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Wissenschaft
Kleine und mittelständische Handwerksbetriebe stehen vor wachsenden Herausforderungen. Umbau und Sanierung im Bestand werden zunehmend komplexer, der Zeitdruck steigt und der Fachkräftemangel verschärft sich. Digitale Werkzeuge und robotische Systeme versprechen Entlastung. Doch wie lassen sich die neuen Technologien so einsetzen, dass sie Handwerker*innen im Alltag tatsächlich helfen? Diese Frage untersucht ein interdisziplinäres Forschungsteam der Bauhaus-Universität Weimar im Projekt »Handwerk der Zukunft«. Vom europäischen Sozialfond erhalten die Forschenden dafür von 2026 bis 2028 ca. eine Million Fördermittel.
Digitale Planung und Robotik praxisnah gedacht
Technologische Neuerungen wie digitale Bestandserfassung, vernetzte Planung oder kollaborative Robotik werden immer erschwinglicher und zugänglicher. Dies bietet vor allem kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben große Chancen: So lassen sich beispielsweise Planung und Ausführung unmittelbar verzahnen, entsprechende Arbeitsprozesse zusammenführen und beschleunigen sowie bauliche Tätigkeiten automatisieren. Doch: Ohne den Menschen funktioniert das Handwerk nicht, und allzu oft laufen rein autonome oder maschinelle Bauverfahren ins Leere. Ziel des Forschungsprojektes ist es daher, Handwerker*innen in den Fokus zu nehmen – und digitale Innovation und Anwendung aus der Perspektive ausführender Handwerker*innen und in Zusammenarbeit mit Planungsbüros und Betrieben zu entwickeln.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit von der Planung bis zur Baustelle
Dazu arbeiten Architekt*innen, Bauingenieur*innen, Designer*innen und Informatiker*innen der Bauhaus-Universität Weimar mit Planungsbüros und Handwerksbetrieben eng zusammen. Sie betrachten den gesamten Prozess von der Bestandsaufnahme über die Planung bis zur Ausführung und entwickeln anwendungsorientierte Konzepte – insbesondere für den Baubestand. Bis 2028 soll eine Reihe von Lösungen entstehen, die Betriebe bei der Einführung und Umsetzung digitaler Technologien unterstützen und sich flexibel in bestehende Arbeits- und Bauabläufe integrieren lassen. Die entwickelten Ansätze werden u.a. mit kollaborativen Industrierobotern getestet, weiterentwickelt und anschaulich demonstriert. Mögliche Einsatzmöglichkeiten reichen von der Analyse des Bauwerkszustands über das Markieren von Wandöffnungen bis hin zum Abtragen von Materialien.
Konkrete Anwendung statt abstrakter Lösungen
In der baulichen Praxis scheitert der Einsatz digitaler Technologien oftmals an fehlenden Standards und Schnittstellen, mangelnder Anwendungspraxis und Erfahrung und mancherorts an fehlendem Wissen in den Betrieben selbst. Genau hier setzt das Projekt »Handwerk der Zukunft« an: Statt Menschen durch digitale Verfahren und Robotik zu ersetzen, stehen die Bedürfnisse, Kenntnisse und Kompetenzen der Handwerker*innen im Mittelpunkt und stellen einen integralen Bestandteil des Forschungsprojekts dar. Hierzu analysiert das Forschungsteam alle notwendigen Arbeitsschritte und entwickelt praxisnahe Schnittstellen und Anwendungen, wie digitale Verfahren und Robotik im Baubereich und insbesondere bei Umbau und Sanierungsmaßnahmen gezielt unterstützen können.
Mehr Effizienz, Entlastung und Zukunftsperspektiven für Betriebe
Insbesondere kleine und mittelständische Betriebe sollen von den Ergebnissen profitieren. Beispielsweise können digitale Verfahren und robotische Systeme körperlich belastende Arbeiten reduzieren, Arbeits- und Gesundheitsschutz verbessern und auch kleine Teams befähigen, größere Auftragsvolumen zu bewältigen. Darüber hinaus lassen sich mithilfe präziser, datenbasierter Planungs- und Bauprozesse mögliche Fehler und Nacharbeiten vermeiden und der Materialeinsatz effizienter planen. Eine solche »assistive Digitalisierung« hält die Betriebe handlungsfähig und erhöht zugleich die Attraktivität des Berufsfeldes für junge Nachwuchskräfte. Unterstützt wird das Projekt durch eine Vielzahl von Industriepartnern und einem in Kürze zu gründenden Industriebeirat.
Projektinformationen
Projekt: Handwerk der Zukunft: Datengestützte Planung und Mensch-Roboter-Interaktion im Baubestand
Gesamtförderung: 999.958,60 EUR, Europäischer Sozialfonds (ESF)
Laufzeit: 2026–2028
Koordination:
Bauhaus-Universität Weimar
Jun.-Prof. Dr.-Ing. Lars Abrahamczyk,
Fakultät Bau- und Umweltingenieurwissenschaften,
Professur Komplexe Tragwerke
Prof. Dr.-Ing. Christian Koch,
Fakultät Bau- und Umweltingenieurwissenschaften,
Professur Intelligentes Technisches Design
Prof. Dr.-Ing. Jan Willmann,
Fakultät Kunst und Gestaltung
Professur Designtheorie und Designforschung
MFPA Weimar (Kooperationspartner)
Arbeitsgruppe Material- und Produktqualifizierung (Alexander Freyburg)
Prof. Dr.-Ing. Carsten Könke (Leiter der Einrichtung)
Industriepartner
WBB Aktiengesellschaft
Kummer Lubk + Partner Architekten Ingenieure Generalplaner PartG mbB
MKP GmbH
Tragwerk Software
hf Sensor GmbH
Ingenieurkammer Thüringen
Jun.-Prof. Dr.-Ing. Lars Abrahamczyk
Fakultät Bau- und Umweltingenieurwissenschaften
Professur Komplexe Tragwerke
Telefon: +49 (0)3643 / 58 41 03
E-Mail: lars.abrahamczyk@uni-weimar.de
Criteria of this press release:
Journalists
Art / design, Construction / architecture
transregional, national
Research projects, Transfer of Science or Research
German

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