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08.12.2016 - 10.12.2016 | Berlin

Kriegstheater. Darstellungen von Krieg, Kampf und Schlacht in Drama und Theater seit der Antike

Tagung am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin, in Kooperation mit der LMU München, organisiert von Michael Auer (LMU) und Claude Haas (ZfL) .

In der frühen Neuzeit wird das europäische Kriegsgeschehen prominent in der Metaphorik des Theaters (theatrum belli) imaginiert. Diese verspricht einen klar reglementierten Ablauf, eine Übersicht und nicht zuletzt eine geordnete Darstellbarkeit von Kampf und Schlacht. Angesichts der überbordenden Theater-Semantik des Barock scheint das verständlich, mit Blick auf die Präsenz des Kriegs in der theatralen und in der dramatischen Tradition selbst muss der Befund indes überraschen.
Denn das Theater tut sich schon aus technischen Gründen ausgesprochen schwer, den Krieg unvermittelt auf die Bühne zu bringen. In der Regel stellt es Kampf und Schlacht über die Formen der Mauerschau oder des Botenberichts dar, so dass der Krieg seiner Sichtbarkeit zumindest seitens der Zuschauer hier prinzipiell entzogen bleibt. Die Tagung fragt nach dem Wechselspiel und nach dem Spannungsverhältnis zwischen der Metapher des Kriegstheaters in militärischen Diskursen und der theatralen und dramatischen Repräsentation des Kriegs im historischen Prozess. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt dabei auf dem 17., 18. und frühen 19. Jahrhundert, da die Vorstellung des theatrum belli in dieser Zeit aufkeimt, da sie spätestens mit den Massenheeren und der geographischen Ausweitung der Schlachten seit den Kriegen der Französischen Revolution aber auch bereits obsolet wird. Zu untersuchen bleibt, ob die traditionelle Beschränktheit der dramatischen Kriegssicht dort eine neue Attraktivität gewinnt, wo sie sich mit der tendenziellen Unüberschaubarkeit der historischen Kriegsschauplätze trifft. Darüber hinaus versucht die Tagung zu klären, inwiefern mediale Techniken wie die Mauerschau und der Botenbericht reine Notbehelfe oder Verlegenheitslösungen bilden, oder sie umgekehrt einer eigenen Kriegsästhetik zuarbeiten, die auf nicht-literarische Formen der Kriegsimagination zurückzuwirken vermag. Dies gilt auch für die wirkungsästhetischen, affektpoetischen und politischen Korrelate der beiden Techniken.

Programm
Donnerstag, 08.12.2016

14.30
Michael Auer (LMU München)/Claude Haas (ZfL): Begrüßung und Einführung

15.00–20.00
Sektion 1: Darstellungsprobleme des Kriegs im antiken Theater und in systematischer Perspektive

15.00
Susanne Gödde (FU Berlin): Zwischenräume. Der Zweikampf als Modell des Kriegs in Epos und Drama der griechischen Antike

16.00
Isabella Tardin Cardoso (Campinas/Brasilien u. Heidelberg): Dem Krieg eine Bühne! Zum theatrum belli in der römischen Literatur

17.30
Juliane Vogel (Konstanz): Aufstellung und agon. Zur Theatralität des Kriegs

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19.00 Öffentlicher Abendvortrag
Wolf Kittler (Santa Barbara, USA):
Mauerschau, Kriegstheater, Schlachtplan

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Freitag, 09.12.2016
9.30–13.00
Sektion 2: Krieg und Spiel auf den Bühnen der Frühen Neuzeit

9.30
Armin Schäfer (Bochum): Der Krieg als Spiel. Daniel Casper von Lohensteins Trauerspiele

10.30
Björn Quiring (FU Berlin): »God and not we hath safely fought today«. Theologisch-politische Undarstellbarkeiten in Shakespeares Kriegstheater

12.00
Romain Jobez (Poitiers, Frankreich u. Bochum): Krieg um die Paläste. Die poetologische Befriedung der Bühne und unterschwellige Konflikte im französischen Theater des 17. Jahrhunderts

14.30–19.00
Sektion 3: Das Kriegstheater vor und nach der Französischen Revolution

14.30
Mona Körte (ZfL): Blutige Bühne? Kabinettskrieg und Frauenzimmer in Lessings "Minna von Barnhelm"

15.30
Johannes F. Lehmann (Bonn): Den Krieg im Rücken. Deserteure im Theater des 18. Jahrhunderts

17.00
Steffen Martus (HU Berlin): Die Ästhetik des Kriegs in Goethes "Götz von Berlichingen"

18.00
Michael Auer (LMU München): Schillers Kriege

Samstag, 10.12.2016

9.30
Hans-Christian von Herrmann (TU Berlin): »Diese Schwierigkeit richtig zu sehen« – die Napoleonischen Kriege im Theater (Kleist, Grabbe)

10.30
Michael Gamper (FU Berlin): Krieg als Zeitkampf. Eichendorffs Ezelin von Romano

12.00–17.30
Sektion 4: Nachspiele im 20. Jahrhundert

12.00
Hannah Wiemer (ZfL): Paul Scheerbarts Kriegstheater – Imaginationen eines entgrenzten Raums

14.00
Daniel Weidner (ZfL): Kriegsdarstellung und Gottesgericht in Karl Kraus' "Die letzten Tage der Menschheit"

15.00
Norbert Otto Eke (Paderborn): Weltuntergänge. Heiner Müllers und Lothar Trolles (Welt-)Kriegsszenarien

16.30
Maria Kuberg (ZfL): Der Krieg und der Chor im Theater Elfriede Jelineks

Hinweise zur Teilnahme:

Termin:

08.12.2016 ab 14:30 - 10.12.2016 17:30

Veranstaltungsort:

Zentrum für Literatur- und Kulturforschung
Schützenstr. 18, 10117 Berlin, 3. Etage
10117 Berlin
Berlin
Deutschland

Zielgruppe:

Studierende, Wissenschaftler

Relevanz:

überregional

Sachgebiete:

Kulturwissenschaften, Musik / Theater, Sprache / Literatur

Arten:

Seminar / Workshop / Diskussion

Eintrag:

14.11.2016

Absender:

Sabine Zimmermann

Abteilung:

Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin (ZFL)

Veranstaltung ist kostenlos:

ja

Textsprache:

Deutsch

URL dieser Veranstaltung: http://idw-online.de/de/event56014


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