassische Theorieansätze mit aktuellen Fragen der Bild- und Medienanalyse.
Bert Rebhandl ist Filmkritiker und Publizist. Er schreibt unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Süddeutsche Zeitung. In seinen Arbeiten setzt er sich mit Filmgeschichte, Gegenwartskino und Fragen der Kritik auseinander.
Zur Reihe „Frankfurter Schule“
Die Veranstaltungsreihe „Frankfurter Schule“ stellt die Frage, was die Kritische Theorie heute zur Lage der Gesellschaft zu sagen hat. Zwei Stühle, ein Tisch, ein Gespräch: Im Zentrum stehen Persönlichkeiten, die – geschult am „Frankfurter Denken“ – aktuelle Problemlagen analysieren und einordnen. Präzise formuliert, verständlich erklärt und mit dem Anspruch, die Bedingungen von Freiheit, Macht und Verantwortung sichtbar zu machen. Die Reihe wird in unterschiedlichen Kultureinrichtungen in Frankfurt fortgesetzt.
Sie findet seit März 2023 statt und wird gemeinsam vom Forschungszentrum „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität, dem Dezernat für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main und seit 2026 auch vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur veranstaltet. Kooperationspartner sind das Institut für Sozialforschung, hr2 Kultur sowie – beim aktuellen Termin – das Lichter Filmfestival.
Weitere Informationen
Anke Harms
Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungszentrums „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität
anke.harms@normativeorders.net
069/798-31407
http://www.normativeorders.net
Hanna Immich
Pressesprecherin und Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des Dezernats Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main
hanna.immich@stadt-frankfurt.de
069/212-49232
http://www.kultur-frankfurt.de
Kerstin Scheidecker
Stellvertretende Pressesprecherin
im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur
Kerstin.scheidecker@hmwk.hessen.de
0611/32161018
http://www.hmwk.hessen.de
Criteria of this press release:
Journalists
Social studies
transregional, national
Miscellaneous scientific news/publications, Transfer of Science or Research
German

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