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13.09.2006 12:55

Kopfschmerzzentrum in München öffnet seine Tore

Philipp Kressirer Kommunikation und Medien
Klinikum der Universität München

    Am Klinikum der Universität München nimmt im September das Oberbayerische Kopfschmerzzentrum seine Arbeit auf. Die Kaufmännische Krankenkasse - KKH und die Klinik für Neurologie etablieren damit erstmalig im süddeutschen Raum das in Essen und Berlin eingeführte Modell der Integrierten Versorgung bei chronischen Kopfschmerzen.

    Kopfschmerzen zählen zu den großen Volksleiden: Rund acht Millionen Menschen leiden unter chronischen Kopfschmerzen wie Migräne und Spannungskopfschmerzen. Allein durch starke Migräneattacken gehen jährlich eine Million Arbeitstage verloren. Viele Betroffene werden in Deutschland nicht leitliniengerecht behandelt, insbesondere sind die notwendigen interdisziplinären Diagnostik- und Therapieangebote nicht realisiert. "Wir haben daher mit der Kaufmännischen Krankenkasse - KKH ein interdisziplinäres und sektorübergreifendes Behandlungsmodell entwickelt, das im Rahmen der Integrierten Versorgung die Behandlung von Kopfschmerzpatienten sichert", erläutert Dr. Hans-Joachim Eißner, Leiter der Stabsstelle für Medizinisches Controlling am Klinikum der Universität München.

    Ziel der integrierten Versorgung ist die qualitätsgesicherte und wirksame Therapie
    "Das Behandlungsmodell ist das dritte Integrierte Versorgungsmodell für chronische Kopfschmerzen und Migräne, das die KKH ihren Versicherten anbietet", erklärt Rudolf Hauke, Vorstandsmitglied der KKH - der viertgrößten bundesweiten Krankenkasse. Integrierte Versorgung bedeutet, dass alle an der Behandlung Beteiligten (Patient - Arzt - Krankenhaus - Therapeut - Krankenkasse) ein gemeinsames Ziel verfolgen. "So ist eine qualitätsgesicherte und nachweislich wirksame Therapie für die Patienten garantiert. Wir haben für dieses Modellprojekt mit der Kopfschmerzambulanz der Neurologischen Klinik im Klinikum der Universität München, Großhadern eine bundesweit bekannte Einrichtung auf dem Gebiet der Migräne und Kopfschmerzen gewonnen", ergänzt Rudolf Hauke. Er unterstreicht, dass dieses Kooperationsmodell ein wichtiger Meilenstein zu einer stärker an der Qualität ausgerichteten Versorgung ist.



    Kooperation des Forschungsnetzwerks Kopfschmerz mit niedergelassenen Ärzten
    Allein 256 verschiedene Arten von Kopfschmerz gibt es: Bei Kopfschmerz- und Migräneattacken laufen die Betroffenen daher häufig von Arzt zu Arzt - oft ohne Erfolg. Erfahrung mit der Behandlung von chronischen Kopfschmerzen sammeln Neurologen des Klinikums in Großhadern bereits seit vielen Jahren. An der Klinik für Neurologie ist neben einer Vielzahl anderer Forschungsprojekte auch ein Projekt des vom Bundesministerium für Forschung und Technologie finanzierten Deutschen Kopfschmerzkonsortiums angesiedelt - ein Forschungsverbund von acht Universitätskliniken im Bereich Kopfschmerz. Die Kopfschmerzambulanz betreut jährlich bisher ca. 400 neue Patienten. "Die Betreuung und Behandlung dieser Patienten verbessert sich ab September 2006 spürbar, da erstmals eine von Forschungsgeldern unabhängige Finanzierung besteht, die es ermöglicht, das Angebot zu erweitern und eine kontinuierliche Versorgung zu gewährleisten. Neurologen, Psychologen und Physiotherapeuten am Oberbayerischen Kopfschmerzzentrum bieten jetzt zusammen mit niedergelassenen Neurologen und Schmerztherapeuten eine Behandlung aus einem Guss an", so Prof. Andreas Straube, Oberarzt an der Neurologischen Klinik der Universität München.

