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05/08/2026 13:22

Siedlungsstrukturen aus der Urgeschichte

Blandina Mangelkramer Presse und Kommunikation
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    FAU-Forschende finden neue Hinweise auf frühe soziale Organisation

    Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben neue Hinweise darauf gefunden, wie große Siedlungen in der Urgeschichte organisiert waren. Im Zentrum steht ein besonderer Gebäudetyp: sogenannte Megastrukturen. Grabungen in Rumänien zeigen, dass dieser Bautyp auch in kleineren Siedlungen vertreten ist. Damit liefern die Megastrukturen neue Erkenntnisse darüber, wie Gemeinschaften mit tausenden Menschen ohne erkennbare Hierar-chien funktionieren konnten.

    Archäologinnen und Archäologen der FAU haben bei Ausgrabungen in der Nähe von Stăuceni im nordost-rumänischen Kreis Botoșani eine Megastruktur der Cucuteni-Tripolje-Kultur entdeckt. Das Gebäude ist mit rund 350 Quadratmetern mehr als dreimal so groß ist wie die umliegenden Wohnhäuser und gibt Hinweise auf die soziale Organisation der Gemeinschaft.

    Der Befund gehört zu den ältesten bekannten Beispielen in der Region. Vergleichbare Gebäude sind bereits aus größeren Siedlungen in der Ukraine bekannt. „Unsere Forschung zeigt, dass dieses Bauele-ment schon sehr früh Teil des Siedlungskonzepts war und auch in viel kleineren Siedlungen auftritt, wo eine besondere Organisationsform noch nicht nötig erscheint", sagt Prof. Dr. Doris Mischka, Inhaberin des Lehrstuhls für jüngere Urgeschichte mit dem Schwerpunkt Neolithikum und Ältere Metallzeiten. Denn obwohl die Siedlung in Stăuceni mit 45 Hausgrundrissen viel kleiner ist als die Siedlungen in der Ukraine, verfügt auch sie über eine solche Megastruktur. Gleichzeitig deuten die Befunde darauf hin, dass die Megastruktur nicht am Anfang der Siedlung errichtet wurde, sondern erst im Verlauf ihrer Ent-wicklung.

    Tausende Menschen, keine Anführer?

    Vor allem in der Ukraine entstehen im 5. und frühen 4. Jahrtausend v. Chr. Siedlungen mit bis zu 3.000 Häusern und schätzungsweise 15.000 bis 30.000 Bewohnern. Die Häuser dieser Siedlungen sind nicht nur sehr ähnlich gebaut, sondern oft geometrisch angelegt, häufig ringförmig mit breiten unbebauten Gassen oder in parallelen Hausreihen.

    Hinweise auf eine zentrale Herrschaft oder klar erkennbare Machtzentren fehlen: Paläste oder große Speicherbauten konnten bisher nicht gefunden werden. „Wenn man sich vorstellt, dass hier tausende Menschen zusammengelebt haben, ist das überraschend", sagt Doris Mischka, Professorin für Ur- und Frühgeschichte an der FAU. „Megastrukturen gelten bisher als einzige Hinweise darauf, wie sich diese Gemeinschaften organisiert haben könnten. Welche Funktion sie hatten, diskutieren wir in der For-schung allerdings noch.“

    Eigenständige Bauweise, unklare Funktion

    Die Bauweise der Megastrukturen unterscheidet sich von normalen Wohnhäusern. Unter dem Fußboden – einem Belag aus halbierten Holzstämmen mit einer Lehmschicht – fanden die Forschenden in Stăuceni einen umlaufenden Fundamentgraben mit mächtigen Pfosten. „Das spricht für eine eigenstän-dige Konstruktion", sagt Mischka.

    Im Inneren entdeckten sie allerdings nur vergleichsweise wenige Artefakte: Keramikscherben, Überreste der Steinbearbeitung sowie vereinzelte botanische Reste, darunter verkohlte Getreidekörner und einen Samen des Schwarzen Bilsenkrauts, einer Pflanze mit psychoaktiver Wirkung. „Die Funde unterschei-den sich kaum von denen gewöhnlicher Wohnhäuser“, erklärt Mischka. „Wir können noch nicht sicher sagen, ob das ein Versammlungshaus, ein ritueller Ort oder vielleicht beides war.“

    Siedlungspläne ohne Spatenstich

    Grundlage der Untersuchungen sind geomagnetische Messungen und gezielte Ausgrabungen. Mithilfe von Magnetometern lassen sich Siedlungsstrukturen sichtbar machen, ohne den Boden großflächig zu öffnen. Verbrannter Lehm und Keramik hinterlassen Spuren im Boden, die sich mit den Messgeräten sichtbar machen lassen. „Wir können so ganze Grundrisse erfassen und gezielt dort graben, wo sich besondere Gebäude befinden", erklärt Mischka.

    Für die Forschung sind die Ergebnisse aus Stăuceni ein weiterer Baustein, um frühe Großsiedlungen besser zu verstehen. Sie deuten darauf hin, dass zentrale Elemente des Zusammenlebens bereits in kleineren Gemeinschaften angelegt waren. „Um wirklich zu klären, welche Funktion diese Gebäude hat-ten, brauchen wir weitere Ausgrabungen und Vergleichsdaten", sagt FAU-Archäologin Mischka. Die Ar-beiten in Stăuceni sollen fortgesetzt werden. Ein Großteil der Struktur ist bislang nicht freigelegt.

    Bildmaterial zum Download:
    https://www.fau.de/2026/05/news/archaeologie-siedlungsstrukturen-aus-der-urgesch...

    Kontakt für Medien:
    Prof. Dr. Doris Mischka
    Lehrstuhl für jüngere Urgeschichte mit dem Schwerpunkt Neolithikum und Ältere Metallzeiten
    Tel.: 09131/85-22408
    doris.mischka@fau.de


    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. Doris Mischka
    Lehrstuhl für jüngere Urgeschichte mit dem Schwerpunkt Neolithikum und Ältere Metallzeiten
    Tel.: 09131/85-22408
    doris.mischka@fau.de


    More information:

    https://www.fau.de/2026/05/news/archaeologie-siedlungsstrukturen-aus-der-urgesch... Bildmaterial zum Download


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    Criteria of this press release:
    Journalists
    History / archaeology
    transregional, national
    Miscellaneous scientific news/publications, Research results
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