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Wissenschaft
Nach einer jetzt im angesehen Journal "Science" publizierten Studie sind der globalen Artenvielfalt Grenzen gesetzt. In den Ozeanen wurde bereits vor 400 Millionen Jahren eine Kapazitätsgrenze erreicht. Dies zeigt die Auswertung einer riesigen paläobiologischen Datenbank durch eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern, unter wesentlicher Beteiligung des Museums für Naturkunde in Berlin.
Das bisherige Bild eines steilen Anstiegs der Biodiversität in den letzten 100
Millionen Jahren wird vor allem durch die neuen statistischen Auswertungsverfahren modifiziert, mit denen erstmals die Verfälschungen der geologischen Überlieferung ausgeglichen werden konnten. Die immense Artenvielfalt der Erde beeindruckt Wissenschaftler und Laien gleichermaßen. Doch woher kommt sie eigentlich, wie lange gibt es schon diese Fülle von Leben -und wie stehen die Chancen, dass die Biodiversität zunimmt, wenn beispielsweise Maßnahmen des Naturschutzes greifen? Eine internationale Gruppe von 35 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt ist solchen Fragen im Zuge einer umfassenden Studie zur Diversitätsentwicklung im Meer nachgegangen - und dabei zu überraschenden Erkenntnissen gelangt. Als zentrales Ergebnis stellt das Forscherteam fest, dass die bisher verbreitete Annahme falsch war, der zufolge es in den vergangenen 100 Millionen Jahren einen massiven Anstieg bei der Artenvielfalt gegeben habe. Stattdessen habe bereits vor über 400 Millionen Jahren eine Vielfalt bestanden, die auch heute nicht deutlich überschritten werde. Obwohl seit dieser Zeit mehrere massive Einbrüche durch Massenaussterben zu verzeichnen waren, haben sich Artensterben und Artenneubildung in etwa die Waage gehalten. Offensichtlich gebe es "Grenzen der Artenvielfalt", die kaum überschritten würden. Die Ursachen dieser Kapazitätsgrenzen werden von den Wissenschaftlern jetzt umfassend diskutiert: "Vermutlich spielt der Energiefluss in Nahrungsketten eine Rolle", formuliert Wolfgang Kießling vom Museum für Naturkunde Berlin eine mögliche Erklärung. Die neuen Ergebnisse beruhen auf einer umfassenden Dokumentation von etwa 3,5 Millionen Fossilvorkommen mariner Lebewesen aus der ganzen Welt. Ob diese Erkenntnisse auf Landtiere übertragbar sind, wird noch geprüft. Derzeit reicht die Datenmenge nicht aus um das zuverlässig zu beantworten.
In: Alroy, J., M. Aberhan, D. J. Bottjer, M. Foote, F. T. Fürsich, A. J. W. Hendy, S. M. Holland, L. C. Ivany, W. Kiessling, M. A. Kosnik, C. R. Marshall, A. J. McGowan, A. I. Miller, T. D. Olszewski, M. E. Patzkowsky, P. J. Wagner, N. Bonuso, P. S. Borkow, B. Brenneis, M. E. Clapham, C. A. Ferguson, V. L. Hanson, C. M. Jamet, A. Z. Krug, K. M. Layou, E. H. Leckey, S. Nürnberg, S. E. Peters, J. A. Sessa, C. Simpson, A. Tomasovych, and C. C. Visaggi. 2008. Phanerozoic trends in the diversity of marine invertebrates. Science 321.
Fotos finden Sie im Downloadordner: http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/Vielfaltgrenzen
Fotocredit: Museum für Naturkunde, Berlin
"Biowand_marine": Heutige Diversität mariner Lebewesen, dokumentiert in den neuen Ausstellungen des Museums für Naturkunde
"KopeSlab": Versteinerte Lebensgemeinschaft im Ordovizium von Nordamerika (Kobe Formation, Ohio). Zu sehen sind Brachiopoden und Seelilien-Stielglieder
"Hettang-Korallen": Diversitätseinbruch nach Krisen. Riffe sind von Aussterbeereignissen oft besonders stark betroffen. Die Artenvielfalt der Riffe geht extrem zurück (Korallen aus dem Unterjura von Frankreich)
Kontakt:
Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin, Invalidenstr. 43, 10115 Berlin
Dr. Martin Aberhan, martin.aberhan@museum.hu-berlin.de, Tel. +49(0)30 2093 8578
Prof. Wolfgang Kiessling, wolfgang.kiessling@museum.hu-berlin.de, Tel. +49(0)30 2093 8576
Dr. Gesine Steiner, Öffentlichkeitsarbeit
Tel. +49(0)30 2093 8917 Fax. +49(0)30 2093 8914
e-mail gesine.steiner@museum.hu-berlin.de www.naturkundemuseum-berlin.de
Criteria of this press release:
Biology, Geosciences, Information technology
transregional, national
Research results
German

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