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Wissenschaft
Dr. Danai Papageorgiou erforscht, wie die Verteilung von Macht in Tiergesellschaften reguliert wird. Dr. Katrin Martens untersucht in einem Reallabor sozial-ökologische Transformationsprozesse, und Dr. Thilo Wellmann entwickelt ein Monitoring für grüne Infrastruktur in Kommunen.
An der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) arbeiten drei neue Forschungsgruppen. Die Gruppe der Verhaltensbiologin Dr. Danai Papageorgiou „Die Aufrechterhaltung des Machtgleichgewichts in Tiersozialen“ wird am Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften eingerichtet und vom Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Ebenfalls am Thaer-Institut angesiedelt ist die Nachwuchsforschungsgruppe der Agrarökonomin Dr. Katrin Martens „Kokreative, resiliente Stadt-Umland-Regionen - sozial-ökologische Transformationsprozesse in Energieregionen gemeinsam verstehen, integrieren und managen“. Sie wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert ebenso wie die Gruppe „StadtLandschaften: Entwicklung eines kommunalen Monitoringsystems für die grüne Infrastruktur in der Stadt und für naturbasierte Lösungen“ von Dr. Thilo Wellmann am Institut für Geographie.
1. Die Aufrechterhaltung des Machtgleichgewichts in Tiergesellschaften
Das Leben in Gruppen schützt Tiere vor Gefahren und führt zu einer erfolgreichen Fortpflanzung. Doch einzelne Gruppenmitglieder sichern sich durch dominantes Verhalten einen besseren Zugang zu Ressourcen. Wie verschiedene Tiergesellschaften die ungleiche Machtverteilung regulieren und ausgleichen, ist bislang kaum untersucht und ist der Forschungsschwerpunkt der Nachwuchsgruppe unter Leitung von Dr. Danai Papageorgiou.
Anhand von frei verfügbaren Langzeitdaten untersuchen die Forschenden, wie und zu welchem Zeitpunkt sich zwei oder mehr Tiere - Vögel oder Säugetiere - innerhalb einer Gruppe zusammenschließen, um ein dominantes, ranghöheres Individuum anzugreifen. Die Forschungen beinhalten Experimente, die mit Hilfe von Roboterfischen in Aquarien der HU durchgeführt werden. Ziel ist zu testen, ob ein Schwarm von Trinidad-Guppies angesichts eines dominanten Roboterfisches kollektive Entscheidungen trifft – und mit der Zeit unabhängiger wird.
Mit Hilfe von Drohnen, Deep Learning und anhand genetischer Daten wird in dem Vorhaben zudem das Verhalten von wild lebenden männlichen Tümmlern im Indopazifik untersucht. Im Mittelpunkt steht ihre Kooperation bei der Begattung brünstiger Weibchen, ihre Bewegungsmuster, soziale Interaktionen sowie Fortpflanzungserfolge. Die Ergebnisse der Teilprojekte werden durch Computermodellierung zusammengefasst und erlauben Rückschluss darauf, wie ausgleichendes Verhalten zum Machtgleichgewicht in Tiergesellschaften beiträgt.
Danai Papageorgiou wird ab März 2026 sechs Jahre lang im Rahmen des Emmy Noether-Programms der DFG mit 1,9 Millionen Euro gefördert. Die Verhaltensbiologin nimmt außerdem am „1000-Köpfe-Plus“-Programm des BMFTR teil. Sie kooperiert mit Forschenden an der University of Bristol (Großbritannien), der Universität Zürich (UZH, Schweiz), sowie am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin.
Weitere Informationen:
Das Emmy Noether-Programm der DFG: https://www.dfg.de/de/foerderung/foerdermoeglichkeiten/programme/einzelfoerderun...
Das Emmy Noether-Programm der DFG dient der Förderung von herausragenden Nachwuchswissenschaftler*innen und gibt diesen die Möglichkeit, sich über einen Zeitraum von sechs Jahren für eine Hochschulprofessur zu qualifizieren.
