idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
02/20/2026 07:13

Künstliches DNA-Basenpaar auf Basis von Halogenbindungen entwickelt

Gabriele Meseg-Rutzen Kommunikation und Marketing
Universität zu Köln

    Ein Forschungsteam unter Kölner Leitung hat eine künstliche DNA-Base entwickelt, die nach einem neuen chemischen Prinzip funktioniert. Anders als natürliche Basen nutzt die synthetische Base Halogenbindungen und kann dennoch von einem Enzym in DNA eingebaut werden / Veröffentlichung im Journal of the American Chemical Society

    Erstmals ist es gelungen, ein künstliches DNA-Basenpaar zu entwickeln, das auf einer anderen chemischen Kraft beruht als die natürliche Erbsubstanz. Während die bekannten natürlichen DNA-Bausteine durch Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden, setzt das neue Basenpaar auf Halogenbindungen als zentrale Anziehungskraft. Diese wirken wie winzige, präzise ausgerichtete „Andockstellen“ zwischen Molekülen. Die Studie zeigt erstmals, dass auch solche alternativen Bindungen stabile DNA-Strukturen ermöglichen. Sie wurde unter dem Titel „Investigating Halogen Bonds as Pairing Force in an Artificial DNA Base Pair“ im Journal of the American Chemical Society veröffentlicht.

    In den vergangenen Jahrzehnten wurden zahlreiche künstliche Basenpaare entwickelt, die das Prinzip der Wasserstoffbrückenbindungen nachahmen oder ergänzen. „Unser Ansatz geht einen Schritt weiter. Wir haben ein vollständig neuartiges Basenpaar konzipiert, das Halogenbindungen als alternative Anziehungskraft nutzt“, sagt Professorin Dr. Stephanie Kath-Schorr, Leiterin der Studie vom Institut für Organische Chemie der Universität zu Köln. Um dies zu erreichen, entwarf das Team spezielle chemische Bausteine, die ein Halogenatom – in diesem Fall Iod – enthalten. Mithilfe von Computersimulationen berechneten die Forschenden zunächst, wie sich diese Bausteine optimal anordnen müssen. Anschließend stellten sie die Moleküle im Labor her und testeten, ob sie sich tatsächlich gezielt miteinander verbinden. Die Experimente bestätigten, dass die neuartigen Bausteine zuverlässig zueinanderfinden und ein stabiles Paar bilden.

    Besonders bemerkenswert ist, dass ein natürlich vorkommendes Enzym die künstlichen Bausteine akzeptiert. DNA-Polymerasen sind Enzyme, die als „Kopiermaschinen“ der Zelle fungieren und neue DNA-Stränge aufbauen. In den Versuchen zeigten die Forschenden, dass eine DNA-Polymerase die neu entwickelten Bausteine in eine wachsende DNA-Kette einfügen kann. Damit funktioniert das künstliche Basenpaar nicht nur im Reagenzglas, sondern auch im Zusammenspiel mit biologischen Komponenten.

    „DNA ist nicht ausschließlich auf das bekannte chemische Prinzip angewiesen“, sagt Kath-Schorr. „Unsere Ergebnisse erweitern das genetische Alphabet und das Verständnis davon, wie flexibel das Molekül des Lebens tatsächlich ist.“ Langfristig könnten solche zusätzlichen DNA-Bausteine neue Möglichkeiten in der synthetischen Biologie eröffnen, etwa für die Entwicklung neuartiger diagnostischer und therapeutischer Verfahren.


    Presse and Kommunikation:
    Jan Voelkel
    +49 221 470 2356
    j.voelkel@verw.uni-koeln.de


    Contact for scientific information:

    Professorin Dr. Stephanie Kath-Schorr
    Department für Chemie und Biochemie
    Institut für Organische Chemie
    +49 221 470 4375
    skathsch@uni-koeln.de


    Original publication:

    https://pubs.acs.org/doi/10.1021/jacs.5c23044


    Images

    Criteria of this press release:
    Journalists
    Biology, Chemistry, Medicine
    transregional, national
    Research results
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).