idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
09/07/2021 13:41

Musikalität beeinflusst die Wahrnehmung von Emotionen in der Stimme – aber wie?

Vivien Busse Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Wie gut Menschen Emotionen in der Stimme wahrnehmen und ob dies mit Musikalität in Verbindung steht, das erforscht Christine Nussbaum vom Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität. In einem Systematic Literature Review hat sie zunächst die Forschungslage dazu erfasst. In einer ergänzenden Laborstudie untersucht die Psychologin, was bei der Wahrnehmung von vokalen Emotionen im Gehirn passiert.

    Die Stimme kann zittern, gefrieren, barsch oder säuselnd sein. Ihr reiner Klang transportiert Emotionen. Aber wie gut erkennen Menschen diese Emotionen in der Stimme? Und wird diese Fähigkeit von der Schulung des Gehörs beeinflusst? Das erforscht Christine Nussbaum vom Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. In einer aktuellen „Überblicksstudie“, einem sogenannten Systematic Literature Review, hat sie zunächst die Forschungslage zur Wahrnehmung von Emotionen in der Stimme im Zusammenhang mit Musikalität erfasst und darüber hinaus Forschungslücken herausgearbeitet. Ihre Forschungsergebnisse präsentiert Nussbaum im Fachjournal „Emotion Review“.

    Musizierende nehmen Emotionen besser wahr

    Frühere Studien belegen bereits einen Zusammenhang zwischen Musikalität und der Emotionswahrnehmung in der Stimme. Parallelen zwischen der Stimme und Musik – etwa die Tonhöhe, Klangfarbe, Geschwindigkeit und Lautstärke – könnten ein Grund dafür sein, dass Musizierende Emotionen in der Stimme besser wahrnehmen als unmusikalische Menschen. Ob musikalische Tätigkeiten und damit verbundenes Training die Wahrnehmung der Emotionen sogar verbessern, das ist noch unklar. „Möglicherweise haben Personen, die sich als musikalisch erweisen, eine bessere angeborene Sensitivität für akustische Nuancen und profitieren davon sowohl in der Musik als auch bei der Emotionswahrnehmung“, benennt Christine Nussbaum ihre Arbeitshypothese.

    Wenig erforscht ist die vokale Emotionswahrnehmung bei Gesunden

    Herauszufinden, warum es diesen Zusammenhang zwischen Musikalität und vokaler Emotionswahrnehmung gibt und wie dieser geartet ist, das war Ziel des systematischen Überblickartikels von Christine Nussbaum und ihrem Kollegen Prof. Dr. Stefan R. Schweinberger. Die beiden Jenaer Forschenden fanden zahlreiche Studien, die sich mit der Emotionswahrnehmung in der Stimme von Personen mit beeinträchtigtem Hörsinn auseinandersetzen. Dazu gehören etwa Personen mit Amusie, die zwar Töne wahrnehmen, jedoch keine Tonhöhen oder Rhythmen erkennen. Die Wahrnehmung der vokalen Emotionen bei uneingeschränkt Hörenden ist dabei noch teilweise unerforscht.

    Weitere Forschungslücken identifizierte die Psychologin etwa bei der Frage, worin der Zusammenhang zwischen Musikalität und verbesserter Emotionswahrnehmung besteht. Denn auch unter Musizierenden bestehen wiederum Unterschiede. Instrumente-Spielende haben laut der analysierten Studien eine unterschiedliche Emotionswahrnehmung als Sängerinnen und Sänger. Erschwert wird die Interpretation der Ergebnisse zu diesem Themenfeld auch dadurch, dass nicht alle der überprüften Studien die beschriebenen Zusammenhänge konsistent belegen konnten und dass teilweise kontroverse Resultate weitere Forschung erforderlich machen.

    Forschungslücke bei neurowissenschaftlichen Daten

    Die Forschungsergebnisse wurden bislang überwiegend durch Verhaltensstudien erfasst. Neurowissenschaftliche Daten zu den Studien gibt es hingegen kaum. Darin sieht Nussbaum die größte Forschungslücke und setzt an dieser Stelle mit einer eigenen Forschung im Rahmen ihrer Promotion zu Emotionen in der Stimme an. „Wir wollen wissen, was zwischen dem Hören von akustischen Signalen und dem Treffen einer Aussage dazu im Gehirn passiert“, erklärt Nussbaum. „Liegt der Unterschied zwischen Musizierenden und Nicht-Musizierenden etwa in der akustischen Verarbeitung oder in der Extraktion der Emotionen? Und werden die Emotionen über die Tonhöhe oder über die Klangfarbe ausgedrückt?“ Um dies herausfinden, führt die Wissenschaftlerin eine Laborstudie durch. Mit Hilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG) werden Gehirnströme der Testpersonen bei der Wahrnehmung von vokalen Emotionen gemessen und in zeitlicher Auflösung dargestellt. „So können wir verfolgen, zu welchem Zeitpunkt der Verarbeitung der gehörten Emotionen Veränderungen auftreten“, erläutert Nussbaum ihr Vorgehen. Um diese Unterschiede festzustellen, arbeitet sie mit zwei Testgruppen. Einerseits untersucht sie die neuronalen Abläufe bei professionellen Musizierenden. Andererseits werden Menschen, die außerhalb der Musik kreativ sind, z. B. im visuellen und grafischen Bereich, als Kontrollgruppe herangezogen.

    Testpersonen gesucht

    Für ihre Studie ist Christine Nussbaum auf die Teilnahme von Testpersonen angewiesen. Vor allem für die Vergleichsgruppe mit kreativ-aktiven Menschen werden noch Teilnehmende gesucht. Kriterien für die Aufnahme in die Testgruppe sind die kreative Arbeit mit bildenden oder visuellen Künsten oder mit visuellen Medien. Zeitgleich sollen die Testpersonen noch nie musikalisch aktiv gewesen sein.
    Auch Musikerinnen und Musiker werden noch gesucht, die mindestens acht Jahre lang ein Instrument gespielt oder Gesang geübt haben. Die professionelle Auseinandersetzung mit Musik, etwa durch ein Studium der Musik oder Musikpädagogik oder durch regelmäßiges Spielen/Singen von Musik bieten ebenfalls die Möglichkeit zur Teilnahme an der Studie.
    Für die Vergleichbarkeit der Daten ist für Testpersonen beider Forschungsgruppen ein Alter unter 40 Jahren sowie die Muttersprache Deutsch Voraussetzung. Die EEG-Studie findet in Jena am Institut für Psychologie statt (Am Steiger 3, Haus 1). Interessierte melden sich bitte bei Christine Nussbaum unter Telefon 03641/945939 oder per E-Mail an: christine.nussbaum@uni-jena.de.


    Contact for scientific information:

    Christine Nussbaum
    Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Leutragraben 1
    07743 Jena
    Tel.: 03641 / 945939 (Mo – Fr, 14 – 16 Uhr)
    E-Mail: christine.nussbaum[at]uni-jena.de


    Original publication:

    Nussbaum C, Schweinberger Stefan R (2021): Links between musicality and vocal emotion perception. Emotion Review. https://doi.org/10.1177/17540739211022803


    Images

    Christine Nussbaum misst die Gehirnströme von Testpersonen bei der Wahrnehmung von Emotionen.
    Christine Nussbaum misst die Gehirnströme von Testpersonen bei der Wahrnehmung von Emotionen.
    Foto: Anne Günther / Uni Jena


    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars
    Psychology
    transregional, national
    Research projects, Research results
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).