"Podcast" ist das Wort des Jahres

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17.07.2006 06:00

"Podcast" ist das Wort des Jahres

Sebastian Stöber Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hessisches Telemedia Technologie Kompetenz-Center e.V.

    Podcast gilt derzeit nicht nur in Großbritannien als einer der "heißesten Medientrends". Auch in Deutschland nimmt die Zahl der Podcasts stetig zu. Doch wer Audio- und Videodateien auf seiner Homepage anbieten möchte, muss dafür tief in die Tasche greifen. Darmstädter Wissenschaftler wollen das nun ändern. Die Forscher planen im Rahmen eines europäischen Forschungsverbundes den Aufbau einer Peer-to-Peer-Infrastruktur, bei der jeder Abonnent, der sich ein Podcast auf seinen Rechner lädt, die Mediendatei seinerseits an weitere Teilnehmer des Abonnenten-Netzwerkes weiterleitet. Die Kosten für den Datentransfer werden auf diese Weise auf alle Teilnehmer (Peers) verteilt. So können beispielsweise Printmedien, lokale Radiosender und Organisationen, Schulen oder auch Privatpersonen unabhängig von Werbepartnern Content anbieten.

    Darmstadt. Für die Briten ist "Podcast" das Wort des Jahres 2005. Der Grund: Der Begriff hat sich in "phänomenaler" Geschwindigkeit von einer Unbekannten zu einem "der heißesten Medientrends" entwickelt. Selbst die deutsche Kanzlerin setzt auf Podcasting, dem Verbreiten von Audio- und Videobeiträgen über das Internet. Seit 8. Juni erläutert sie als erste Staatschefin weltweit jeden Samstag ihre Regierungsziele über ein Video im Netz. Damit zieht sie vielen Zeitungen und Verlagen nach, wie zum Beispiel der Financial Times Deutschland, die die Nachrichten des Tages für MP3-Player aufbereitet, und die Helmholtz-Gesellschaft mit ihrer Sendung "Ohren auf für Wissenschaft". Doch das regelmäßige Bereitstellen von Podcasts können sich bislang nur wenige leisten. Darmstädter Wissenschaftler haben deswegen eine Idee entwickelt, die den finanziellen Aufwand für diese neuartige Form der Verteilung medialer Inhalte minimieren soll. "Wir wollen den gesellschaftlichen Nutzen von Podcasting erhöhen, indem wir die Kosten in Grenzen halten. Dazu wollen wir eine technische Infrastruktur auf Basis eines Peer-to-Peer-Systems aufbauen. Damit könnten Printmedien, lokale Radiosender und Organisationen, Schulen oder auch Privatpersonen Content für ganz spezifische Zielgruppen oder auf private Interessen zugeschnittene Inhalte anbieten, ohne von Werbepartnern abhängig zu sein", erläutert Dr. Oliver Heckmann, Leiter der Gruppe IT-Architekturen und Peer-to-Peer Networking vom KOM - Multimedia Communications Lab der TU Darmstadt.
    Anbieter audio-visueller Inhalte müssen bislang recht tief in die Tasche greifen, da sie allein den Datentransport (Traffic) finanzieren. Mitschnitte von TV- oder Radiosendungen, Interviews oder auch automatisch vorgelesene Zeitungsartikel werden mit Hilfe von RSS-Feed auf dem Server des Anbieters bereitgestellt. RSS-Feed bezeichnet die Möglichkeit, Inhalte einer Webseite mit Hilfe einer spezifischen Software zu abonnieren. Jeder Interessierte lädt sich die Audio- und Videodateien von der Homepage des Podcasters auf seinen Rechner.
    Heckmann und seine Kollegen wollen nun eine Infrastruktur auf dem Prinzip des Peer-to-Peer-Systems aufbauen, bei dem im Gegensatz zum World Wide Web die Dateien nicht zentral in einem Computer gespeichert sind, sondern ein Netz von gleichwertigen Teilnehmern (Peers) miteinander kommuniziert. Bezogen auf Podcasting bedeutet das: Ein Endnutzer lädt sich den gewünschten Multimediabeitrag vom Server des Anbieters auf seinen Computer und setzt damit eine Art Lawine in Gang. Jeder, der sich beispielsweise das neueste Video der Kanzlerin auf seinen Rechner lädt, gibt es gleichzeitig an andere Teilnehmer des Abonnenten-Netzwerks weiter. Das läuft voll automatisch über eine Software, die in die Standardsoftware integriert werden kann. Der Nutzer selbst muss nichts dafür tun. So wird das Kanzlerinnen-Video über eine Art Baumstruktur verbreitet, wobei sich die Teilnehmer die Kosten für den Traffic teilen.
    Heckmanns Gruppe steht mit dem Ansinnen, Podcasting einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, nicht allein. Sie ist Teil des Europäischen CONTENT Networks of Excellence, einem Zusammenschluss europäischer Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Gemeinsam wollen sie versuchen, die Übertragung aufgezeichneter Inhalte und auch von LiveÜbertragungen für Endkunden zu verbessern.


    Weitere Informationen:

    http://www.multimedia-communications.net/index.php?id=92&no_cache=1&user...


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Informationstechnik
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
    Deutsch


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