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15.03.2005 13:25

Urologinnen holen auf: 8,5 % dieser Fachgruppe sind Frauen

Bettina-Cathrin Wahlers Pressestelle der DGU
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.

    Die Resonanz ist ungebrochen: Mit überwältigendem Erfolg ging auch der 3. Workshop der Urologinnen in Potsdam zu Ende.
    Ein wichtiges Fazit der zweitägigen Veranstaltung: Ohne gutes Management mit ausführlicher Aufklärung und sorgfältiger Beratung des Patienten funktioniert die beste Therapie nicht.

    Offene Diskussionen, unkonventionelle Themen und ehrliche Gespräche - die Erwartungen an den 3. Workshop der Urologinnen waren groß. Ebenso groß wie der Andrang. Insgesamt 166 Ärztinnen aus dem gesamten Bundesgebiet kamen jetzt in Potsdam zusammen, um zwei Tage lang gemeinsam die neuesten Entwicklungen der Uro-Onkologie, Uro-Gynäkologie und der Gesundheitsökonomie zu diskutieren.
    "Wir freuen uns über den riesigen Zuspruch", sagt Initiatorin Professorin Dr. Ulrike Zwergel vom Universitätsklinikum des Saarlandes, erste in Deutschland habilitierte Urologin, die zusammen mit Professorin Dr. Daniela Schultz-Lampel aus Villingen-Schwenningen und Privatdozentin (PD) Dr. Margit Fisch aus Hamburg diesen 3. Workshop der Urologinnen organisiert hat. "Frauen gehen bestimmte Themen nicht nur offener an, sie gewichten sie auch anders als ihre männlichen Kollegen. Das bietet viel Raum für spannende Diskussionen".
    Zunächst standen konventionelle Themen wie die neuesten Entwicklungen bei der Behandlung von Blasenstörungen - präsentiert von Prof. Schultz-Lampel - und interventionelle und operative Maßnahmen der Harninkontinenz im Mittelpunkt. Aber auch einige Randbereiche, wie etwa die Stuhlinkontinenz, wurden in dem ambitionierten Programm berücksichtigt. Dr. Ruth Kirschner-Hermanns aus Aachen: "Hier ist der passende Rahmen, um für Themen zu sensibilisieren, die nicht so gängig sind. In einem Forum wie dem Urologinnen-Kongress trifft man auf offene Ohren und reges Interesse."
    Wie die Umsetzung einer Leitlinie in der Praxis aussehen sollte, stellte die Expertin PD Dr. Susanne Krege aus Essen für den Hodentumor vor. "Leitlinien sind wichtig, denn nur so sind einheitlich standardisierte Therapien der Patienten mit Hodentumoren überhaupt erst möglich, und das ist besonders bei den meist jungen Männern von enormer Bedeutung", betonte PD Dr. Krege.
    Darüber reden, sich für die Patienten Zeit nehmen und sie in Ruhe aufklären - war eine Forderung, die von mehreren Referentinnen gestellt wurde. Gerade auf dem Gebiet der Uro-Onkologie ließen sich diesbezüglich erhebliche Defizite ausmachen. Beim Thema Sexualität nach radikaler Prostatektomie beispielsweise verlässt viele Ärzte ihr Latein. Dabei, so Referentin PD Dr. Sabine Kliesch aus Münster, sei der Verlust der Potenz für viele Männer mindestens so wichtig wie die eigentliche Krankheit. Entscheidend sei, die Partnerinnen mit ins Boot zu holen und in die Therapie miteinzubeziehen. Mut für sensible, klärende Gespräche über Sexualität bei Männern nach urologischen Tumoren machte den Teilnehmerinnen auch Dr. Ulrike Brandenburg, Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin aus Aachen.
    Das Prostatakarzinom ist mittlerweile der häufigste Tumor des Mannes. Vorsorge ist deshalb ein zentrales Thema. Nicht minder wichtig: Die unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten und Therapieoptionen. Ist die laparoskopische radikale Prostatektomie die Methode der Zukunft? Wie sieht es um die Wirksamkeit und Verträglichkeit von frühzeitiger Hormontherapie, Chemotherapie oder Bestrahlung aus?
    Mit aktuellen Zahlen und neuesten Studienergebnissen gaben die Referentinnen Anstöße für durchaus kontroverse Diskussionen.
    Der Programmpunkt "Der besondere Fall" kam bei den Workshop-Teilnehmerinnen ganz besonders gut an. Fünf Teilnehmerinnen hatten die Gelegenheit, einen Fall aus der Praxis vorzustellen, den man mit verschiedenen Therapien behandeln kann. In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass Frauen hier kompetente Fachmeinungen vertreten und Fachfrauen im besten Sinne sind.
