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14.01.2026 14:47

Smart Bauen und Sanieren: Bauhaus-Universität Weimar erprobt Robotik im Handwerk

Claudia Weinreich Universitätskommunikation
Bauhaus-Universität Weimar

    Kleine und mittelständische Handwerksbetriebe stehen vor wachsenden Herausforderungen. Umbau und Sanierung im Bestand werden zunehmend komplexer, der Zeitdruck steigt und der Fachkräftemangel verschärft sich. Digitale Werkzeuge und robotische Systeme versprechen Entlastung. Doch wie lassen sich die neuen Technologien so einsetzen, dass sie Handwerker*innen im Alltag tatsächlich helfen? Diese Frage untersucht ein interdisziplinäres Forschungsteam der Bauhaus-Universität Weimar im Projekt »Handwerk der Zukunft«. Vom europäischen Sozialfond erhalten die Forschenden dafür von 2026 bis 2028 ca. eine Million Fördermittel.

    Digitale Planung und Robotik praxisnah gedacht
    Technologische Neuerungen wie digitale Bestandserfassung, vernetzte Planung oder kollaborative Robotik werden immer erschwinglicher und zugänglicher. Dies bietet vor allem kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben große Chancen: So lassen sich beispielsweise Planung und Ausführung unmittelbar verzahnen, entsprechende Arbeitsprozesse zusammenführen und beschleunigen sowie bauliche Tätigkeiten automatisieren. Doch: Ohne den Menschen funktioniert das Handwerk nicht, und allzu oft laufen rein autonome oder maschinelle Bauverfahren ins Leere. Ziel des Forschungsprojektes ist es daher, Handwerker*innen in den Fokus zu nehmen – und digitale Innovation und Anwendung aus der Perspektive ausführender Handwerker*innen und in Zusammenarbeit mit Planungsbüros und Betrieben zu entwickeln.

    Interdisziplinäre Zusammenarbeit von der Planung bis zur Baustelle
    Dazu arbeiten Architekt*innen, Bauingenieur*innen, Designer*innen und Informatiker*innen der Bauhaus-Universität Weimar mit Planungsbüros und Handwerksbetrieben eng zusammen. Sie betrachten den gesamten Prozess von der Bestandsaufnahme über die Planung bis zur Ausführung und entwickeln anwendungsorientierte Konzepte – insbesondere für den Baubestand. Bis 2028 soll eine Reihe von Lösungen entstehen, die Betriebe bei der Einführung und Umsetzung digitaler Technologien unterstützen und sich flexibel in bestehende Arbeits- und Bauabläufe integrieren lassen. Die entwickelten Ansätze werden u.a. mit kollaborativen Industrierobotern getestet, weiterentwickelt und anschaulich demonstriert. Mögliche Einsatzmöglichkeiten reichen von der Analyse des Bauwerkszustands über das Markieren von Wandöffnungen bis hin zum Abtragen von Materialien.

    Konkrete Anwendung statt abstrakter Lösungen
    In der baulichen Praxis scheitert der Einsatz digitaler Technologien oftmals an fehlenden Standards und Schnittstellen, mangelnder Anwendungspraxis und Erfahrung und mancherorts an fehlendem Wissen in den Betrieben selbst. Genau hier setzt das Projekt »Handwerk der Zukunft« an: Statt Menschen durch digitale Verfahren und Robotik zu ersetzen, stehen die Bedürfnisse, Kenntnisse und Kompetenzen der Handwerker*innen im Mittelpunkt und stellen einen integralen Bestandteil des Forschungsprojekts dar. Hierzu analysiert das Forschungsteam alle notwendigen Arbeitsschritte und entwickelt praxisnahe Schnittstellen und Anwendungen, wie digitale Verfahren und Robotik im Baubereich und insbesondere bei Umbau und Sanierungsmaßnahmen gezielt unterstützen können.

    Mehr Effizienz, Entlastung und Zukunftsperspektiven für Betriebe
    Insbesondere kleine und mittelständische Betriebe sollen von den Ergebnissen profitieren. Beispielsweise können digitale Verfahren und robotische Systeme körperlich belastende Arbeiten reduzieren, Arbeits- und Gesundheitsschutz verbessern und auch kleine Teams befähigen, größere Auftragsvolumen zu bewältigen. Darüber hinaus lassen sich mithilfe präziser, datenbasierter Planungs- und Bauprozesse mögliche Fehler und Nacharbeiten vermeiden und der Materialeinsatz effizienter planen. Eine solche »assistive Digitalisierung« hält die Betriebe handlungsfähig und erhöht zugleich die Attraktivität des Berufsfeldes für junge Nachwuchskräfte. Unterstützt wird das Projekt durch eine Vielzahl von Industriepartnern und einem in Kürze zu gründenden Industriebeirat.

    Projektinformationen
    Projekt: Handwerk der Zukunft: Datengestützte Planung und Mensch-Roboter-Interaktion im Baubestand
    Gesamtförderung: 999.958,60 EUR, Europäischer Sozialfonds (ESF)
    Laufzeit: 2026–2028

    Koordination:

    Bauhaus-Universität Weimar

    Jun.-Prof. Dr.-Ing. Lars Abrahamczyk,
    Fakultät Bau- und Umweltingenieurwissenschaften,
    Professur Komplexe Tragwerke

    Prof. Dr.-Ing. Christian Koch,
    Fakultät Bau- und Umweltingenieurwissenschaften,
    Professur Intelligentes Technisches Design

    Prof. Dr.-Ing. Jan Willmann,
    Fakultät Kunst und Gestaltung
    Professur Designtheorie und Designforschung

    MFPA Weimar (Kooperationspartner)
    Arbeitsgruppe Material- und Produktqualifizierung (Alexander Freyburg)
    Prof. Dr.-Ing. Carsten Könke (Leiter der Einrichtung)

    Industriepartner

    WBB Aktiengesellschaft
    Kummer Lubk + Partner Architekten Ingenieure Generalplaner PartG mbB
    MKP GmbH
    Tragwerk Software
    hf Sensor GmbH
    Ingenieurkammer Thüringen


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Jun.-Prof. Dr.-Ing. Lars Abrahamczyk
    Fakultät Bau- und Umweltingenieurwissenschaften
    Professur Komplexe Tragwerke
    Telefon: +49 (0)3643 / 58 41 03
    E-Mail: lars.abrahamczyk@uni-weimar.de


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Bauwesen / Architektur, Kunst / Design
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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