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06.05.2025 - 06.05.2025 | Essen

Cringe konsumieren: Weiblicher Exzess und Geschmacksgemeinschaften

Unter der Überschrift The Year in Stuff hat der Guardian in einem Stilrückblick für das Jahr 2024 eine Liste modischer Dinge und Konsumgüter veröffentlicht. Der Abend greift zwei Elemente dieser Liste auf, in denen sich guilty pleasures verkörpern, nämlich Miranda Julys Roman All Fours und der Stanley Cup als ein durch TikTok popularisiertes Accessoire.

In beiden Fällen lassen sich Praktiken und Darstellungen eines Geltungskonsums finden, deren geschlechtlich codierte Ästhetiken ambivalente Affekte des Fantums und der Affiliation einerseits, der Abwendung und des Ekels andererseits provozieren. Ausgehend von der Bestimmung von guilty pleasure als “contemporary technique for legitimizing and reinforcing social inequalities” (so Paul Buckermann im KWI-Blog), diskutieren Theresa Heyd und Heide Volkening zusammen mit Roxanne Phillips Überkreuzungen und Verbindungen von Geschlecht und Klasse im Hinblick auf Cringe-Urteile.

Teil I. Digitale Gefäße: Stanley Cups und konsumiertes Geschlecht (Theresa Heyd)

Der Stanley Cup ist das sinnbildliche digitale Artefakt des Jahres 2024. Von einem unscheinbaren Thermobecher entwickelte er sich durch seine mediatisierte Reproduktion auf TikTok und Instagram zu einem begehrten, gesammelten und vielfältig diskursivierten Accessoire. Stanley Cups sind in mehrfacher Hinsicht spätkapitalistische Zeichen des Exzesses – durch ihre Größe, ihre Verfügbarkeit in allen Schattierungen des Regenbogens und ihr umfangreiches Zubehör wie Snack-Schalen, Tragetaschen und passende Deckel und Strohhalme. Diese exzessiven Praktiken werden weiblich codiert, sie werden mit Sorge-, Schönheits- und Körperarbeit in Verbindung gebracht (etwa dem Pausenbrot und der Flüssigkeitszufuhr) und sie werden durch digitale Stereotype wie die mormonische Szene der Momfluencerinnen beeinflusst und reproduziert. Daraus resultieren intensive soziolinguistische Praktiken über Stanley Cups in Online-Räumen – seien es affirmative Video-Formate wie die Get Ready With Me-Routinen, in denen Cups geliebte Objekte werden, oder stilisierte Reproduktionen, die vergeschlechtlichte Sprechweisen in den Mittelpunkt stellen. Diese Analyse versteht den Stanley Cup als ein digitales Gefäß für weiblichen Exzesses, das Diskurse über Konsum, Geschlecht und ambivalente Affekte transportiert.

Teil II. Bourgeoisie in der Vorstadt: Inneneinrichtung, Kunst und All Fours (Heide Volkening)

Seit seiner Veröffentlichung 2024 hat Miranda Julys autofiktionaler Roman All Fours in sozialen Medien sowohl für öffentliche Ablehnung und Aufregung als auch für euphorisches Fantum und Gemeinschaftsbildung gesorgt. Ermuntert durch die Autorin begannen ihre Instagram Follower*innen mit der Bildung des sogenannten All Fours Group Chat, den July als Flüsternetzwerk von Leser*innen beschrieben hat, die sich in Themen des Romans wie Menopause, Eheleben, Mutterschaft und Begehren wiedergefunden haben. All Fours verbindet diese Themen mit einer Reflexion über die Rolle von Kunst im Zeitalter exzessiven Konsums. Selbst ein Gegenstand von Genuss und ästhetischem Urteil setzt der Roman Inneneinrichtungen und Kunst als Phänomene sozialer Distinktion in Szene und spielt die damit verbundenen Fragen gesellschaftlicher Stratifikation durch. Nachdem die namenlose Protagonistin und Erzählerin ein am „aristokratischen Modell“ (Pierre Bourdieu) orientiertes Zimmer eines französischen Luxushotels in einem durchschnittlichen Motelzimmer einer kalifornischen Kleinstadt nachgebildet hat, durchlebt sie dort eine Reihe von häufig als cringe beschriebenen Momenten. In der Reflexion von Klasse, Geschlecht und Alter, Hoch- und Unterhaltungskultur entwirft der Roman Szenarien von non-guilty pleasures.

REFERENT:INNEN
Theresa Heyd, Universität Heidelberg
Heide Volkening, Universität Greifswald

ANSPRECHPARTNERIN & MODERATION
Roxanne Phillips, KWI

TEILNAHME VOR ORT
Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

TEILNAHME VIA ZOOM
Folgen Sie beizeiten dem hier veröffentlichten folgenden Link.

VERANSTALTER
Eine Veranstaltung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) im Rahmen des Jahresthemas 24/25 „Guilty Pleasures“, in Kooperation mit dem Projekt Cringe. Ästhetik und diskursive Praxis der Schamlust.

Hinweise zur Teilnahme:

Termin:

06.05.2025 ab 18:30

Veranstaltungsort:

Online (ZOOM) & Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Gartensaal, Goethestraße 31, 45128 Essen
45128 Essen
Nordrhein-Westfalen
Deutschland

Zielgruppe:

Wissenschaftler, jedermann

E-Mail-Adresse:

Relevanz:

regional

Sachgebiete:

Kulturwissenschaften, Sprache / Literatur

Arten:

Seminar / Workshop / Diskussion, Vortrag / Kolloquium / Vorlesung

Eintrag:

25.03.2025

Absender:

Lea von der Mosel

Abteilung:

Pressestelle

Veranstaltung ist kostenlos:

nein

Textsprache:

Deutsch

URL dieser Veranstaltung: http://idw-online.de/de/event78958


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