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27.04.2006 12:52

Bonner Tropenarzt findet neue Therapie gegen Flussblindheit

Dr. Inka Väth Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

    Professor Dr. Achim Hörauf leitet das neu strukturierte Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des Universitätsklinikums Bonn. Bereits im Sommer 2003 erhielt der damals am Tropeninstitut in Hamburg beschäftigte Mediziner den Ruf nach Bonn. Sein Spezialgebiet "Tropische Wurmerkrankungen" führte den Nachfolger von Professor Dr. Klaus P. Schaal schon öfter nach Afrika, um beispielsweise an der Flussblindheit erkrankten Menschen zu helfen. Laut jüngsten Studien des 43-jährigen Parasitologen hilft ein Antibiotikum gegen diese durch einen Fadenwurm hervorgerufene, bisher schwer heilbare Krankheit. Etwa jeder Zehnte der Betroffenen erblindet.

    Ein Stich der Kriebelmücke hat derzeit schätzungsweise 40 Millionen Menschen in Afrika mit Larven des Fadenwurms Onchocerca volvulus infiziert - Auslöser der Flussblindheit, der so genannten Onchozerkose. Als erstes wachsen die Larven zu geschlechtsreifen Würmern heran, die sich am liebsten im Unterhautgewebe einnisten. Ein Weibchen produziert täglich bis zu 1000 Nachkommen, so genannte Mikrofilarien. Diese breiten sich über die Lymphkanäle in der Haut bis hin zum Auge aus. Dort entzündet sich die Hornhaut, deren Zerstörung zur Erblindung führt.

    Einsatz im Hochrisikogebiet Ghana

    Im Herbst 2005 reiste Professor Hörauf nicht zum erstenmal nach Ghana. Auch diesmal hoffen Betroffene in der Nähe der Provinzstadt Dunkwa auf Hilfe des Teams um den Bonner Parasitologen und sind der Aufforderung des Dorfältesten gefolgt, der den Patientenstrom organisiert. Bis zu 100 von Juckreiz und Entzündungen geplagte Patienten am Tag versorgt jedes Teammitglied bei einem solchen zweiwöchigen Einsatz. "Das ist harte körperliche Arbeit. Doch wir helfen den Menschen direkt und gewinnen vor Ort Erkenntnisse für unsere Forschung", sagt Professor Hörauf.

    Vom Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD in Deutschland ausgebildete einheimische Mitarbeiter, die auch ganzjährig die Patienten und die Therapiestudien betreuen, bauen dabei die Sprachbarriere ab. "Das erste Misstrauen der Patienten ist meist schnell überwunden. Denn wir bieten den Menschen auch eine Therapie", sagt der Bonner Tropenarzt. So entfernen die Ärzte unter anderem Knoten unter der Haut, in denen sie bis zu 70 Zentimeter lange Fadenwurm-Weibchen finden.

    Billige Tabletten im Kampf gegen den Wurm

    Der Fadenwurm Onchocerca volvulus beherbergt schon seit Millionen von Jahren Bakterien, die er zum Überleben braucht. Dieser von ihm entdeckten Symbiose ist Professor Hörauf auf der Spur. So zeigte sich, dass eine vollständige Abtötung der Bakterien durch Antibiotika zur Sterilität der Würmer führt - ein Hoffnungsschimmer, denn bisherige Medikamente töten nur die Wurmlarven, ohne den erwachsenen Wurm zu schädigen. So können immer wieder neue Generationen von Mikrofilarien entstehen, die für eine weitere Übertragung durch Mücken und für die Krankheitssymptome Sehstörung und Hautentzündung verantwortlich sind.

    Doch werden die Patienten mit dem Antibiotikum Doxycyclin behandelt, zeigen über 90 Prozent eine völlige Abwesenheit der Mikrofilarien. "Dieses bereits zugelassene Medikament ist somit eine Chance, günstig und nebenwirkungsarm eine Übertragung der Flussblindheit dauerhaft zu verhindern", sagt Professor Hörauf.

    Ein Stück Heimat im Busch von Afrika

    In der kleinen Distriktstadt Dunkwa mitten in einem Hochrisikogebiet für die Flussblindheit hat das deutsche Team seit acht Jahren ein Haus gemietet. Zum Schutz unter anderem vor Malaria haben die Mediziner überall Mückengitter angebracht und eine einheimische Köchin stellt sicher, dass die Verpflegung hygienisch einwandfrei ist und die Arbeit des Teams nicht durch Magen-Darmbeschwerden eingeschränkt ist.

    Von diesem Domizil startet das Team seine Einsätze im Busch gegen den Fadenwurm Onchocerca volvulus. Dort ist es bereits bekannt und jeder hofft, dass sein Dorf diesmal dran ist. "Die Menschen bedanken sich hier auf ihre Weise - beispielsweise mit riesigen Körben voll von Früchten", erzählt Hörauf.

    Kontakt für die Medien:
    Professor Dr. Achim Hörauf
    Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des Universitätsklinikums Bonn
    Telefon: 0228/287-5673
    E-Mail: hoerauf@parasit.meb.uni-bonn.de


    Bilder

    Professor Hörauf in seinem Bonner Labor. Die Bilder zur Pressemitteilung gibt es im Internet unter <www.uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2006.html>
    Professor Hörauf in seinem Bonner Labor. Die Bilder zur Pressemitteilung gibt es im Internet unter < ...

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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    regional
    Forschungsergebnisse, Personalia
    Deutsch


     

    Professor Hörauf in seinem Bonner Labor. Die Bilder zur Pressemitteilung gibt es im Internet unter http://www.uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2006.html


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