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07/08/2026 09:28

Wann beginnen wir zu tanzen? – Wie Babys auf Musik reagieren

Theresa Bittermann Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien

    Gehirn verarbeitet Musik schon ab dem dritten Lebensmonat, getanzt wird aber erst gegen Ende des ersten Lebensjahres

    Menschen aller Kulturen teilen die Fähigkeit, Musik zu erkennen und mit Bewegung darauf zu reagieren. Während die Verarbeitung von Musik bei Erwachsenen bereits gut erforscht ist, war bisher offen, wie und wann Säuglinge beginnen, gehörte musikalische Reize in spontane Körperbewegungen umzusetzen. Dieser Frage ist ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Trinh Nguyen und Stefanie Höhl von der Universität Wien und Giacomo Novembre vom Italienischen Institut für Technologie (IIT) in einer aktuellen Studie nachgegangen. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass das Gehirn Musik zwar schon ab dem dritten Lebensmonat verarbeitet, sich komplexe Bewegungsmuster als Reaktion auf die Musik jedoch erst gegen Ende des ersten Lebensjahres entwickeln. Die Studie erscheint aktuell im Fachjournal eLife.

    Wann und wie beginnen Menschen in ihrer Entwicklung eigentlich beim Musikhören zu tanzen? In einem aktuellen Projekt hat sich ein internationales Team unter der Leitung von Trinh Nguyen und Stefanie Höhl von der Uni Wien sowie Giacomo Novembre vom IIT in Rom mit der Frage befasst, wie sich die sogenannte "Musikalität" in ihren sensorischen und motorischen Komponenten während der frühkindlichen Entwicklung entfaltet. Bislang fehlten Studien, die gleichzeitig die Gehirnaktivität und die spontanen Körperbewegungen von Babys beim Musikhören systematisch messen.

    Reaktionen auf Kinderlieder verraten, wie Gehör und Motorik zusammenhängen

    Für die Untersuchung hat das Forschungsteam 79 Säuglingen im Alter von drei, sechs und zwölf Monaten Kinderlieder ("La Vaca Lola" und "Hopp Juliska") vorgespielt. Als Kontrollbedingungen hörten die Babys zudem rhythmisch und melodisch durchmischte ("shuffled") Versionen derselben Lieder sowie Versionen, bei denen die Tonhöhe gezielt verändert wurde.

    Während des Zuhörens wurde zeitgleich die Gehirnaktivität mittels Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet und die Körperbewegungen der Babys über ein markerloses Video-Tracking-System (DeepLabCut) analysiert. Dadurch konnten die Forscher*innen die neuronalen Reaktionen im Gehirn sowie die kinematischen Bewegungsmuster der Säuglinge (z. B. Armrudern, Oberkörperwippen) synchron erfasst und vergleichen.

    Auditive Verarbeitung von Musik beginnt schon bei dreimonatigen Babys

    Die Auswertung zeigt, dass bereits dreimonatige Babys eine verstärkte Gehirnaktivität bei strukturierter Musik im Vergleich zu den durchmischten Tonfolgen aufweisen. "Wir sehen also, dass die auditive Verarbeitung von Musik schon sehr früh in der Entwicklung beginnt", sagt Studienleiterin Trinh Nguyen von der Uni Wien.

    Strukturierte Bewegungen beim Musikhören im Alter von einem Jahr

    Die Bewegungsdaten lieferten ein differenzierteres Bild: Eine grundlegende Verbindung zwischen Musik und Bewegung war in allen Altersgruppen messbar. Komplexere und strukturierte Bewegungsmuster als Reaktion auf die Musik zeigten sich jedoch erst bei den zwölf Monate alten Kleinkindern. Eine koordinierte Synchronisation der Bewegungen mit dem Takt der Musik konnte in keiner der Altersgruppen nachgewiesen werden.

    Ein interessanter Fund: Höhere Töne regten die Bewegungen der Babys in allen Altersgruppen stärker an. Die Studie zeigt, wie das sich entwickelnde Gehirn nach und nach lernt, Musik in spontane Bewegungen mit zunehmender Komplexität zu übersetzen.

