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17.11.2011 - 17.11.2011 | Karlsruhe

„Unsere lieben Diktatoren“ – Zum Umgang zwischen Umarmung und Einmarsch

Diskussionsveranstaltung mit drei Impulsvorträgen

Zwischenzeitlich sind die Stimmen in manchen Bunkern, Erdlöchern und Abwässerröhren verstummt: Saddam Hussein und Muammar al Gaddafi sind nicht mehr unter uns. Ben Ali ist ins Exil geflüchtet. Hosni Mubarak schweigt sich im Gerichtssaal aus. Nichtsdestoweniger geht der Kampf um Freiheit für viele Unterdrückte schmerzhaft weiter.

Zugleich hat sich gezeigt, dass die Menschen in vielen arabischen Ländern unter Bezahlung eines hohen Blutzolls erfolgreich waren, die Freiheit mit eigenen Händen zu erkämpfen. Dabei haben sie nach Jahrzehnten der Repression bei ihren Aufständen auf die westlichen Werte der Menschenrechte, des Rechts und der Moral rekurriert.

Die „beschleunigte Ereignisdichte“ in der arabischen Welt hat zugleich den Westen kalt erwischt und seine Politik zu den revoltierenden Völkern in ihren Grundsäulen erschüttert. Gestern stand man noch auf Du und Du mit den grausamsten Potentaten, heute schon muss man den mittlerweile die Regierung stellenden Aufständigen der geschundenen Völker erklären, warum man ihre Peiniger hofiert hat – trotz deren allseits bekannten Gräueltaten. Nicht von ungefähr reagiert Europa äußerst zögerlich auf die arabischen Revolutionen, denn die europäischen Regierungen müssen delikaterweise ihre Beziehungen zu diesen Staaten neu ausrichten, deren Regierungsverbrecher sie einst so schamlos umgarnten.

Neben der Frage nach der Moral der Politik des Westens stehen aber auch handfeste Entscheidungsprobleme im Raum, die trotz der erfolgten Befreiung Libyens nicht geklärt sind: Darf das Ausland eingreifen, wenn ein Diktator Giftgas gegen sein Volk einsetzt oder es aus der Luft bombardiert? Muss die Welt zuschauen, wenn friedliche Demonstranten hinterrücks von den Schergen diktatorischer Regime erschossen werden? Ab wann dürfen fremde Mächte im Sinne von Verbrechen gegen die Menschlichkeit intervenieren?

Unversöhnlich stehen sich zwei unterschiedliche Positionen gegenüber: Die eine Fraktion argumentiert, es sei nicht legitim für dritte Staaten gewaltsam zu intervenieren, um einen Tyrannen zu stürzen und bewaffneten Aufständischen zur Hilfe zu eilen. Die andere wiederum befürwortet den Kampf der Aufständigen als Zeichen des Freiheitsdrangs der unterdrückten Völker und leitet aus dem Völkerrecht ab, dass die internationale Gemeinschaft sowohl den Menschenrechten als auch dem Selbstbestimmungsrecht verpflichtet ist. Die daraus resultierende Frage, ob die Außenpolitik der europäischen Staaten eher das Interventionsverbot sowie die Stabilität der Länder oder vielmehr das Selbstbestimmungsrecht sowie die Menschenrechte in den Mittelpunkt stellen soll, bleibt für den Westen über den Tag hinaus virulent. Inwieweit philosophische Überlegungen in dieser Auseinandersetzung hilfreich sind, soll im Rahmen dieser Veranstaltung des Arbeitskreises Politische Philosophie (polphil) kontrovers diskutiert werden.

Eine kurze Hinführung zum Thema in Form von Thesen unternehmen Rolf-Ulrich Kunze, Hans-Peter Schütt und Michael Wendland. Anschließend soll eine intensive Diskussion im Plenum stattfinden. Die Diskussion wird von Ulrich Arnswald moderiert.

Die Veranstaltung des Arbeitskreises Politische Philosophie (polphil) des Instituts für Philosophie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist ein Beitrag zum UNESCO-Weltkulturtag der Philosophie 2011.

Hinweise zur Teilnahme:

Termin:

17.11.2011 19:00 - 21:30

Veranstaltungsort:

KIT-Campus Süd
Institut für Philosophie
Geb. 20.12
76128 Karlsruhe
Baden-Württemberg
Deutschland

Zielgruppe:

Studierende, jedermann

Relevanz:

regional

Sachgebiete:

Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften, Philosophie / Ethik, Politik, Wirtschaft

Arten:

Vortrag / Kolloquium / Vorlesung

Eintrag:

15.11.2011

Absender:

Ulrich Arnswald

Abteilung:

Presse, Kommunikation und Marketing

Veranstaltung ist kostenlos:

ja

Textsprache:

Deutsch

URL dieser Veranstaltung: http://idw-online.de/de/event37640


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