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07.11.2017 - 07.11.2017 | Berlin

Der Roman als Buch. Seitenkomposition im Gegenwartsroman

Vortrag von Dr. Thomas Boyken (Eberhard Karls Universität Tübingen)

Eine Veranstaltung im Rahmen der gemeinsamen Vortragsreihe „Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog“ der Staatsbibliothek zu Berlin, der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin sowie der Universitäten Potsdam und Bielefeld.

Seit 2000 trifft man in zahlreichen deutschsprachigen Gegenwartsromanen auf typographische Auffälligkeiten, die mit der Vorstellung eines linear-gleichförmigen Romantextes brechen: Im "Ungeheuer" (2013) von Terézia Mora geht ein horizontaler Strich durch den ganzen Roman und teilt die Geschichte in zwei Teile; in Jan Brandts "Gegen die Welt" (2011) entfärbt sich die Schrift, bis die Seite leer ist; David Wagner setzt in "Leben" (2013) eine schwarze Seite ein, um die Leerstelle einer Operation zu markieren; Nis-Momme Stockmanns "Der Fuchs" (2016) durchziehen mehrere vertikale Linien den Roman, um unterschiedliche Zeitebenen anzuzeigen; Albrecht Selge lässt die Buchstaben aus der Reihe tanzen, wenn die alkoholisierten Figuren zu lallen beginnen und in "Die Unglückseligen" (2016) bittet der Teufel den Setzer des Buches, das wir soeben in den Händen halten, das kleine „Frakturproblem“ zu lösen – gemeint ist freilich kein Knochenbruch, sondern die vom Teufel unterstellte Inkompetenz des Lesers, den bis dahin in gebrochener Schrifttype präsentierten Text überhaupt lesen zu können.

Handelt es sich bei solchen Darstellungsweisen um Spielereien neuerer Romane? Oder wird in den genannten Beispielen die semiotisch-materielle Modellierung des Romans als Buch produktiv für die Erzählung genutzt? Am Beispiel aktueller Gegenwartsromane möchte ich in diesem Kontext diese und weitere Fragen in den Blick nehmen: In welche Richtung entwickelt sich das zeitgenössische Romanverständnis insbesondere im Spannungsverhältnis von Illusionismus und Anti-Illusionismus. Welche Auswirkungen haben die medientechnischen Entwicklungen auf die Form des Romans? Auch die poetologische, gattungstheoretische und medientechnische Traditionslinie, in die sich diese Romane stellen, wäre zu diskutieren. Können die ‚Romanexperimente‘ provozieren und Neuerungen anstoßen? Handelt es sich vielleicht weniger um ‚Romanexperimente‘ als vielmehr um die Wiederentdeckung des Buchs in der Poetik des Romans?

Obwohl die Digitalisierung, so meine Ausgangsthese, Gelingensbedingung für die Konjunktur dieser Romane ist, wird in den neueren Romanen die mediale Darbietungsform des Romans als Buch betont. Wenn sich seit 2000 immer mehr Romane mit Typographie, Seitenkomposition und allgemein mit Aspekten der Druckgestaltung produktiv auseinandersetzen, dann könnte dies ein Hinweis auf einen Umbruch in der Romanpoetik bedeuten, den ich anhand der genannten Romane skizzieren möchte.

Hinweise zur Teilnahme:

Termin:

07.11.2017 18:15 - 19:45

Veranstaltungsort:

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Haus Unter den Linden
Eingang: Dorotheenstraße 27

Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)
10117 Berlin
Berlin
Deutschland

Zielgruppe:

Wissenschaftler, jedermann

Relevanz:

international

Sachgebiete:

Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften, Kunst / Design, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Sprache / Literatur

Arten:

Vortrag / Kolloquium / Vorlesung

Eintrag:

16.08.2017

Absender:

Jeanette Lamble

Abteilung:

Generaldirektion - Pressestelle

Veranstaltung ist kostenlos:

ja

Textsprache:

Deutsch

URL dieser Veranstaltung: http://idw-online.de/de/event58186


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