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05/22/2026 11:32

Leben im All übersehen? Forschende warnen vor „blinden Flecken“ bei der Suche nach außerirdischem Leben

Christine Xuan Müller Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Freie Universität Berlin

    Neue „Nature Astronomy“-Studie mit Beteiligung von FU-Forschenden plädiert für neue Suchansätze

    Wie wahrscheinlich ist es, dass Hinweise auf außerirdisches Leben bereits existieren – wir sie aber bislang schlicht nicht erkennen? Dieser Frage widmet sich ein internationales Forschungsteam in einer neuen Studie in der Fachzeitschrift "Nature Astronomy". Die Forschenden analysieren sogenannte „False Negatives“, also Situationen, in denen vorhandene Spuren biologischer Aktivität übersehen oder falsch interpretiert werden. An der Studie beteiligt waren auch Forschende der FU Berlin, die zu den international führenden Akteuren der Planeten- und Astrobiologieforschung zählen.

    Die Autorinnen und Autoren warnen davor, dass aktuelle Suchstrategien für extraterrestrisches Leben zu eng gefasst sein könnten. Raumfahrtmissionen und Instrumente seien bisher vor allem darauf ausgelegt, bestimmte bekannte Biosignaturen nachzuweisen. Die Gefahr, vorhandene Lebensspuren zu übersehen, werde dagegen bislang kaum systematisch berücksichtigt. Die Studie plädiert deshalb für neue Forschungsstrategien, die Laborversuche, Modellierungen, Feldforschung und KI-gestützte Mustererkennung stärker miteinander verbinden.

    Warum vorhandene Lebensspuren unentdeckt bleiben können

    „Die Suche nach außerirdischem Leben ist eine der großen wissenschaftlichen Fragen unserer Zeit. Wir müssen jedoch vermeiden, unsere Instrumente und Methoden zu sehr auf das auszurichten, was wir bereits kennen“, sagt der Planetenforscher der Freien Universität Berlin, Dr. Nozair Khawaja: „Gerade ungewöhnliche oder schwer erkennbare Formen biologischer Aktivität könnten uns sonst entgehen.“

    Die Studie „False negatives in the search for extraterrestrial life“ beschreibt mehrere Ursachen für mögliche Fehlinterpretationen. So könnten chemische oder geologische Prozesse Hinweise auf Leben verschleiern. Ebenso könnten Spuren biologischer Aktivität zwar vorhanden sein, aber durch ungeeignete Messmethoden unentdeckt bleiben. „Ein einfaches Beispiel: Existiert Leben unter der Oberfläche eines Planeten, lässt es sich durch reine Oberflächenbeobachtungen möglicherweise nicht erkennen“, erklärt Prof. Frank Postberg.

    Die Forschenden sehen darin nicht nur ein wissenschaftliches Problem. „Fehlende Nachweise könnten auch politische und wirtschaftliche Folgen haben – etwa dann, wenn planetare Rohstoffe genutzt werden, bevor mögliche Lebensformen ausreichend untersucht wurden“, ergänzt Prof. Lena Noack.

    Forschung hat Relevanz für künftige ESA-Missionen

    Die Studie „False negatives in the search for extraterrestrial life“ entstand unter Federführung von Inge Loes ten Kate, Professorin für Astrobiologie an der Universität Utrecht und der Universität Amsterdam. Einen maßgeblichen Beitrag dazu leisteten zudem die Planetenwissenschaftler*innen der Freien Universitiät Berlin. Dr. Nozair Khawaja und Prof. Frank Postberg untersuchten, wie mögliche Spuren von Leben insbesondere auf eisigen Monden unter dicken Eiskrusten verborgen bleiben könnten. Unter diesen Eiskrusten könnten sich Ozeane befinden, in denen vielleicht sogar einfaches Leben existiert. Diese Forschungsarbeiten sind von hoher Relevanz für zukünftige Missionskonzepte der European Space Agency (ESA) zum Saturnmond Enceladus. Prof. Lena Noack untersuchte zudem abiotische Basisszenarien für lebensfreundliche planetare Atmosphären und die Frage, wie häufig erwartete Biosignaturen in anderen atmosphärischen Umgebungen verändert, verdeckt oder grundsätzlich anders ausgeprägt sein könnten, was potenziell zu falsch-negativen Ergebnissen bei der Suche nach außerirdischem Leben führen kann.

    Freie Universität Berlin stärkt internationale Weltraum-Forschung

    Die starke Beteiligung von Forschenden der Freien Universität Berlin an der Studie unterstreicht die internationale Sichtbarkeit der Berliner Planetenforschung. Erst kürzlich hatte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den neuen Sonderforschungsbereich Sonderforschungsbereich 1759 "Habitability as a fundamental planetary process: Towards a paradigm shift away from our perception of the uniqueness of Earth“ an der Freien Universität Berlin bewilligt. Ziel des Verbunds ist es, in den nächsten vier Jahren die Bedingungen für die Entstehung, Entwicklung und Nachweisbarkeit von Leben im Universum interdisziplinär zu erforschen.

    Da das Auffinden potenzieller Spuren von Leben oder von Habitabilität Auswirkungen auf die Gesellschaft haben kann, wird der SFB 1759 einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen und auch ethische Konsequenzen erforschen, die im Zusammenhang mit Missionen und der Errichtung von menschlichen Außenposten auf anderen Planeten relevant sind.


    Contact for scientific information:

    Dr. Nozair Khawaja, Freie Universität Berlin, Fachbereich Geowissenschaften, E-Mail: Nozair Khawaja nozair.khawaja@fu-berlin.de, Web: https://www.geo.fu-berlin.de/en/geol/fachrichtungen/planet/projects/erc_nozair/i...
    Prof. Dr. Lena Noack, Freie Universität Berlin, Fachbereich Geowissenschaften, E-Mail: lena.noack@fu-berlin.de, Web: https://www.geo.fu-berlin.de/geol/fachrichtungen/planet/staff/professors/noack/i...
    Prof. Dr. Frank Postberg, Freie Universität Berlin, Fachbereich Geowissenschaften, E-Mail: frank.postberg@fu-berlin.de, Web: https://www.geo.fu-berlin.de/geol/fachrichtungen/planet/staff/professors/postber...


    Original publication:

    https://www.nature.com/articles/s41550-026-02863-0


    More information:

    https://www.geo.fu-berlin.de/en/geol/fachrichtungen/planet/projects/SFB1759


    Images

    Künstlerische Darstellung von Cryovulkanismus auf dem eisigen Saturnmond Enceladus.
    Künstlerische Darstellung von Cryovulkanismus auf dem eisigen Saturnmond Enceladus.

    Copyright: ESA/Science Office


    Criteria of this press release:
    Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, all interested persons
    Physics / astronomy
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


     

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