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13.07.2006 14:04

Islam, Exil, Orientalismus: Hellmut Ritter in Istanbul

Dr. Armin Flender Pressestelle
Kulturwissenschaftliches Institut

    Ein öffentlicher Vortrag von PD Dr. Georg Stauth (Universität Bielefeld/Universität Mainz) am 18. Juli 2006 um 20.00 Uhr im Kulturwissenschaftlichen Institut, Essen.

    Eine große Zahl von deutschen Wissenschaftlern und Intellektuellen fanden nach 1933 in Istanbul eine neue Heimat. Ob Juristen, Mediziner, Techniker oder Natur- und Geisteswissenschaftler, viele dieser Exilanten trugen zur institutionellen Prägung der neuen Türkischen Republik bei. Nach dem Krieg kamen sie zurück und spielten, wie etwa Ernst Reuter, eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau. Die Frage nach der spezifischen Rolle der Geisteswissenschaftler, von denen einige - etwa die Romanisten Leo Spitzer und Erich Auerbach - einen grundlegenden Einfluss auf die Bildung eines neuen Kulturbegriffs in den "Humanities" in Amerika hatten und von dort her auch auf die junge deutsche Kulturwissenschaft zurückwirkten, ist von besonderem Interesse.
    Der Vortrag greift mit Hellmut Ritter exemplarisch einen Orientalisten heraus, der bereits 1926 in die Marginalität verbannt, aus dieser heraus wieder ins Zentrum seines Faches wirkte. In der Tiefe seiner humanistischen Bildung versuchte Ritter den Kollegen in der Romanistik zu folgen und die Reflexe des Eigenen in der Kultur des Anderen auszuloten. Sein protestantisches Elternhaus, seine Erfahrungen in der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg in Hamburg, der Einfluss großer Lehrer, wie Theodor Nöldeke und Carl Heinrich Becker, aber auch des Heidelberger Soziologen Max Weber, führten zu wichtigen Vorwegnahmen, Gleichzeitigkeiten und Nachspielen der in Istanbul der 30er und 40er Jahren begründeten "Weltphilologie". Diese 'Weltbedeutung' des Orients und des Islams in der Volksliteratur und in der türkischen, persischen und arabischen Schriftkultur zu identifizieren, war eine der großen Leistungen von Hellmut Ritter.

    Georg Stauth ist Privatdozent an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld und Co-Projektleiter im Sonderforschungsbereich 295 "Kulturelle und Sprachliche Kontakte" der Universität Mainz. Von 2003 bis 2005 leitete er die Studiengruppe "Islamic Culture - Modern Society" am Kulturwissenschaftlichen Institut.

    Der Vortrag steht im Zusammenhang mit der von der VolkswagenStiftung geförderten International Summer Academy: Islam and the Repositioning of Religion, die vom 16. bis 30. Juli 2006 im Kulturwissenschaftlichen Institut stattfindet.

    Die Veranstaltung ist öffentlich. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.kwi-nrw.de oder unter der Telefonnummer 0201/7204-213.


    Weitere Informationen:

    http://www.kwi-nrw.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Geschichte / Archäologie, Philosophie / Ethik, Religion
    regional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


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