Tagung: Menschenführung im 20. Jahrhundert. Konzepte, Semantiken, Praktiken

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13.10.2017 - 14.10.2017 | Potsdam

Tagung: Menschenführung im 20. Jahrhundert. Konzepte, Semantiken, Praktiken

Wenn selbst in liberalen Demokratien der Ruf nach einem „starken Führer“ salonfähig wird und sich dieser nicht nur in Umfragen und Demonstrationen, sondern immer häufiger auch in Wahlergebnissen niederschlägt, ist die Geschichtswissenschaft gefordert, der historischen Entwicklung und Wirkmächtigkeit von Führer- und Führungskonzepten in der Zeitgeschichte nachzugehen. Auf der Tagung des ZZF Potsdam soll u.a. die Frage beantwortet werden, wie sich die Attraktivität von „Führung“ erklären lässt?

Organisation der Tagung:
Dr. Franziska Rehlinghaus
Prof. Dr. Thomas Schaarschmidt

Veranstalter: Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF)

Wie lässt sich die Attraktivität von „Führung“ erklären?;
Welche semantischen Traditionen spielen dafür eine Rolle?;
Welche gesellschaftlichen Erfahrungen und Erwartungen verbinden sich mit dem Reden über Führung?
Die Auseinandersetzung mit dem Führungsbegriff verspricht neue Erkenntnisse über die Formierung, Strukturierung und Legitimierung moderner Gesellschaften. Über Führung wurde das
Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen gesellschaftlichen Status‘ in Vergemeinschaftungsprozessen und institutionalisierten Kontexten zu fassen versucht und ihr
Verhältnis als ein gezieltes Aufeinander-Einwirken nach zeitspezifischen Regeln, Normen und Werten bestimmt, die zwischen den Polen von Zwang und Freiwilligkeit oszillierten. Zugleich wurden über den Führungsbegriff nicht nur interpersonale Beziehungen, sondern auch individuelle
Selbstverhältnisse verhandelt.

Dass die Frage, wie man andere und sich selbst „richtig“ führt, in der Demokratie ebenso virulent ist wie in der nationalsozialistischen und der sozialistischen Diktatur, verweist auf die Anpassungsfähigkeit des Führungsbegriffs und seine generelle Bedeutung, die ihn durch
andere Begriffe anscheinend unersetzbar werden ließen.

Die Tagung nimmt den Führungsbegriff deshalb explizit nicht nur als Analyse-, sondern auch als Quellenbegriff ernst. Eine exemplarische Fokussierung auf die Bereiche Politik, Militär, Ökonomie und Beratung in den politischen Systemen von der Weimarer Republik bis zur Gegenwart
ermöglicht eine integrierte Sicht auf die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Programm


Freitag, 13.10.2017


13:00-13:30

Thomas Schaarschmidt/Franziska Rehlinghaus
Einführung: Überlegungen zu einer integrierten Geschichte der Führung im 20. Jahrhundert


Politische Menschenführung I: Führererwartungen ­nach dem Ersten Weltkrieg

13:30-13:50 Jörn Retterath: Wider das Chaos. Die Sehnsucht nach Führung, Einheit und Gemeinschaft im Spektrum der politischen Mitte von Weimar

13:50-14:10 Barbara Stambolis: Jugend führt Jugend? Die deutsche Jugendbewegung zwischen Selbstbe¬stimmung und Unterordnung

14:10-14:30 Wolfram Pyta: Ästhetische Legitimation politischer Führerschaft am Beispiel von Hindenburg und Hitler

14:30-14:40 Kathrin Kollmeier: Kommentar

14:40-15:10 Diskussion



15:10-15:40 Kaffeepause



Politische Menschenführung II: „Führerstaat“, „sozialistische Menschenführung“ und Führung in der Demokratie

15:40-16:00 Armin Nolzen: Die Menschenführung der NSDAP nach 1933

16:00-16:20 Morten Reitmayer: Elite-Handeln. Semantiken der Führung in der Bundesrepublik nach 1945

16:20-16:40 Rüdiger Bergien: „Transmissionsriemen“ und „Debattierklub“. Führungsstrukturen im zentralen Parteiapparat der SED

16:40-16:50 Rüdiger Hachtmann: Kommentar

16:50-17:20 Diskussion



17:20-17:50 Kaffeepause



Militärische Führung nach 1945

17:50-18:10 Rüdiger Wenzke: Führung in der NVA

18:10-18:30 John Zimmermann: Reform auf Ruinen? Das Konzept der Inneren Führung der Bundeswehr

18:30-18:40 Thomas Schaarschmidt: Kommentar

18:40-19:10 Diskussion



Sonnabend, 14.10.2017


Führung und Führen lernen als ökonomische Herausforderung

9:30-9:50 Karsten Uhl: Menschenführung in der „Betriebsgemeinschaft“. Wissen-schaftliche Konzepte und betriebliche Praxis während der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus

9:50-10:10 Franziska Rehlinghaus: Führen lernen. Führung als Praxis betrieblicher Weiterbildung in der BRD

10:10-10:20 Rüdiger Graf: Kommentar

10:20-10:50 Diskussion



10:50-11:20 Kaffeepause



Die Führung des Selbst

11:20-11:40 Stefan Senne und Alexander Hesse: Selbstführung im 20. Jahrhundert. Techniken und Strategien der Subjektivierung in Lebensratgebern

11:40-12:00 Boris Traue: Menschenführung zwischen Geständnis und Selbstautorisierung. Versuch einer soziologischen Einordnung

12:00-12:10 Martin Sabrow: Kommentar

12:10-13:00 Diskussion und Abschlussdiskussion

Hinweise zur Teilnahme:
Um eine verbindliche Anmeldung wird gebeten bis zum 6.10.2017 per Mail an Dr. Franziska Rehlinghaus: rehlinghaus@zzf-potsdam.de

Termin:

13.10.2017 ab 13:00 - 14.10.2017 13:00

Anmeldeschluss:

06.10.2017

Veranstaltungsort:

Am Neuen Markt 9 d
Großer Seminarraum des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam
14467 Potsdam
Brandenburg
Deutschland

Zielgruppe:

Journalisten, Wissenschaftler

Relevanz:

überregional

Sachgebiete:

Geschichte / Archäologie, Gesellschaft

Arten:

Konferenz / Symposion / (Jahres-)Tagung

Eintrag:

25.09.2017

Absender:

Marion Schlöttke

Abteilung:

Öffentlichkeitsarbeit

Veranstaltung ist kostenlos:

ja

Textsprache:

Deutsch

URL dieser Veranstaltung: http://idw-online.de/de/event58490

Anhang
attachment icon Tagungsflyer: Menschenführung im 20. Jahrhundert, 13.-14. September 2017, ZZF Potsdam

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