Faszinierend wird ein Körper erst durch sein Geschlecht, so die RUB-Soziologin Dr. Paula Villa in ihrer Dissertation "Sexy Bodies", die von Prof. Dr. Ilse Lenz (Fakultät für Sozialwissenschaften der RUB) betreut wurde. Ihr Buch erscheint Mitte Oktober bei Leske+Budrich, Opladen.
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Bochum, 04.10.1999
Nr. 223
"Sexy Bodies"
Eine soziologische Reise durch den Geschlechtskörper
RUB-Studie von Paula Villa erscheint Mitte Oktober
Ein 60-cm-Dekoltée, aber ein 6-cm-Absatz - was oben gespart wurde, wurde unten geklotzt. Und so wird halb nackt, aber voll beschuht zu argentinischen Tangorhythmen übers Parkett gefegt. Der Körper wird zum Fest, aber auch verbannt und mit ihm verbunden, was ihn als männlich, weiblich, schwul, lesbisch oder transsexuell auszeichnet. Bei Techno-Partys und Christopher-Street-Days wird er öffentlich inszeniert - im Internet per virtuellem Cyber sex zum körperlosen Safersex. Faszinierend wird ein Körper erst aber durch sein Geschlecht, so die RUB-Soziologin Dr. Paula Villa in ihrer Dissertation "Sexy Bodies", die von Prof. Dr. Ilse Lenz (Fakultät für Sozialwissenschaften der RUB) betreut wurde. Ihr Buch erscheint Mitte Oktober bei Leske+Budrich, Opladen. Dr. Villa betreut derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin die internationale Marie-Jahoda-Gastprofessur für Frauenforschung an der RUB.
Weder Männlein noch Weiblein
Das, was Männer und Frauen äußerlich voneinander unterscheidet, ist inzwischen nicht mehr eindeutig bestimmbar. Vieles, was früher mittels sozialer Regeln nur einem Geschlecht vorbehalten war wie Berufe, Rollen oder Kleidung, ist heute aufgehoben. Deshalb, so die Soziologin in ihrer Dissertation, könne nur der Körper eindeutig über das Geschlecht Auskunft geben, der von Natur aus als unveränderlich "weiblich" oder "männlich" gelte. Aber ohne Hilfe kommt die Natur nicht aus, so die Soziologin, die in ihrer Arbeit unterschiedliche soziologische Analysen zu Grunde legt. Denn diese bedarf einer Menge sozialer, kultureller Arbeit, um den Körper zur "natürlichen" Weiblich- oder Männlichkeit zu verhelfen. In ihrem als Handbuch konzipierten Werk verfolgt die Autorin die sozialen Mechanismen, die den geschlechtlichen Körper zu etwas Natürlichem machen. Dabei lauten ihre Fragen: "Was tun wir, was sagen wir und was fühlen wir, um ein Geschlecht zu sein?" Am Ende, so schreibt sie, wisse man weniger als vorher. Dafür aber werde der Körper zu einer "aufregenden Grundkategorie des Sozialen".
Körper als Investment
Auf ihrer Reise durch den Geschlechtskörper streift Dr. Villa unterschiedliche Themen wie (Hetero-) Sexualität, Interaktionsrituale, Transsexualität, Hormone, Travestie und vieles andere mehr. Eine besonderer Aspekt berücksichtigt soziale Ungleichheiten, denn der Umgang mit dem eigenen Körper erfordert Zeit, Geld und ist auch vom Bildungsgrad abhängig. Schließlich urteilt das umgebende gesellschaftliche Milieu unterschiedlich über Veränderungen am Körper durch "Schönheitsoperationen" oder die nicht angepasste "Verkleidung in homosexuellen Lebenswelten".
Ein kulturelles Konstrukt der Natur
Die Essenz von Dr. Villas Forschungen ist, dass der natürliche Geschlechtskörper im Grunde ein kulturelles Konstrukt von Natur ist. Im zusätzlichen Kapitel "Der Tanz der Konstruktionen" bringt die Autorin ihre theoretischen Ausführungen noch einmal virtuos aufs praktische Parkett, ergänzt mit zahlreichen Abbildungen.
Titelaufnahme
Villa, Paula-Irene, Sexy Bodies. Eine soziologische Reise durch den Geschlechtskörper, Geschlecht und Gesellschaft, Bd. 23, Verlag Leske + Budrich, Opladen 1999, ca. DM 29,- (ISBN 3-8100-2452-X)
Weitere Informationen
Dr. Paula Villa, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Sozialwissenschaften, GC 04/501, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-22986, Fax 0234/32-14502, E-mail: paula.f.villa@ruhr-uni-bochum.de, femsoz@ruhr-uni-bochum.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Kunst / Design, Musik / Theater, Psychologie
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch
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