Kontakt:
Dr. Danai Papageorgiou
Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften der HU
E-Mail: danai.papageorgiou@proton.me
2. KoReGio100: Kokreative, resiliente Stadt-Umland-Regionen: sozial-ökologische Transformationsprozesse in Energieregionen gemeinsam verstehen, integrieren und managen
Führende Akteure in den norddeutschen Städten Heide, Rendsburg, Neumünster und Kiel sowie den Umlandgemeinden starten in Schleswig-Holstein aktuell die Initiative „Clean Energy Valley“ zu ihrer sozial-ökologischen Transformation. Die Region in Norddeutschland will zu einem führenden Standort für die Weiterverarbeitung erneuerbarer Energien in Europa werden. Um diesen Prozess zu begleiten, errichtet das vom BMFTR mit rund 1,5 Millionen Euro geförderte Projekt „KoReGio100“ ein Reallabor. Ziel ist, eine „kokreative Region“ als neue Form der politischen Steuerung aufzubauen. Zivilgesellschaft und Wirtschaft sollen stärker in regionale Entwicklungen eingebunden werden, um nachhaltigere Lösungen zu entwickeln und langfristig Ressourcen zu sparen.
Forschende der HU analysieren in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, wo die ökologischen Grenzen der Region liegen und entwickeln Formate zur Konfliktbearbeitung. Im Teilprojekt „Soziale Innovationsfähigkeit“ untersucht die HU-Arbeitsgruppe, wie verschiedene Akteure besser zusammenarbeiten können. Die Fragen und Erkenntnisse werden gemeinsam mit den Akteuren vor Ort im Reallabor entwickelt und erprobt.
Ziel des über fünf Jahre laufenden Projekts ist es auch, anderen Stadt-Umland-Regionen in Deutschland und Europa einen Leitfaden zu bieten, um komplexe Transformationsprozesse unter Beteiligung von Bürger*innen und Wirtschaft zu gestalten, zu steuern und langfristig zu managen.
Kontakt:
Dr. Katrin Martens
Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin
E-Mail: Katrin.Martens@hu-berlin.de
3. Resiliente StadtLandschaften: Entwicklung eines kommunalen Monitoringsystems für naturbasierte Lösungen in der Stadt
Der Klimawandel und der Verlust biologischer Vielfalt stellen die Kommunen in Deutschland vor große Herausforderungen. Verschärfend wirken lokale Trends wie zunehmender Flächenverbrauch. Beides verlangen von kommunalen Verwaltungen eine Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit und Resilienz – zum Beispiel durch das Einführen naturbasierter Lösungen wie begrünte Dächer, wasserdurchlässige Beläge, Stadtwälder und freigelegte Flüsse.
Um die Kommunen dabei zu unterstützen, die lokale Biodiversität zu erhöhen und die Lebensqualität zu verbessern, erarbeitet die Forscher*innengruppe „Resiliente Stadtlandschaften im globalen Wandel“ an der HU gemeinsam mit umweltpolitischen Akteuren ein neuartiges Monitoringsystem.
Dieses basiert maßgeblich auf Daten aus Satellitenbildern und soll insbesondere kleine und mittlere Kommunen mit in ganz Deutschland zugänglichen, verständlichen und praxisrelevanten Informationen versorgen. Dazu zählen etwa Trockenschäden an Straßenbäumen, der Verlust wertvoller Gartenflächen oder Entwicklungen im Bereich der Umweltgerechtigkeit – also der Zusammenhang von sozio-ökonomischer Lebensrealität und Umweltqualität. Die Daten dienen dazu, nachhaltige Entscheidungen treffen zu können und die lokale Umwelt resilienter und gerechter zu gestalten.
Das Projekt wird von November 2025 bis Oktober 2030 mit rund 1,86 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Forschung, Technik und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. Praxispartner sind „Kommbio-Kommunen für Biologische Vielfalt e.V.“ (https://www.kommbio.de) und die „Biologische Station Westliches Ruhrgebiet e.V.“ (https://www.bswr.de)
Weitere Informationen
Projektwebsite (im Aufbau): https://www.geographie.hu-berlin.de/de/abteilungen/resiliente-stadtlandschaften-...
Kontakt:
Dr. Thilo Wellmann
Geographisches Institut der Humboldt-Universität zu Berlin
E-Mail: thilo.wellmann@geo.hu-berlin.de
Criteria of this press release:
Journalists
Geosciences, Zoology / agricultural and forest sciences
transregional, national
Research projects
German

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