idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
08/26/2019 10:31

Anfänge des Handels in Nordwesteuropa während der Bronzezeit - Göttinger Forscher bestätigt Hypothesen zum Austausch

Thomas Richter Öffentlichkeitsarbeit
Georg-August-Universität Göttingen

    Die Menschen in England haben bereits im späten zweiten und frühen ersten Jahrtausend vor Christus Feingewichte und Waagen benutzt, um materiellen Wert zu messen. Das hat Prof. Dr. Lorenz Rahmstorf, Wissenschaftler an der Universität Göttingen und Projektleiter des ERC-Projekts „Weight and Value“, herausgefunden. Er verglich Goldobjekte aus der mittleren und späten Bronzezeit von den britischen Inseln und aus Nordfrankreich und stellte fest, dass diese auf der gleichen Gewichtseinheit basierten. Damit bestätigt er die Hypothese der Forschergruppe des Projekts, dass metrologisches Wissen bereits damals in vielen Regionen Europas bekannt war.

    (pug) Bislang nahm man oft an, dass Austausch während der Bronzezeit in Nordwesteuropa in erster Linie sozial eingebettet war, beispielsweise als Geschenktausch. Die Existenz genauer Gewichtseinheiten ermöglichte den Menschen jedoch schon damals, Wertrelationen zwischen verschiedenen Waren wie Metallen – vielleicht auch für Wolle und Getreide – präzise darzustellen, Gewinne zu berechnen, Währungen zu erschaffen und abgemessene Metallmengen anzusammeln. „Offenbar standen hinter dem Austausch bereits damals auch wirtschaftliche Interessen von Handelspartnern“, erläutert Rahmstorf, Direktor des Seminars für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen. „Wir können also durchaus von regelrechtem Handel sprechen.“

    Überraschend am nun erbrachten statistischen Nachweis der Gewichtseinheit ist vor allem, dass diese sehr gut kompatibel und womöglich sogar identisch mit der dominanten ostmediterranen Gewichtseinheit der Zeit ist. Das wäre ein Anzeichen, dass metrologisches Wissen großräumig weitergegeben und möglicherweise über reisende Händler vermittelt wurde. Während man bereits wusste, dass die Menschen in den technologisch fortschrittlichen Schriftkulturen des Ostmittelmeerraums und Westasiens, etwa in Griechenland, Ägypten oder Mesopotamien, solche Gewichte und Waagen als Hilfsmittel benutzten, deuten die Erkenntnisse nun darauf hin, dass es solche Wertbemessungssysteme auch in vielen, wenn nicht allen Teilen des prähistorischen bronzezeitlichen Europas bereits gab. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir die Komplexität des frühen Warenaustauschs und des Handels während der Bronzezeit in Europa bislang unterschätzt haben“, so Rahmstorf. Weitere Informationen über das Projekt „Weight and Value“ sind im Internet unter www.uni-goettingen.de/de/572018.html zu finden.


    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. Lorenz Rahmstorf
    Georg-August-Universität Göttingen
    Philosophische Fakultät
    Seminar für Ur- und Frühgeschichte
    Nikolausberger Weg 15, 37073 Göttingen
    Telefon (0551) 39-25081
    E-Mail: lorenz.rahmstorf@uni-goettingen.de
    Internet: www.uni-goettingen.de/de/569487.html


    Original publication:

    Lorenz Rahmstorf. Scales, weights and weight-regulated artefacts in Middle and Late Bronze Age Britain. Antiquity 2019. https://doi.org/10.15184/aqy.2018.257


    Images

    Gewichtsreferenzierter tordierter Goldring „Gold bar torc“ (L. ca. 15 cm; 367,1 g) aus Castlemount, Dover, Kent, England.
    Gewichtsreferenzierter tordierter Goldring „Gold bar torc“ (L. ca. 15 cm; 367,1 g) aus Castlemount, ...
    British Museum
    None

    Prof. Dr. Lorenz Rahmstorf
    Prof. Dr. Lorenz Rahmstorf
    Heiko Marx, Seminar für Ur- und Frühgeschichte, Georg-August-Universität Göttingen
    None


    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars
    History / archaeology
    transregional, national
    Research results
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).