idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
31.05.1999 12:42

Junge Verbraucher in Europa

Dorothea Carr Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

    Empirische Studie über Konsum- und Umweltverhalten von Kindern und Jugendlichen erschienen

    Ökonomie setzt voraus, daß knappe natürliche Ressourcen in Konsumgüter umgewandelt werden, die mehr oder weniger heftig von den Menschen begehrt werden. Laut zweitem Satz der Thermodynamik, dem Entropiegesetz, ist dieser Wirtschaftsprozeß nicht mehr rückgängig zu machen. Die Natur bleibt was sie ist; verbraucht! Konsum- und Umweltverhalten können sich deshalb eigentlich nur ausschließen und "umweltbewußtes Konsumverhalten" gehört ins Reich der Utopie.

    Julia Fauth hat in ihrer am Lehrstuhl für Wirtschaftssoziologie an der Landwirtschaftlichen Fakultät eingereichten Dissertation dieses Paradoxon im Verhalten von Kindern und Jugendlichen untersucht. Angesichts der wirtschaftlichen Nachfragekraft von 30 Milliarden Mark im Jahr allein in Deutschland fragt die Autorin nach den Faktoren der Konsumsozialisation dieser Gruppe und inwieweit sie sich bei ihren Kaufentscheidungen durch umweltrelevante Gesichtspunkte beeinflussen lassen.

    Julia Fauth führte eine empirische Untersuchung in allen fünfzehn Ländern der Europäischen Union (EU) durch, um die zum Teil sehr umstrittenen Thesen in der einschlägigen Literatur zu überprüfen. Ausgangsbasis für die schriftliche Befragung waren Teilnehmer am EU-Wettbewerb "Junge Verbraucher in Europa", der 1996 von der EU-Kommission initiiert wurde und an dem Kinder und Jugendliche von 10 bis 16 Jahren (meist ganze Schulklassen) teilnahmen. Die Wettbewerbsaufgabe bestand darin, ökologische Vor- und Nachteile eines selbst gewählten Produktes Gleichaltrigen vorzustellen, mit dem Ziel, diese für die Umweltthematik zu sensibilisieren. (Kartoffelchips wurden bei diesem Wettbewerb übrigens als umweltschädigendes Produkt Nummer eins geoutet!) Diesen Wettbewerbsteilnehmern, zusätzlich dazu noch fünf Kontrollgruppen, wurden 3307 Fragebögen zugeschickt. 54% davon kamen zurück.

    Die Ergebnisse der Studie sind zum Teil verblüffend. Wurde im Themenkomplex "Umwelt" stark emotional mit Angst und pessimistischen Zukunftsperspektiven reagiert, mit dem unterschwelligen Vorwurf, die Erwachsenen verschärften die Probleme nur, stellte sich andererseits beim Punkt "Konsum" heraus, daß da die üblichen Kosten-Nutzen-Kriterien wie bei der Elterngeneration fest verwurzelt sind. Taschengeld samt Nebeneinkünften wie Geldgeschenke und Jobs wird richtiggehend verwaltet, gespart und gezielt als Mittel des Prestiges eingesetzt. Zwar gibt es kultur- und geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich des Taschengeldes in den 15 untersuchten EU-Ländern: woher es stammt, wie es ausgezahlt und wofür es ausgegeben wird. Einen Punkt haben alle gemeinsam: Umweltbewußtsein hat mit Konsum so gut wie nichts zu tun. Faktoren der Kaufentscheidung sind Markenname, Preis oder Qualität, nicht schonende Herstellung oder geschlossener Stoffkreislauf. Umweltbewußsein ist etwas für die anderen, für die Industrie zum Beispiel. Die Untersuchten gaben zu, selbst bei der Hausmülltrennung nicht gerade mit Begeisterung dabei zu sein!

    Julia Fauth zieht aus ihrer Untersuchung angesichts des Auseinanderklaffens von theoretischer Einsicht und praktischem Konsumverhalten die Schlußfolgerung, daß eine verstärkte Umwelterziehung in Familie und Schule nötig wäre, da das Umweltverhalten der nachfolgenden Generationen primär von diesen Faktoren abhängig ist.

    Fauth, Julia: Junge Verbraucher in Europa: Konsum- und Umweltverhalten von Kindern und Jugendlichen im 15-Länder-Vergleich. Eine empirische Studie Witterschlick/Bonn; Wehle, 1999 (= Bonner Studien zur Wirtschaftssoziologie; Bd. 12) Zugl. Bonner Univ. Diss., 1999 ISBN 3-89573-087-4

    Weitere Informationen:
    Julia Fauth, Diplom-Oecotrophologin, Tel. 0611-9545878 oder 0228-73 3546

    World Wide Web: http://aix3.verwaltung.uni-bonn.de/presse/presse.htm


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Gesellschaft, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).