idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
23.11.2005 11:47

Pflügen oder nicht pflügen, das ist hier die Frage

Stefanie Hahn Pressestelle
Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft

    Wissenschaftler der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) zeigen auf Workshop Vor- und Nachteile des pfluglosen Arbeitens auf. Bei pfluglosem Arbeiten und gleichzeitig ungeeigneter Fruchtfolge werden Unkräuter und Krankheiten zum Problem.

    Kleinmachnow/Braunschweig (23.11.05) Pflügen ist wohl eine der ursprünglichsten bäuerlichen Tätigkeiten. Der pflügende Bauer gilt vielen als Sinnbild für die Landwirtschaft. Weitgehend unbekannt ist hingegen, dass auf etwa zwei Millionen Hektar, einem sechstel der Ackerfläche in Deutschland, gar nicht mehr das Unterste zuoberst gepflügt wird. Die Anzahl der Betriebe, die pfluglos arbeiten, ist gestiegen. Sie sind zur so genannten Direkt- oder Mulchsaat gewechselt. Dass die Entscheidung dennoch nicht einfach ist, zeigte sich heute während des Workshops der BBA in Kleinmachnow.

    Besonders in hügeligem Gelände verhindern die Überreste der Vorfrucht in den oberen Schichten das Wegschwemmen des Bodens. Sie halten den Boden quasi fest. Die Liste der Gründe, warum man auf das Pflügen verzichten sollte, ist lang. So spart man nicht nur Kraftstoff und Arbeitszeit, der Acker lässt sich besser befahren, der weniger verdichtete Boden wird besser vom Regenwasser durchdrungen und das Bodenleben wird geschont bzw. gefördert. Doch das pfluglose Arbeiten birgt auch Risiken. Bei ungeeigneter Fruchtfolge drohen Unkräuter und Krankheiten den Ertrag zu schmälern.

    "Ein Patentrezept dagegen haben wir nicht", sagt Dr. Bernhard Pallutt. Dennoch gibt der Leiter des BBA-Versuchsfeldes in Kleinmachnow den Landwirten eine zentrale Empfehlung. Sie sollen jährlich zwischen Blatt- und Halmfrüchten wechseln, also nach Rüben Getreide anbauen und umgekehrt. "Die richtige Fruchtfolge ist die wichtigste indirekte Maßnahme zur Begrenzung des Unkrautwachstums", sagt Pallutt. Das haben die BBA-Forscher in mehr als 10-jährigen Langzeituntersuchungen belegt.

    "Auch im Hinblick auf Krankheiten haben sich getreidebetonte Fruchtfolgen als kritisch erwiesen", sagt sein Kollege Dr. Holger Kreye aus Braunschweig. Baut man z. B. Weizen nach Mais an, werden Pilzkrankheiten zum zentralen Problem. Da das nicht untergepflügte Maisstroh nur langsam verrottet, wird es zur Brutstätte für die Pilze. Bei der Fruchtfolge Weizen nach Weizen drohen Blattkrankheiten. "Als Faustregel gilt: Baut man nacheinander Pflanzen an, die beide Wirte für denselben Krankheitserreger sind, steigt das Befallsrisiko", fasst Kreye die Ergebnisse zusammen. Die Krankheiten müssen dann oft mit chemischen Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden, was wiederum dem ökologischen Grundgedanken des Nichtpflügens entgegensteht.

    "Ob pfluglos oder nicht, diese Entscheidung muss jeder Landwirt für sich treffen", so Pallutt. "Es gilt Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen", pflichtet ihm Kreye bei. Bodenbeschaffenheit und Witterung sind maßgebliche Faktoren. Die BBA-Wissenschaftler helfen bei der Entscheidungsfindung, indem sie auf Risiken aufmerksam machen und Hinweise geben, wie man sie vermeidet.

    Der Workshop findet bis zum 24. November in der Außenstelle der Biologischen Bundesanstalt Für Land- und Forstwirtschaft, Stahnsdorfer Damm 81, in 14532 Kleinmachnow statt.

    Kontakt:
    Dr. Bernhard Pallutt
    Institut für integrierten Pflanzenschutz der BBA
    Stahnsdorfer Damm 81
    14532 Kleinmachnow
    Tel.: 03 32 03 / 48 - 412
    E-Mail: b.pallutt@bba.de

    Dr. Holger Kreye
    Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland der BBA
    Messeweg 11-12
    38104 Braunschweig
    Tel.: 05 31 / 2 99 - 45 45
    E-Mail: h.kreye@bba.de


    Weitere Informationen:

    http://www.bba.de/veranst/veranstarchiv/alp/programm.pdf - vollständiges Workshop-Programm


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Informationstechnik, Meer / Klima, Tier- / Agrar- / Forstwissenschaften, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).