    Wirksame Kombination aus Beratung, Therapie und Schulung
    Was nun sind die Besonderheiten des Oberbayerischen Kopfschmerzzentrums? "Die Leistungen reichen von ambulanter Diagnostik über mehrtägige tagesklinische Behandlung bis hin zu stationärer Betreuung", erklärt Frau Dr. Petra Sostak, Ärztin am Oberbayerischen Kopfschmerzzentrum. Tagesklinische Behandlung bedeutet, dass die Betroffenen morgens ins Zentrum kommen und am späten Nachmittag wieder nach Hause gehen. Patienten mit Kopfschmerzen an mindestens fünf Tagen pro Monat erhalten eine Schulung über die Ursachen der Erkrankung und bekommen geeignete verhaltenspsychologische und physiotherapeutische Bewältigungsstrategien vermittelt. Nicht zuletzt leiten die Mitarbeiter des Kopfschmerzzentrums eine medikamentöse Therapie ein. Die ambulante Weiterbehandlung übernimmt ein am Modell teilnehmender niedergelassener Neurologe. Betroffene mit Kopfschmerzen bis zu fünfzehn Tagen im Monat erhalten im Zentrum eine mehrtägige ausführliche medizinische und psychologische Betreuung und Beratung. Eine Nachuntersuchung nach drei Monaten folgt. Einige wenige Patienten, die noch häufiger unter der Erkrankung leiden, benötigen hingegen einen fünftägigen tagesklinischen Aufenthalt. Neben einer Schulung über Ursachen der Erkrankung erhalten sie beispielsweise eine individuelle medikamentöse Therapie, verhaltenspsychologische Behandlung, Physiotherapie und Beratung zur nichtmedikamentösen Vorbeugung von Kopfschmerzen.



    Das Zentrum arbeitet mit über 30 niedergelassenen Neurologen und Schmerztherapeuten in Bayern zusammen. Sie müssen besonders qualifiziert sein in der Behandlung von Schmerzpatienten, jährlich mindestens 100 Kopfschmerzpatienten behandeln und regelmäßig Fortbildungen zum Thema besuchen. Die niedergelassenen Mediziner betreuen die im Kopfschmerzzentrum untersuchten und behandelten Patienten weiter. Die Therapie durch die Mitarbeiter des Kopfschmerzzentrums und der niedergelassenen Neurologen endet, wenn die Betroffenen nur noch drei- oder viermal im Monat Schmerzen haben. Dann führt der Hausarzt die Betreuung fort.

    Die Verbesserungen durch das neue Modell sind enorm. Der Patienten bekommen kurzfristig einen Termin und erhalten eine medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapie unter einem Dach. Unnötige Doppeluntersuchungen bei verschiedenen Ärzten entfallen. Behandlungsqualität auf höchstem Niveau garantiert auch eine Medikamentenliste. Es wird ein besonderer Wert auf eine rationale, durch Untersuchungen abgesicherte Therapie gelegt, die den internationalen Leitlinien entspricht (weitere Information unter: www.DMKG.de und www.DGN.de). Neben einer werktäglichen Telefonsprechstunde erhalten die Betroffenen umfangreiche Schulungs- und Informationsunterlagen. Und noch eine Besonderheit: Bereits vom ersten telefonischen Kontakt bis zum Beginn der Behandlung führen die Patienten ein Kopfschmerztagebuch.

    Noch können nicht alle Krankenversicherten das Angebot des Oberbayerischen Kopfschmerzzentrums nutzen: in diesem Jahr ausschließlich Versicherte der Kaufmännischen Krankenkasse und Privatpatienten.

    Klinikum der Universität München
    Im Klinikum der Universität München werden an den Standorten Großhadern und Innenstadt jährlich rund 85.000 Patienten stationär und 371.000 Patienten ambulant behandelt. Die 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über etwa 2.400 Betten. Von insgesamt 9000 Beschäftigten sind rund 1800 Mediziner. Jährlich finden zahlreiche medizinische und wissenschaftliche Kongresse und Tagungen, sowie Kurse und Informationsveranstaltungen für Patienten statt. Das Klinikum der Universität München zählt zu den größten Gesundheitseinrichtungen in Deutschland und hat im Jahr 2004 mehr als 52 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben. Das Klinikum der Universität München ist seit Juni 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.


    Weitere Informationen:

    http://www.klinikum.uni-muenchen.de
    http://www.kkh.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Organisatorisches
    Deutsch


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