    "Ängste und Hemmschwellen waren deutlich niedriger als bei anderen Veranstaltungen. Der offene Austausch mit den Kolleginnen ist es, was diesen Kongress ausmacht", sagt Professorin Dr. Daniela Schultz-Lampel. "Hier treffen gestandene Ärztinnen auf jüngere Kolleginnen, niedergelassene Ärztinnen auf Universitätsangehörige und Expertinnen mit unterschiedlichsten Schwerpunkten aufeinander. Eine tolle Mischung, die die Diskussionen sehr bereichert."
    Gesundheitsökonomie und "Ärztin und Karriere" - das waren die Schwerpunktthemen, die am zweiten Workshoptag im Vordergrund standen.
    Dr. Heike A. Kahla-Witzsch von der Stabsstelle Qualitätsmanagement am Klinikum in Frankfurt/Main nannte die Erfolgsfaktoren für Qualitätsmanagement (QM) in Gesundheitseinrichtungen beim Namen: "Ein QM muss leben. Nur über ein eindeutiges Bekenntnis der Führungsebene und aller Mitarbeiter ist dies möglich. Dabei ist die interdisziplinäre Einbindung der Mitarbeiter besonders wichtig. Ausschlaggebend ist der persönlich wahrnehmbare Nutzen der Mitarbeiter, damit das QM-System nachhaltig Bestand hat."
    Der Gastvortrag von PD Dr. Monika Sieverding von der Freien Universität Berlin "Sind Medizinerinnen zu bescheiden? - Psychologische Barrieren im Berufsweg von Ärztinnen", wurde von den Urologinnen begeistert aufgenommen. Traditionelle Geschlechtsrollenerwartungen, fehlendes berufliches Selbstvertrauen, Rollenkonflikte zwischen Beruf und Familie - das sind die häufigsten psychologischen Barrieren, so Dr. Sieverding. Außerdem weisen Frauen, oftmals auch Ärztinnen, ein niedrigeres berufliches Selbstvertrauen auf. Sie unterschätzen ihre Fähigkeiten besonders in Konkurrenz- oder Bewertungssituationen.
    Von allen Urologinnen mit Spannung verfolgt, stellte Prof. Dr. Ulrike Zwergel erste Ergebnisse einer Umfrage über die Situation der Urologinnen in Deutschland vor. Um einen Einblick in das "Alltagsleben" der heutigen Urologinnen zu erhalten, hatte die Professorin im Sommer 2004 eine Erhebung mittels Fragebogen durchgeführt. "Gerade 100 Jahre ist es her, dass Frauen zum Hochschul-Studium in Deutschland zugelassen sind. Seither hat sich viel verändert: Auch Urologinnen sind keine 'Raritäten' mehr, immerhin 8,5% dieser Fachgruppe sind aktuell Frauen", betont Prof. Dr. Zwergel. Bei der Befragung von über 500 Urologinnen und angehenden Fachärztinnen sind 84% mit ihrer Facharztwahl zufrieden. Prof. Dr. Ulrike Zwergel: "Kritisch zu sehen ist die allgemeine demografische Entwicklung, insbesondere die steigende Kinderlosigkeit der Akademikerinnen." In der Umfrage zeigte sich, dass 183 der 352 Urologinnen, die auf die Befragung geantwortet hatten, kinderlos sind (ca. 52%).
    Die Frage, wie man berufliches Weiterkommen und Familie vereinbaren kann, wurde auch zwischen den Programmpunkten rege diskutiert. "Viel Gelegenheit zu solchen Gesprächen gibt es ja im Alltag einer Urologin sonst nicht. Ich denke, Frauen haben einen anderen Umgang miteinander und eine offene Art der Kommunikation, die bei diesem Treffen voll zum Tragen kommt. Es werden Fragen aufgeworfen, die sonst nicht geäußert würden", stellt Professorin Dr. Zwergel fest. Sie nennt einen weiteren wichtigen Aspekt des Workshops: "In wenigen Stunden bekommen wir das breite Spektrum der aktuellen Urologie gestrafft von kompetenten Referentinnen geliefert und sind somit wieder in den unterschiedlichsten Themenbereichen auf dem neuesten Stand. Und: Wir müssen uns auch über Themen wie DRG's, Gesundheitspolitik, Genderforschung und Psychotherapie informieren - dazu hatten wir hier gute Gelegenheit."
    Nicht alles konnte abschließend geklärt werden, doch für die Teilnehmerinnen stand fest: Sie konnten viele Impulse für die tägliche Arbeit mitnehmen.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin, Psychologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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