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04.07.2006 15:29

FIFA-Projekt Green Goal: "Diese Chance haben wir verspielt"

Florian Klebs Hochschulkommunikation
Universität Hohenheim

    Aktuelle Studie und ein ungewöhnliches Kunstprojekt: Umweltmanager der Universität Hohenheim zeigen, wo Green Goal zu kurz kommt - und wie man es besser macht

    Studienergebnisse, Pressefotos und Zusatzinfos unter http://www.uni-hohenheim.de/presse

    Trotz guter Ansätze - das FIFA-Umweltprojekt Green Goal ist kaum bekannt und verspielt seine Chance, einem Zukunftskonzept den Weg in die Alltagsanwendung zu bereiten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die Prof. Dr. Werner F. Schulz vom Lehrstuhl für Umweltmanagement heute auf einer Pressekonferenz vorstellte. Alternative PR plant der Experte für Umweltkommunikation durch eine Kooperation mit Aktionskünstler Hermann Josef Hack: Mit einem ungewöhnlichen Projekt in Stuttgarts Straßen verbindet das Duo Kunst und Kommunikation mit Sport und Nachhaltigkeit.

    Allein in Deutschland stoßen Verkehrsmittel auf dem Weg zum Stadion bis zu 80.000 Tonnen Kohlendioxid aus. Vor Ort fallen rund 5.000 Tonnen Müll an, während 21.000 Kubikmeter Wasser durch Waschbecken und Toiletten der Stadien fließen. Aus diesem Grund haben FIFA und das Freiburger Ökoinstitut die Initiative Green Goal entwickelt und erstmals messbare Ziele für mehr Umweltschutz vereinbart: Strom, Wasser und Abfall wollte die FIFA um jeweils 20 Prozent reduzieren und in Umwelttechnologie wie Regenwassernutzung und Solartechnik investieren. Vor allem sollte es die erste klimaneutrale Fußball-WM sein, d.h., ein reduzierter Privatverkehr sollte weniger Treibhausgase produzieren und der Rest durch Ausgleichsmaßnahmen kompensiert werden.

    "Es ist sehr wertvoll, dass die FIFA erstmals konkrete Ziele vereinbarte. Dafür gebührt ihr ausdrücklich ein Lob", sagt Prof. Dr. Schulz. Dass Sport hier eine Vorreiterrolle einnehmen kann, belegten einige eindrucksvolle Beispiele. "In Stuttgarter Stadiontoiletten kommen hochmoderne Urinals nun ganz ohne Wasser aus, in München hat sich das ganze Stadion gemäß den Umweltmanagement-Richtlinien "EMAS" validieren lassen und durch zusätzliche Waldpflanzungen in Indien und Südafrika werden die Auspuffgase, die während der WM aus Deutschland in die Atmosphäre steigen, weltweit wieder neutralisiert."

    Gleichzeitig zeigten die Beispiele auch die Schwächen des Konzeptes: "So ist es nicht verständlich, warum nur ein Stadion mit EMAS-Zertifikat validiert ist - und nicht alle", meint Prof. Dr. Schulz. Schuld daran sei der späte Fehlstart der Initiative Green Goal: Bei der Olympiade in Sydney sei Nachhaltigkeit von Anfang an Bestandteil aller Planungen gewesen. In Deutschland habe das Konzept erst 2003 vorgelegen. "Zu diesem Zeitpunkt waren die Stadionumbauten bereits durchgeplant und angefangen - da ist die FIFA mit Green Goal erst zur zweiten Halbzeit angetreten."

    Beim Oberziel - dem Klimaschutz - leiste sich die FIFA sogar ein Stückchen Augenwischerei. "Neutralisiert werden nur die rund 80.000 Tonnen Kohlendioxid, die bei Anfahrten innerhalb Deutschlands anfallen", sagt Prof. Dr. Schulz. Weltweit seien aber von den 3,2 Millionen Gästen viele mit dem Flugzeug angereist - darunter zum Beispiel Tausende Brasilianer, die alle 12.000 km im Flieger saßen. "Jeder Auslandsbesucher legte durchschnittlich mindestens 2.000 bis 3.000 Kilometer im Flugzeug zurück. Dabei entstanden weitere 150.000 Tonnen Kohlendioxid, die in keiner Umweltstatistik auftauchen."

    Vor allem aber habe die FIFA die Chance vertan, ihre guten Ansätze in Sachen Nachhaltigkeit in die Breite zu tragen. "Tue Gutes und rede darüber - diesen Grundsatz in der PR hat die FIFA sträflich vernachlässigt." Belegt wird dies durch eine aktuelle Studie des Lehrstuhls für Umweltmanagement, wonach die Initiative Green Goal bei 97 Prozent der Bevölkerung unbekannt ist. Befragt wurden über 1.000 Personen im Großraum Stuttgart, zeitgleich zeigen über 150 bundesweite Telefoninterviews, dass sich die Ergebnisse auf die Gesamtbevölkerung übertragen lassen.

    "Die Studie zeigt, dass ein innovatives Kommunikationskonzept, das auch auf Emotionen abzielt, den vorbildlichen Ansätzen der FIFA auch über die WM hinaus den Weg bereitet hätte." So hätten 34 Prozent der Befragten an erster Stelle die gute Stimmung und Euphorie als positivstes WM-Erlebnis genannt, 14 Prozent freuten sich am meisten über den Austausch zwischen den Kulturen und die gute Umsetzung des Mottos "die Welt zu Gast bei Freunden".

    "Unsere Forschungsprojekte zeigen, dass diese Kombination - ein hochemotionales, euphorisches Event und die erlebte Völkerverständigung - sich gegenseitig verstärkt. Für die Umweltkommunikation können wir deshalb ähnliche Konzepte nur empfehlen - doch hier hat die FIFA eine Chance verschenkt."

    Als Beispiel, wie sich Sport, Nachhaltigkeit und Kommunikation besser vereinbaren lassen, ist Prof. Dr. Schulz eine ungewöhnliche Kooperation mit Aktionskünstler Hermann Josef Hack eingegangen. "Da Kunst über Emotionen direkt ins Unterbewusstsein des Menschen vordringt, kann sie eher als rationale Zugänge eine Bereitschaft für Nachhaltigkeitsthemen erwecken", begründet der durch seine gesellschaftskritischen Aktionen bekannte Künstler Hack das Projekt. "Mit dem Kunstprojekt Global Goal am 7./8. Juli 2006 in Stuttgart zeigen wir Alternativen, wie Umweltkommunikation Spaß machen, Emotionen ansprechen und Nachhaltigkeit in den Köpfen bewirken kann."

    FIFA Green Goal: http://greengoal.fifaworldcup.yahoo.net
    Kunstprojekt Global Goal: http://www.globalgoal.de

    Kontaktadresse (nicht zur Veröffentlichung):
    Prof. Dr. Werner F. Schulz, Universität Hohenheim, Lehrstuhl für Umweltmanagement
    Tel.: 0711 459-3790, E-Mail: wfschulz@uni-hohenheim.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Gesellschaft, Kunst / Design, Meer / Klima, Musik / Theater, Sportwissenschaft, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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