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17.01.2006 16:46

FH Aalen: Computertomographische Aufschlüsse über ein bemerkenswertes Holzkreuz

Dr. Marc Dressler Externe Kommunikation
Fachhochschule Aalen

    Als am 16. Januar 1464 in Elspe bei Lennestadt im Sauerland eine Vikarie zum Heiligen Kreuz zu Elspe beantragt und in Werl beurkundet wurde, befand sich das Mirakelkreuz bereits seit undenklichen Zeiten im Besitz der Kreuzbruderschaft zu Elspe. Es wurde 1966 in Münster restauriert. Dabei wurde es im Zuge stilistischer Vergleiche mit dem Gero-Kreuz in Köln und anderen Kreuzen auf das Jahr 1130 datiert. Das genaue Alter des Korpus am Mirakelkreuzes wurde nun an der Hochschule Aalen bestimmt. Dr. Markus King von der Arbeitsgemeinschaft Metallguss und Walter Leis vom Studiengang Fertigungstechnik der Hochschule Aalen fertigten computertomographische Aufnahmen vom Korpus und vom Kreuzbalken an, auf denen die Jahresringe des Holzes sichtbar sind. Diesen zufolge stammt der Korpus des Elsper Mirakelkreuzes aus dem Jahre 963 n. Chr.

    Aus dem bisher unveröffentlichten Restaurierungsbericht des Landeskonservators aus Münster geht hervor, dass die eingekerbten Skalierungen auf dem Mirakelkreuz im Jahre 1966 geschlossen wurden, da das Kreuz zur Andacht verwendet werden solle. Auf alten Fotographien aus dem Jahre 1902 sind die Kerben noch einigermaßen zu erkennen. Auf einem medizinischen Röntgenbild, welches in der Universitätsklinik in Köln gemacht wurde, sind die Einkerbungen zwischen den Mulden erkennbar geworden. Eine medizinische CT-Aufnahme in der war für die dendrochronologische Altersuntersuchung jedoch nicht ausreichend. Dagegen sind die Jahresringe des Holzes unverkennbar in den Aufnahmen, die der Aalener Computertomograph zerstörungsfrei vom Elsper Mirakelkreuz gemacht hat.

    Legt man die astronomischen Winkeln zugrunde, könnten die Kreuzbaken noch sehr viel älter sein. Die Aufzeichnungen der Deklinationswinkel sowie der Mittagshöhen am Kreuz zwischen Sommersonnenwende und Wintersonnenwende passen auf die Zeit 400 vor Chr. unserer Zeitwende. Die Aufzeichnungen am Mirakelkreuz zu Elspe lassen alle Mittagshöhen der Sonne im Jahresverlauf erkennen. Der Breitengrad von Elspe und somit die Umlaufbahn des Ortes Elspe um die Erdachse sind ebenfalls auf dem Kreuz eingezeichnet. Zudem sind die Deklinationswinkel der Erde sowie die Sonnenauf- und -untergangsazimute ablesbar.

    Auf die Idee, dass es sich hierbei um einen Sonnenkalender handeln könnte, kam Wolfgang Poguntke vor 14 Jahren: "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Künstler, welcher ein solches Kreuz konstruiert, nicht in der Lage war, die Mulden genau symmetrisch und gegenüber den anderen zu platzieren".

    Die Geschichte des Mirakelkreuzes Elspe liest sich wie ein spannendes Buch. Es wurde nach Aufzeichnungen in den Kirchenbüchern noch im Jahre 1708 bei einer Prozession mitgeführt, welche fast 29 Kilometer um einen großen Teil des Kirchspiel Elspe führte. Hierbei handelte es sich bereits um eine verkürzte Prozession, das heißt die ursprüngliche Prozession verlief um das gesamte Kirchspiel und war vermutlich im Ursprung ein Schnadegang.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Kunst / Design, Maschinenbau, Musik / Theater, Philosophie / Ethik, Religion
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Das Kreuz Elspe im Computertomographen der Hochschule Aalen.


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