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15.03.2006 10:47

Prof. Thomas Jentsch - weltweit renommierter Neurobiologe kommt nach Berlin- Buch

Barbara Bachtler Kommunikation
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch

    Der Neurobiologe Prof. Dr. Dr. Thomas Jentsch (52) aus Hamburg hat einen Ruf nach Berlin angenommen. Er wird vom Sommer an die Abteilung "Physiologie und Pathologie des Ionentransports" am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin-Buch leiten. Die erfolgreiche Berufung ist das Ergebnis einer Kooperation über die Grenzen von Forschungsorganisationen hinweg: Die Arbeitsgruppe des weltweit renommierten Wissenschaftlers wird zu gleichen Teilen vom FMP (Leibniz-Gemeinschaft) und vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch (Helmholtz-Gemeinschaft) finanziert, die Berufung auf eine W3-Professur erfolgte jedoch gemeinsam durch das FMP und die Charité - Universitätsmedizin Berlin. Jentsch wird in das von FMP und MDC gemeinsam neu errichtete Labor für Medizinische Genomforschung auf den Campus Berlin-Buch ziehen.

    "Wir sind stolz darauf, einen so herausragenden Forscher gewonnen zu haben", sagte Prof. Walter Rosenthal, Direktor des FMP und Vorstandssprecher des Forschungsverbundes Berlin e.V., zu dem das FMP gehört. "Die wegweisenden Arbeiten von Thomas Jentsch umfassen in beeindruckender Weise die ganze Spanne vom Gen zum Protein und dessen Bedeutung für die Zelle und den gesamten Organismus. Seine Forschungen haben dazu beigetragen, die Entstehung verschiedener Krankheiten zu verstehen", erklärte Prof. Rosenthal weiter. Ähnlich äußerte sich Prof. Walter Birchmeier, Wissenschaftlicher Vorstand des MDC. Er sagte: "Thomas Jentsch verstärkt mit seiner Forschung alle Bereiche der Forschung am MDC. Diese Top-Berufung wird sich auch auf weitere Rufe nach Berlin-Buch auswirken: Wir berufen anscheinend auf höchstem internationalen Niveau. Erst kürzlich ist es uns gelungen, den Bioinformatiker Nikolaus Rajewsky von der New York University an das MDC und die Charité zu berufen."

    Schwerpunkte der Forschung von Prof. Jentsch sind die Prozesse des so genannten Ionen-Transports. Sie sind für die Funktion der Zelle und den gesamten Organismus von entscheidender Bedeutung. Sind sie gestört, können schwere Krankheiten entstehen. Am FMP wird Prof. Jentsch unter anderem die Rolle des Ionentransports bei Krankheiten wie Neurodegeneration, Hörverlust, Knochen- und Nierenkrankheiten erforschen. Daneben wird seine Gruppe auch molekulare Details der Funktion der entsprechenden Transportproteine untersuchen.

    Vor einigen Jahren eröffneten Prof. Jentsch und seine Mitarbeiter ein völlig neues Forschungsfeld im Bereich des Ionentransports. In dem elektrischen Organ des Zitterrochens identifizierten und isolierten sie das Gen für einen spannungsabhängigen Chloridkanal. Ein von diesem Gen kodiertes Protein schleust das negativ geladene Chlorid-Ion in Abhängigkeit von der elektrischen Spannung durch die Zellmembran. Inzwischen sind knapp ein Dutzend verschiedene Gene für verwandte Chloridkanäle auch bei Säugetieren und dem Menschen bekannt. Sie haben unterschiedliche Funktionen in den verschiedenen Geweben und Zellen. So konnte Prof. Jentsch in Zusammenarbeit mit Humangenetikern zeigen, dass eine Mutation in solch einem Chloridkanal die Ursache für mehrere erbliche Formen der Muskelsteifheit (Myotonia congenita) ist. Weiter gelang es ihm mit seiner Forschungsgruppe, die Funktionen zweier Chloridkanäle in der Niere zu entschlüsseln und zu zeigen, dass sie, wenn defekt, zu verschiedenen Nierenerkrankungen führen, wie massivem Salzverlust, Nierensteinen und Nierenverkalkung. Weiter entdeckte er, dass Mutationen in Kaliumkanälen die Ursache für eine bestimmte Form der Neugeborenen-Epilepsie sowie einer dominant vererbten fortschreitenden Taubheitsform sind.

    Thomas Jentsch wurde 1953 in Berlin geboren und studierte dort an der Freien Universität (FU) Physik und Medizin. 1982 promovierte er an der FU Berlin und am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Physik, 1984 in Medizin. Danach arbeitete er am Institut für Klinische Physiologie der FU und ging von 1986 - 1988 an das renommierte Whitehead Institute des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA. Danach wurde er Forschungsgruppenleiter am Zentrum für Molekulare Neurobiologie Hamburg (ZMNH) und ist dort seit 1993 Direktor des Instituts für Molekulare Neuropathobiologie. Im Jahre 1998 hatte er einen Ruf an die ETH Zürich und 2000 einen Ruf als Direktor an das Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen erhalten.

    Für seine Forschungen erhielt Prof. Jentsch zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland, darunter den höchstdotierten deutschen Förderpreis, den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1995), den Franz-Volhard-Preis für Nephrologie (1998), den Zülch-Preis der Gertrud-Reemtsma-Stiftung (1999), den Prix Louis-Jeantet (2000), den Ernst Jung-Preis für Medizin (2001) sowie den Adolf Fick-Preis für Physiologie und den Homer W. Smith Award (beide 2004). Prof. Jentsch ist gewähltes Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina sowie der Hamburger Akademie der Wissenschaften. Er gehört zu den deutschen Wissenschaftlern, die weltweit am häufigsten zitiert werden.

    Weitere Informationen:

    Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) im Forschungsverbund Berlin
    Dr. Björn Maul
    Robert-Rössle-Straße 10
    13125 Berlin
    Tel.: 0049/30/94 79 31 02
    Fax: 0049/30/94 79 31 09
    e-mail: maul@fmp-berlin.de
    http://www.fmp-berlin.de

    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
    Medizin (MDC) Berlin-Buch
    Barbara Bachtler
    Robert-Rössle-Straße 10
    13125 Berlin
    Tel.: 0049/30/94 06 - 38 96
    Fax: 0049/30/94 06 - 38 33
    e-mail: presse@mdc-berlin.de
    http://www.mdc-berlin.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Informationstechnik, Medizin
    überregional
    Personalia
    Deutsch


    Prof. Dr. Dr. Thomas Jentsch nimmt Ruf nach Berlin an


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