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23.09.1999 12:20

Süßmilch und Helicobacter p.

Peter Pietschmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Ulm

    Süßmilch und Helicobacter p.
    Ein Bakterium wird aufgeklärt

    Süßmilch hieß Johann Peter, war Pfarrer und Statistiker und lebte von 1707 bis 1767. Mit seinem Werk »Die göttliche Ordnung in den Veränderungen des menschlichen Geschlechts, aus der Geburt, dem Tode und der Fortpflanzung desselben erwiesen« von 1741 brach er der Entwicklung der Bevölkerungsstatistik Bahn. Heute begegnet er vor allem in Gestalt der Johann-Peter-Süßmilch-Medaille, in der die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie in Heidelberg ihre höchste wissenschaftliche Auszeichnung sieht.

    Helicobacter pylori ist ein Bakterium von noch vergleichsweise jugendlicher Popularität. Sein Zuname »pylori« leitet sich vom Magenpförtner pylorus her und sagt etwas über seine Siedlungspräferenzen aus. Es faßt allerdings nicht nur am Ausgang, sondern auch in den anderen Regionen des Magens gezielt und dauerhaft unterhalb der Schleimschicht, den Magenzellen aufliegend, Fuß. Die Auslösung von Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüren wird ihm angelastet, ja man hält es für die wichtigste Ursache dieser Erkrankungen. Überdies soll es an der Entstehung von Magenkrebs beteiligt sein. Seine Verbreitung ist riesig - 50% der Weltbevölkerung gelten als infiziert; die Durchseuchung in Mitteleuropa beträgt ca. 35% in der erwachsenen Bevölkerung.

    Seit 1996 arbeiten die Abteilung Innere Medizin I (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Guido Adler) und die Abteilung Epidemiologie (Leiter Prof. Dr. Hermann Brenner) der Universität Ulm in Kooperation mit dem Gesundheitsamt Ulm (Leiter Dr. Theodor Gonser) an Studien zur »Häufigkeit und Übertragung der Infektion mit Helicobacter pylori bei Ulmer Vorschulkindern und deren Eltern«. In den Jahren 1996 und 1997 waren ca. 12% der Ulmer Vorschulkinder infiziert. 1997 konnte erstmals auch der begleitende Elternteil den Atemtest zum Nachweis der Helicobacter-pylori-Infektion machen. Dabei erwiesen sich 36% aller Eltern als Träger des Bakteriums.

    In den bisher durchgeführten Studien fanden sich deutliche Hinweise darauf, daß der Weitergabe von Helicobacter pylori innerhalb der Familie eine zentrale Bedeutung zukommt. Vor allem die Mutter spielt dabei eine Schlüsselrolle. 1998 wurden Untersuchungen mit dem Ziel begonnen, den genauen Übertragungsweg der Infektion aufzuklären, über den es bislang keine gesicherten Erkenntnisse gibt. Nach den Ulmer Studien ist davon auszugehen, daß die Besiedlung des Magens mit dem Keim hauptsächlich im frühen Kindesalter, nämlich in den ersten zwei Lebensjahren erfolgt. Deshalb werden sich die künftigen Arbeiten auf Längsschnittuntersuchungen im Säuglings- und Kleinkindalter konzentrieren, wobei ein dreijähriger Follow up beobachtet werden soll.

    Kürzlich sind Süßmilch und Helicobacter p. in Gestalt der nach Süßmilch benannten Medaille zueinander gekommen, insofern diese Medaille anläßlich der 44. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik am 16. September an Dr. med. Dietrich Rothenbacher verliehen wurde. Der Mediziner, Master of Public Health, ist Mitarbeiter der Ulmer Abteilung Epidemiologie und leitet die einschlägige Arbeitsgruppe. Bereits 1997 wurden die weltweit einzigartigen Untersuchungen mit dem Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie und 1998 mit dem Copenhagen Award for Outstanding Scientific Work on Helicobacter Infection in Children, dem internationalen Forschungspreis der European Helicobacter pylori Study Group, ausgezeichnet.


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte, Personalia
    Deutsch


     

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