idw - Informationsdienst
Wissenschaft
26.03.2026 - 27.03.2026 | Gotha
Die Zeit zwischen 1770 und 1820 markiert eine Phase tiefgreifender gesellschaftlicher, politischer und intellektueller Umbrüche: Der Übergang vom ständisch geprägten Ancien Régime zur bürgerlichen Gesellschaft, vom absolutistischen Staat zum Frühliberalismus, aber auch von aufklärerischem Rationalismus zu romantischer Sinnsuche machte diese „Sattelzeit“ (Reinhart Koselleck) zu einem Scharnier der Moderne. Gleichzeitig wird in der Forschung zunehmend deutlich, dass diese Umbruchzeit nicht nur von Brüchen, sondern ebenso von langen Kontinuitäten und vielschichtigen Übergängen geprägt war.
Gerade im Bereich der spätaufklärerischen Netzwerke, Institutionen und Ideen lässt sich ein Weiterwirken über die Zäsur der Französischen Revolution von 1789 hinaus erkennen. Biographische Entwicklungen zeigen, wie Akteure der Aufklärung auf neue politische Realitäten reagierten – sei es durch Rückzug, Neuorientierung oder durch die Weiterführung aufklärerischer Praxis in veränderter Form. Auch die Transformationsprozesse von Geheimbünden zu politischen Vereinen, von informellen Salons zu organisierten Gesellschaften oder von religiös-philosophischen Zirkeln zu redaktionellen und publizistischen Plattformen werfen neue Fragen auf.
Ziel der Tagung ist es, diese Übergänge aus interdisziplinärer Perspektive zu untersuchen. Dabei interessieren die Forscher*innen biografische Verläufe ebenso wie institutionelle Umgestaltungen, ideelle Wandlungen und Netzwerkdynamiken, die das Nachleben der Aufklärung zwischen dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert bestimmten.
Tagungsprogramm
26. März 2026
10–10.15 Uhr Einführung
I Wissenskulturen, Netzwerke und institutionelle Transformationen
10.15–11.00 Uhr Prof. Dr. Martin Mulsow (Gotha/Erfurt): Naturwissenschaftliche Netzwerke als Hintergrund der Radikalaufklärung? Christian Ernst Wünsch, die Illuminaten und das 19. Jahrhundert
11.00–11.45 Uhr Prof. Dr. Hiram Kümper (Mannheim): Von der Akademie zum Press-Verein: das Nachleben aufklärerischer Milieus in der Kurpfalz (1770–1830)
11.45–12.30 Uhr Dr. habil. András Forgó (Pécs): Blütezeit und Niedergang? Ungarische Piaristen vor und nach der französischen Revolution
12.30–14.00 Uhr Mittagspause
14.00–14.45 Uhr Karolina Belina, M. A. (Tübingen): Aus aufgeklärter Jugend – aufklärerische Staatsmänner? Beamte des Herzogtums Warschau
14.45–15.30 Uhr Robert Proske, M. A. (Jena): Gewaltbereite Geheimgesellschaften der deutschen Nationalbewegung im Kontinuum der Gegenaufklärung. 1780–1830
15.30–16.00 Uhr Kaffeepause
II Aufklärung, Religion und intellektueller Wandel
16.00–16.45 Uhr Dr. Markus Meumann (Gotha/Erfurt): Das personifizierte Nachleben der Aufklärung: Adam Weishaupts ‚zweites Leben‘ in Gotha, 1787–1830
16.45–17.30 Uhr Isabel Heide, M. A. (Halle): Von der Zürcher Aufklärung zur Wiener Zensur: Johann Michael Armbruster und sein Verhältnis zum Illuminatenorden
17.30–18.15 Uhr Prof. Dr. Wolfgang Burgdorf (München): Ein Geheimbund gegen Geheimbünde. Der Anti-Illuminaten-Orden des Johann Ludwig Klüber
27. März 2026
9.00–9.45 Uhr Prof. Dr. Arne Klawitter (Tokio): Vom Freigeist zum gläubigen Christen. Der Gesinnungswandel des Diplomaten, Philosophen und Orientalisten Heinrich Friedrich Diez (1751–1817)
9.45–10.30 Uhr Dr. Diethard Sawicki (Halle): „Juden, Heiden, Türken können nicht Maurer sein“ – Christliche Freimaurerei und Erweckungsbewegung im frühen 19. Jahrhundert
10.30–11.00 Uhr Kaffeepause
III Öffentlichkeit, Geschlecht und Publizistik
11.00–11.45 Uhr Prof. Dr. Theo Jung (Halle): Die Debatte im Salon: André Morellet und die Politisierung der Geselligkeit im postrevolutionären Paris
11.45–12.30 Uhr Dr. Adelheid Müller (Berlin): Aufklärerisches Orientierungswissen in enzyklopädischer Form – Elisa von der Reckes ›Gedankenbuch‹
12.30–14.00 Uhr Mittagspause
14.00–14.45 Uhr PD Dr. Tobias Winnerling (Düsseldorf): Unbeirrtes Sich-Fortschreiben? Das Weiterleben der Gelehrtenlexika
14.45–15.30 Uhr PD Dr. Demian Berger (Zürich): Zur Rolle polemischer Verfahren in der literarischen Öffentlichkeit zwischen Aufklärung und Moderne um 1815
Hinweise zur Teilnahme:
Anmeldung erforderlich
Termin:
26.03.2026 ab 10:00 - 27.03.2026 15:30
Veranstaltungsort:
Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt
Schloßberg 2
99867 Gotha
Thüringen
Deutschland
Zielgruppe:
Journalisten, Wissenschaftler
E-Mail-Adresse:
Relevanz:
überregional
Sachgebiete:
Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften
Arten:
Konferenz / Symposion / (Jahres-)Tagung
Eintrag:
05.02.2026
Absender:
Carmen Voigt
Abteilung:
Pressestelle
Veranstaltung ist kostenlos:
ja
Textsprache:
Deutsch
URL dieser Veranstaltung: http://idw-online.de/de/event80928
Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.
Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).
Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.
Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).
Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).