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20.01.1998 00:00

Wohnen in Ostdeutschland

Burckhard Wiebe Informations- und Kommunikationsreferat
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH

    20. Januar 1998

    Ostdeutsche Mieter: zufrieden, obwohl benachteiligt

    Zu den Wohnbedingungen in den neuen Bundeslandern

    Berlin (wbs) Bei den Mieten sind Ostdeutsche doppelt benachteiligt: Sie zahlen durchschnittlich zwar nur 82 Prozent der in Westdeutschland ublichen Betrage, erhalten aber lediglich 73 Prozent des westdeutschen Einkommens; uberdies ist die Wohnqualitat in den neuen Bundeslandern generell niedriger als in der alten Bundesrepublik. Dennoch sind heute drei von vier Ostdeutschen mit ihren Wohnungen sehr zufrieden" oder zufrieden", wie aus einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin fur Sozialforschung (WZB) hervorgeht.

    Im Ruckblick nennen ostdeutsche Burgerinnen und Burger den Verfall und Niedergang der Stadte (68 %) und den Bau grosser Wohnsiedlungen (76 %) als kennzeichnend fur das Leben in der DDR. Die Wohnbedingungen in Ostdeutschland haben sich allerdings aufgrund umfangreicher Neubautatigkeiten und Modernisierungen seit 1990 deutlich verbessert. Daher sind die Ostdeutschen jetzt mit der positiven Entwicklung des Lebensbereichs Wohnen" uberwiegend zufrieden. Wie die Untersuchung des WZB von Wilhelm Hinrichs auf der Grundlage von Daten des Sozio-okonomischen Panels und der leben"-Umfrage des Soziologischen Forschungszentrums Berlin-Brandenburg zeigt, orientierten sich die Veranderungen der Wohnverhaltnisse jedoch nicht ausreichend an den Bedurfnissen der ostdeutschen Bevolkerung.

    Bei einer Gesamtbilanz der dramatischen gesellschaftlichen Veranderungen seit 1990 ist das Thema Wohnsituation" fur 95 Prozent der Ostdeutschen von hoher Bedeutung. Die Veranderungen im Lebensbereich Wohnen" wurden von 30 Prozent der Befragten als Gewinn, von 57 Prozent als ausgeglichen und nur von acht Prozent als Verlust bewertet. Fur eine uberwie-gende Mehrheit von 87 Prozent gehen mit der Entwicklung der Wohnbedingungen erweiterte oder verbesserte Angebote einher.

    Die Eigentumerquote stieg in Ostdeutschland nur von 28 Prozent im Jahre 1990 auf 31 Prozent im Jahr 1997 (in Ostberlin liegt sie bei sieben Prozent, in Thuringen - dem Land mit dem hochsten Wert - bei 40 Prozent), wahrend die Eigentumerquote im alten Bundesgebiet 42 Prozent betragt. Die wesentlichen Grunde fur das zogerliche Wachstum des selbstgenutzten Eigentums sind der ungeeignete Bestand, die sehr geringe Vermogens- und Kapitalausstattung der ostdeutschen Haushalte und subjektive Bedenken.

    Ostdeutsche Haushalte, die am Bau eines Eigenheims interessiert sind, wunschen vorrangig ein Haus im historisch gewachsenen Siedlungsgebiet. Hierbei stehen kostensenkende Aspekte - wie etwa ein moglichst hoher Anteil an Eigenleistungen - im Vordergrund. Seltener sind der Kauf ei nes schicken" Wohnpark-Eigenheims im fernen Umland der Stadte oder der Erwerb einer luxu-riosen Eigentumswohnung. Im Mietsektor gilt die Nachfrage vor allem preiswerten intakten Altbauwohnungen oder Wohnungen in Neubauten, die uber maximal funf Geschosse verfugen.

    Noch zahlen die Ostdeutschen eine rd. 18 Prozent geringere Miete als die westdeutschen Haushalte - dies jedoch nur, weil sie in durchschnittlich kleineren und schlechter ausgestatteten Wohnungen leben. Bedingt durch den vergleichsweise niedrigen Wohnstandard und die Hohe der Einkommen sind die Ostdeutschen gegenuber den Westdeutschen aber finanziell benachteiltgt: Sie erhalten im Durchschnitt nur 73 Prozent des westdeutschen Einkommens, zahlen jedoch 82 Prozent der westdeutschen Miete, obgleich sie uber eine geringere Wohnqualitat verfugen. Dennoch sind - verglichen mit den DDR-Bedingungen - rund 73 Prozent der Ostdeutschen mit ihrer Wohnung subjektiv sehr zufrieden" bzw. zufrieden".

    Wohnbedingungen in Ostdeutschland", in: WZB-Mitteilungen, Heft 78 (Dezember 1997), S. 28 - 31

    Wilhelm Hinrichs, Wohnbedingungen und ihre subjektive Wahrnehmung in Ostdeutschland 1990 bis 1997, 44 S. (WZB-Bestellnummer FS III 97-409)

    Weitere Informationen: Wilhelm Hinrichs (WZB), Telefon 030/25 49 13 78 -- Wissenschaftszentrum Berlin fuer Sozialforschung (WZB) Presse- und Informationsreferat Reichpietschufer 50 D-10785 Berlin Tel.: +49-30-25 49 15 13 Fax: +49-30-25 49 16 84 e-mail: presse@medea.wz-berlin.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Politik, Recht, Wirtschaft
    überregional
    Es wurden keine Arten angegeben
    Deutsch


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