idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
04/15/2026 08:13

Lawinen: Wann das Kartenhaus kollabiert

Jochen Bettzieche Medienkontakt WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Davos
Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

    Während die grundlegenden Materialgesetze für Stahl und Beton bereits vor über einem Jahrhundert etabliert wurden, geben Schwachschichten im Schnee bis heute Rätsel auf – über ihr Versagen kursieren zwei Theorien. Die neuste SLF-Studie zeigt nun eine klare Tendenz.

    • Grundlagenwissen zu Schwachschichten: Aktuelle Tests zeigen, wie gross Druck- und Scherkräfte sein müssen, damit in einer Schwachschicht ein Bruch entsteht.
    • Analyse im Labor: Die Tests verfeinern das Materialgesetz – die Basis aller physikalischen Berechnungen – von Schwachschichten und können die Lawinenprognose verbessern.

    Als Kartenhaus werden sie beschrieben, das durch zu viel Belastung in sich zusammenbricht: die Schwachschichten, die zu Schneebrettlawinen führen können. Bisher war nur unzureichend geklärt, welche Kräfte sie brechen lassen. Neue Erkenntnisse von SLF-Forschenden bieten nun aktuelle experimentelle Grundlagen für die Basis von Lawinenmodellen. Dafür haben die Forschenden die Schwerkraft, wie sie auf die Schneedecke am Hang wirkt, im Labor nachgestellt: Zum einen die Normalkraft, die senkrecht auf den Hang wirkt. Zum anderen die Scherkraft, die parallel zum Hang wirkt und mit zunehmender Hangneigung zunimmt.
    In der Lawinenforschung treffen dazu seit den 1970er-Jahren zwei Meinungen aufeinander, 20 Studien wurden schon dazu publiziert. Eine Theorie besagt, dass bei zunehmender senkrechter Kraft auch die erforderliche Kraft parallel zum Hang zunimmt. Die andere besagt, dass es bei mehr Druck von oben schon bei geringerer Scherbelastung zum Bruch kommt. Für diese Theorie sprechen nun auch Jakob Schöttners Ergebnisse. Der Schneemechanik-Doktorand am WSL-Institut für Schnee und Lawinenforschung SLF erklärt: «Druck macht die Schneedecke nicht stabiler, sondern beide Kräfte gemeinsam führen zum Versagen der Schwachschicht.»

    Schnee unter Druck gesetzt

    Um herauszufinden, wie diese Anteile von Druck- und Scherkräften zusammenwirken, hat Jakob Schöttner im Kältelabor 63 Proben von drei natürlichen Schwachschichten aus eingeschneitem Oberflächenreif unter kombinierter Druck- und Scherbelastung untersucht. Dabei hat er mit einer Hochgeschwindigkeitskamera festgehalten, wann die Schichten brechen. Seine Erkenntnisse verfeinern das Materialgesetz – die Basis aller physikalischen Berechnungen – von Schwachschichten. Dieses Gesetz kann für Modellberechnungen verwendet werden, die wiederum die Lawinenprognose einen Schritt weiterbringen können.


    Contact for scientific information:

    Jakob Schöttner

    Doktorand

    Lawinen und Prävention

    Lawinenbildung und Lawinendynamik

    jakob.schoettner(at)slf.ch

    +41 81 4170 372

    SLF Davos


    Original publication:

    https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1029/2025GL120870


    Images

    Schwachschichten im Schnee geben bis heute Rätsel auf – und werden etwa von SLF-Doktorand Jakob Schöttner im Kältelabor in Davos untersucht.
    Schwachschichten im Schnee geben bis heute Rätsel auf – und werden etwa von SLF-Doktorand Jakob Schö ...
    Source: Delia Landolt / SLF
    Copyright: Delia Landolt / SLF


    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars
    Physics / astronomy
    transregional, national
    Research projects, Research results
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).