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Neue Untersuchung von Forschenden der Freien Universität Berlin: Geteilte Emotionen stärken politische Lagerbildung – besonders bei den Themen Klimawandel und Asylpolitik
Politische Polarisierung entsteht nicht nur durch unterschiedliche Meinungen – auch Gefühle spielen eine zentrale Rolle. Das zeigt eine neue Studie von Forschenden der Freien Universität Berlin. Demnach bilden sich in Deutschland besonders bei den Themen Klimawandel und Asylpolitik politisch klar abgegrenzte Meinungsgruppen, deren Mitglieder nicht nur ähnliche Positionen vertreten, sondern auch ähnliche Emotionen teilen.
Eine neue Studie von Forschenden der Freien Universität Berlin zeigt: Menschen in stark polarisierten Gruppen empfinden besonders große emotionale Nähe zu Gleichgesinnten und deutliche Distanz zu Andersdenkenden. Diese wahrgenommene emotionale Übereinstimmung stärkt das Zugehörigkeitsgefühl innerhalb der eigenen Gruppe und vertieft zugleich gesellschaftliche Spaltung. Die Studie „Emotionally Aligned and Structurally Sorted: How Opinion Groups Divide on Climate and Asylum“ ist in der Fachzeitschrift PNAS Nexus erschienen.
„Politische Gruppen entstehen nicht nur über gemeinsame Positionen oder Argumente“, sagt der Soziologe der Freien Universität Berlin und Erstautor der Studie, Diego Dametto. „Entscheidend ist auch, dass Menschen glauben, mit Gleichgesinnten ähnliche Gefühle zu teilen.“
Das Forschungsteam zeigt in der Studie mehrere Mechanismen, die politische Spaltung verstärken:
Emotionale Übereinstimmung innerhalb von Gruppen
Mitglieder stark polarisierter Meinungsgruppen nehmen ihre Gefühle als besonders ähnlich wahr. Gegenüber Andersdenkenden dominieren negative Emotionen wie Ärger, Ekel oder Verachtung, während gegenüber der eigenen Gruppe häufiger Freude empfunden wird.
Emotionen als Motor der Gruppenbildung
Die wahrgenommene Übereinstimmung von Gefühlen stärkt das Wir-Gefühl innerhalb politischer Lager und verstärkt die Abgrenzung zu anderen Gruppen. Emotionale Wahrnehmungen tragen damit wesentlich zur Dynamik gesellschaftlicher Polarisierung bei.
Soziale Sortierung politischer Lager
Polarisierte Meinungsgruppen unterscheiden sich auch sozial – etwa nach Alter, Bildung, Einkommen oder Wohnort. Gleichzeitig überschneiden sich politische und soziale Netzwerke zunehmend, wodurch Kontakte zu Menschen mit anderen politischen Ansichten seltener werden.
Unterschiede im politischen Engagement
Personen mit eher progressiven Positionen beteiligen sich häufiger an kollektiven Protestformen. Menschen mit eher konservativen Ansichten diskutieren dagegen häufiger über Politik – auch mit entfernteren sozialen Kontakten, etwa am Arbeitsplatz.
Insgesamt sehen die Forschenden darin eine Dynamik, in der sich emotionale Wahrnehmungen, soziale Netzwerke und politisches Verhalten gegenseitig verstärken. „Den Freund*innenkreis ausschließlich entlang der eigenen politischen Identität zu gestalten, kann ein Zugehörigkeitsgefühl vermitteln, geht jedoch häufig mit dem Risiko einher, anderen politischen Gruppen mit negativen Gefühlen zu begegnen“, sagt Diego Dametto. Dies könne langfristig demokratische Verständigungsprozesse erschweren.
Hintergrund der Studie
Für die nicht-repräsentative Stichprobenerhebung analysierte das Forschungsteam emotionale Reaktionen von mehr als 5.500 Menschen in Deutschland, deren Online-Verhalten auf ein erhöhtes Interesse für politische Themen hinwies. Die Teilnehmenden wurden vor der Bundestagswahl 2021 über soziale Medien rekrutiert. Die Studie entstand im Projekt „Coping with Affective Polarization“ und wurde von der Berlin University Alliance sowie der Einstein Stiftung Berlin gefördert.
Diego Dametto, Freie Universität Berlin, Institut für Soziologie – Arbeitsbereich Soziologie der Emotionen, Projekt „Coping with Affective Polarization“ (Einstein Stiftung Berlin), E-Mail: d.dametto@fu-berlin.de
https://doi.org/10.1093/pnasnexus/pgag051
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars
Politics, Social studies
transregional, national
Research results
German

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