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10.01.2006 15:29

Erste Professur am Bernstein-Zentrum

Heike Zappe Kommunikation, Marketing und Veranstaltungsmanagement
Humboldt-Universität zu Berlin

    Prof. Dr. Michael Brecht (Rotterdam) nimmt den Ruf auf die erste Professur am Bernstein-Zentrum für Computational Neuroscience Berlin an

    Im Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience Berlin werden derzeit drei neue Professuren besetzt, die mit Unterstützung des BMBF an der Humboldt-Universität, der Charité und der Technischen Universität eingerichtet worden sind. Prof. Dr. Michael Brecht von der Erasmus Universität Rotterdam hat nun den Ruf auf die erste Professur - "Tierphysiologie / Systemneurobiologie und Neural Computation" - angenommen und wird ab Herbst 2006 am Institut für Biologie der Humboldt-Universität forschen und lehren.

    Michael Brecht, 1967 in Bad Urach geboren, studierte in Tübingen Biochemie und Biologie, und führte seine Diplomarbeit am Keck-Center für Integrative Neurowissenschaften der University of California in San Francisco bei Prof. Preilowski und Prof. Merzenich durch. Anschließend untersuchte er bei Prof. Wolf Singer am MPI für Hirnforschung (Frankfurt am Main) im Rahmen seiner Doktorarbeit Fragen der zeitlichen Codierung und wurde dafür 1998 mit "summa cum laude" promoviert. Von 1999 bis 2004 leitete er eine unabhängige Forschungsgruppe in der Abteilung von Prof. Bert Sakmann am MPI für medizinische Forschung in Heidelberg, habilitierte sich 2004 und wurde im gleichen Jahr "Assistant Professor" im Neuroscience Department des Medical Centers der Erasmus Universität Rotterdam.

    Seit seiner Diplomarbeit interessiert sich Prof. Brecht für die neuronalen Grundlagen von Verhaltensleistungen und hat dabei in den letzten Jahren mit Hilfe modernster biophysikalischer Methoden weltweit beachtete Durchbrüche erzielen können, die von großer Bedeutung für die Tierphysiologie und Neurowissenschaften sind. So ist er einer der Pioniere der so genannten "in vivo whole-cell recording"-Technik, mit der einzelne Nervenzellen im sich verhaltenden Tier mit höchster Genauigkeit untersucht werden können. Seine Resultate zeigen, dass bisherige Verfahren zur Messung neuronaler Aktivität im lebenden Tier nicht unbeträchtliche systematische Fehler aufweisen, was weitreichende Folgen für die Interpretation neuronaler Dynamik und Informationsverarbeitung hat.

    Prof. Brecht führt seine Studien am Beispiel des über Tasthaare (Vibrissen) vermittelten Tastsinnes von Ratten durch, wobei er sowohl die dafür zuständigen sensorischen Nervenzellen untersucht als auch motorische Nervenzellen, die die Tastbewegungen der Vibrissen steuern. Mit seinen wegweisenden Untersuchungen konnte er zudem erstmals zeigen, dass die Aktivität einzelner Neurone der Großhirnrinde genügt, um derartige Bewegungen auszulösen. Dieser unerwartete Befund revolutioniert unser Verständnis der kortikalen Repräsentation kognitiver Prozesse, da er den Aktivitätsmustern einzelner Nervenzellen eine weitaus wichtigere Funktion zuweist als bisher allgemein angenommen wurde.

    Damit stellt sich auch die Frage nach der Interpretation scheinbar zufälliger Aktivitätsfluktuationen im Gehirn neu - eine zentrale Frage des Berliner Bernstein Zentrums. Die von Brecht unter dem Stichwort "Reverse Physiology" geplanten Experimente zur selektiven Stimulation einzelner Nervenzelle werden hierzu wichtige Informationen liefern. Über Aspekte der modernen Systemneurobiologie hinaus ist die von Prof. Brecht untersuchte Rückkopplungsschleife von Sinneswahrnehmung und motorischer Aktivität auch unter dem Gesichtspunkt der Verhaltens- und Tierphysiologie für Forschung wie Lehre von hohem Interesse.

    Gemeinsam mit Prof. Winfried Denk (MPI für medizinische Forschung, Heidelberg) hat Prof. Brecht technisch anspruchsvolle Verfahren der Zwei-Photonen-Mikroskopie entscheidend vorangetrieben und in jüngster Zeit auch mit molekularbiologischen Verfahren verknüpft. Damit ist er in der Lage, unter visueller Kontrolle gezielt elektrische Messungen an bestimmten - genetisch oder andersweitig markierten - Neuronen im intakten Gehirn durchzuführen. Diese Untersuchungen werden spannende Kooperationsmöglichkeiten mit molekularbiologischen Gruppen am Institut für Biologie in Berlin Mitte und mit dem Optik-Schwerpunkt in Adlershof eröffnen. Im Bereich der Modellbildung und Theorie ergeben sich für Prof. Brecht vielfältige Anknüpfungspunkte zu verschiedenen Gruppen des Bernstein Zentrums; aufgrund der fundamentalen Bedeutung seiner Arbeiten für das Verständnis kortikaler Informationsverarbeitung sind darüber hinaus wichtige Impulse für die Interaktion von Biologie und Medizin im Rahmen des Schwerpunktes Lebenswissenschaften der Humboldt-Universität und Charité zu erwarten.

    Informationen Prof. Dr. rer. nat. Andreas Herz
    Telefon [030] 2093 - 9103, - 9112
    e-mail a.herz@biologie.hu-berlin.de


    Weitere Informationen:

    http://www.bccn-berlin.de/overview/details/research/chairs


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Informationstechnik, Medizin
    überregional
    Personalia
    Deutsch


     

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