    Musik ist schon für Babys mehr als nur Hintergrundklang

    Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Musik für Babys schon sehr früh mehr ist als bloßer Hintergrundklang: Bereits im ersten Lebenshalbjahr verarbeitet das Gehirn musikalische Struktur, während sich passende Bewegungsmuster erst nach und nach entwickeln. "Für Eltern, pädagogische Fachkräfte und die frühe Förderung bedeutet das, dass gemeinsames Singen, rhythmisches Wiegen und wiederholte musikalische Routinen bereits im ersten Lebensjahr wertvolle Erfahrungen sein können – auch dann, wenn Babys noch nicht sichtbar im Takt mitgehen", sagt Studienleiterin Stefanie Höhl von der Uni Wien. Musik kann damit als ein früher Interaktionsraum verstanden werden, in dem Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Bewegung schrittweise miteinander verknüpft werden.

    Zusammenfassung:

    • Die Entwicklungspsycholog*innen haben erforscht ab welchem Alter Babys oder Kleinkinder beim Musikhören zu tanzen beginnen. Eine bisher ungeklärte Frage in der Studienlandschaft.
    • 79 Säuglingen im Alter von drei, sechs und zwölf Monaten wurden dazu Kinderlieder vorgespielt. Dabei wurden Gehrinaktivität und Körperbewegungen gemessen.
    • Bereits dreimonatige Babys zeigten verstärkte Gehirnaktivität beim Musikhören, die auditive Verarbeitung von Musik beginnt also schon sehr früh.
    • Während eine grundlegende Verbindung zwischen Musikhören und Bewegung in allen Altersgruppen messbar war, zeigten sich strukturierte und komplexere Bewegungen erst bei einjährigen Kleinkindern. Höhere Töne regten die Bewegung besonders an.
    • Das Fazit: Musik ist für Babys nicht nur Hintergrundklang und kann in der Entwicklung schon früh dazu eingesetzt werden Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Bewegungen miteinander zu verknüpfen.

    Über die Universität Wien:

    Die Universität Wien setzt seit über 650 Jahren Maßstäbe in Bildung, Forschung und Innovation. Heute ist sie unter den Top 100 und damit den Top 4 Prozent aller Universitäten weltweit gerankt sowie in aller Welt vernetzt. Mit über 180 Studien und mehr als 10.000 Mitarbeitenden ist sie einer der größten Wissenschaftsstandorte Europas. Hier treffen Menschen aus unterschiedlichsten Disziplinen zusammen, um Spitzenforschung zu betreiben und Lösungen für aktuelle und künftige Herausforderungen zu finden. Ihre Studierenden und Absolvent*innen gehen mit Innovationsgeist und Neugierde komplexe Herausforderungen mit reflektierten und nachhaltigen Lösungen an.


    Contact for scientific information:

    Dr. Trinh Nguyen
    Neuroscience of Perception and Action Lab, Italian Institute of Technology
    Fakultät für Psychologie, Universität Wien
    1010 Wien, Liebiggasse 5
    Psychologisches Institut, Universität Heidelberg
    69117 Heidelberg, Hauptstraße 47
    T +49-6221-54-7123
    trinh.nguyen@uni-heidelberg.de

    Univ.-Prof. Dipl.-Psych. Dr. Stefanie Höhl
    Vizedekanin, Fakultät für Psychologie
    Institut für Angewandte Psychologie
    Universität Wien
    1010 Wien, Liebiggasse 5
    T +43-1-4277-472 70
    stefanie.hoehl@univie.ac.at


    Original publication:

    Development of Auditory and Spontaneous Movement Responses to Music over the First Postnatal Year. Trinh Nguyen, Félix Bigand, Susanne Reisner, Atesh Koul, Roberta Bianco, Gabriela Markova, Stefanie Hoehl, Giacomo Novembre. In: eLife
    DOI: 10.7554/eLife.107088.3
    https://elifesciences.org/articles/107088


    More information:

    https://www.univie.ac.at/aktuelles/press-room/pressemeldungen/detail/wann-beginn...


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    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars
    Psychology, Teaching / education
    transregional, national
    Research results, Transfer of Science or Research
    German


     

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