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21.11.2005 11:15

9. Salzhäuser Gespräche: Urologen warnen vor drohendem Arbeitsplatzverlust

Bettina-Cathrin Wahlers Pressestelle der DGU
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.

    Belegarztwesen als Kollateralschaden der neuen Gebührenordnung

    Medizinisches Top-Thema der Tagung: Prostata-Vergrößerung

    Medizinische Fortbildung und aktuelle Berufspolitik standen auf dem Programm:
    Urologische Belegärzte aus dem gesamten Bundesgebiet nahmen am vergangenen Wochenende an den "9. Salzhäuser Gesprächen" im Hotel Bergström in Lüneburg teil.
    Sie informierten sich unter anderem über den neuesten Stand in der Diagnostik und Therapie der gutartigen Prostata-Vergrößerung, sowie über die Folgen der Einführung der Gebührenordnung EBM 2000plus für ihren Berufsstand.

    "Die medikamentöse und operative Behandlung der gutartigen Vergrößerung der Vorsteherdrüse als häufige Erkrankung in der zweiten Lebenshälfte des Mannes wird aufgrund der demographischen Entwicklung der Bevölkerung eine zunehmende Bedeutung bekommen", so Gastgeber Dr. Schneider, niedergelassener Urologe in Winsen und Belegarzt im Krankenhaus Salzhausen. Die Symptome einer Prostata-Vergrößerung machen fast jedem zweiten Mann über 50 zu schaffen: Sie leiden unter häufigem und plötzlichen Harndrang, verzögertem und abgeschwächtem Harnsstrahl und damit verbunden unter einem Verlust von Lebensqualität.
    Mehr als vier Millionen Männer sind in Deutschland, nach Schätzungen der Experten, behandlungsbedürftig.
    Für die medikamentöse Behandlung der Blasenentleerungsstörung stehen heute wirksame Medikamente zur Verfügung. "Muss doch operiert werden, erreichen die klassischen Operationsmethoden maximale Gewebereduktion unter minimaler Operationszeit", so Referent Professor Dr. Jochen Noldus aus Herne. Komplikationsrate und Wiederholungseingriffe seien gering. "Auch steht ausreichend entferntes Gewebe für die feingewebliche Untersuchung zur Verfügung, ein wichtiger Verfahrensvorteil."
    Daneben bieten die so genannten minimal invasiven Verfahren wie Laser- oder Mikrowellenbehandlung heute zusätzliche Therapiealternativen. "Diese Verfahren erwärmen oder verdampfen das Gewebe und sind für den Patienten weniger belastend, erfordern langfristig aber häufig Wiederholungseingriffe", sagte Referent Professor Dr. Rolf Muschter, aus Rotenburg.
    "Gerade der Belegarzt ist dabei hervorragend geeignet, individuell bei der Wahl zwischen der medikamentösen Therapie und den operativen Verfahren zu beraten", resümiert der Initiator der einzigen Fortbildungsveranstaltung für Belegärzte in Deutschland,
    Dr. Andreas Schneider.
    Ein Novum auf dem Gebiet der Diagnostik der Prostata-Vergrößerung hob Professor Dr. Kurt Dreikorn aus Bremen in seinem Salzhäuser Referentenbeitrag hervor. "Mit der Messung der Blasenwand-Dicke per Ultraschall steht uns ein neues einfaches Diagnose-Verfahren zur Verfügung, das die aufwändigen, teuren und für den Patienten lästigen urodynamischen Untersuchungen ersetzen kann.

    Berufspolitisch stehen die 485 deutschen, urologischen Belegärzte, die ihre Patienten nicht nur in ihren Praxen, sondern auch im Krankenhaus ärztlich versorgen, aktuell vor einer kritischen Situation. Die Einführung des neuen Abrechnungssystems im April 2005 führte bei stationär erbrachten Leistungen zu finanziellen Einbußen von 25 Prozent und mehr im Vergleich der Abrechnungsquartale II/2004 und II/2005. Dr. Bernhard Rochell, Leiter der Honorarabteilung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bot anlässlich der Salzhäuser Gespräche bereits für den Dezember weitere Verhandlungstermine mit den Belegärzten an, um rasche Lösungen für die nächsten Quartale zu finden. "Ich kann die Verärgerung verstehen, Ungerechtigkeiten sollen nachgebessert werden", so Rochell.
    "Es steht außer Zweifel, dass die dramatischen Vergütungseinbrüche gerade in ländlichen, überwiegend strukturarmen Gemeinden - sofern nicht unverzüglich korrigiert - zu Schließungen von Krankenhäusern sowie allein in Niedersachsen zum Verlust von über 1000 Arbeitsplätzen führen werden; gerade in dieser Zeit hoher Arbeitslosigkeit sicher ein Horrorszenario", fürchtet Dr. Schneider. Ohne Nachbesserungen des EBM 2000plus, so Schneider, drohe das deutsche Belegarztwesen als Kollateralschaden einer missglückten neuen Gebührenordnung zu enden.


    Weitere Informationen:

    http://www.urologen.net


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin, Politik, Recht
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    Initiator der Salzhäuser Gespräche: Dr. Andreas W. Schneider


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