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12.10.2006 15:03

Wie Lernprozesse die Schmerzwahrnehmung beeinflussen

Meike Drießen Bundesgeschäftsstelle
Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)

    Lerneffekte sind ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Schmerzkrankheiten. Dass dies völlig unbemerkt von den Betroffenen ablaufen kann, wurde erstmals von Mannheimer Forschern um PD Dr. Dieter Kleinböhl und Prof. Dr. Rupert Hölzl nachgewiesen: Im Verlauf einer anderthalbstündigen "operanten Konditionierung" ließ sich die Schmerzempfindlichkeit von gesunden Studienteilnehmern erheblich steigern, ohne dass sie sich dessen bewusst wurden. Umgekehrt war auf die gleiche Weise die Empfindlichkeit zu senken, je nachdem, welche Konsequenzen auf die Wahrnehmungsreaktionen folgten. "Diese Ergebnisse zeigen erstmals eindeutig, dass die Schmerzwahrnehmung durch unbewusstes Lernen am Erfolg verändert werden kann. Dies könnte ein Mechanismus der Chronifizierung von Schmerzen sein." erklärt Dr. Kleinböhl. Für ihre durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderte Studie wurden die Forscher beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin mit dem mit 3500 Euro dotierten zweiten Preis der Kategorie Grundlagenforschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2006 ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).

    Berlin, Deutscher Schmerzkongress, 12. Oktober 2006

    Wie Lernprozesse die Schmerzwahrnehmung beeinflussen
    Förderpreis für Schmerzforschung an Mannheimer Forscher

    Lerneffekte sind ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Schmerzkrankheiten. Dass dies völlig unbemerkt von den Betroffenen ablaufen kann, wurde erstmals von Mannheimer Forschern um PD Dr. Dieter Kleinböhl und Prof. Dr. Rupert Hölzl nachgewiesen: Im Verlauf einer anderthalbstündigen "operanten Konditionierung" ließ sich die Schmerzempfindlichkeit von gesunden Studienteilnehmern erheblich steigern, ohne dass sie sich dessen bewusst wurden. Umgekehrt war auf die gleiche Weise die Empfindlichkeit zu senken, je nachdem, welche Konsequenzen auf die Wahrnehmungsreaktionen folgten. "Diese Ergebnisse zeigen erstmals eindeutig, dass die Schmerzwahrnehmung durch unbewusstes Lernen am Erfolg verändert werden kann. Dies könnte ein Mechanismus der Chronifizierung von Schmerzen sein." erklärt Dr. Kleinböhl. Für ihre durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderte Studie wurden die Forscher beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin mit dem mit 3500 Euro dotierten zweiten Preis der Kategorie Grundlagenforschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2006 ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).

    Sensibilisierung bei chronischen Schmerzen

    Den Studienteilnehmern wurden über eine so genannte Thermode Hitzereize auf die Hand gegeben, wobei sie selbst die Möglichkeit hatten die Temperatur zu regulieren. Ihre Aufgabe lautete, die gefühlte Reizstärke konstant zu halten. "Bei gesunden Probanden stellte sich bei gerade schmerzhaften Reizen normalerweise Gewöhnung ein, d.h. sie regelten die Temperatur mit der Zeit höher um die Empfindung gleich zu halten", erklärt Dr. Kleinböhl. "Bei chronischen Schmerzleiden, wie beim Rückenschmerz, findet man dagegen keine Gewöhnung an solche Reize - hier tritt Sensibilisierung auf, d.h. eine Zunahme der subjektiven Schmerzempfindung bei gleich bleibenden oder abnehmenden objektiven Reizstärken. Wir haben uns gefragt, ob eine solche veränderte Schmerzwahrnehmung durch unbewusste Lernprozesse entstehen kann."

    Können Sensibilisierung oder Gewöhnung erlernt sein?

    Um das herauszufinden, untersuchten die Forscher Gesunde unter zwei Bedingungen, wobei die Aufgabe, die Empfindungsstärke der Hitzereize konstant zu halten, blieb. In einer Gruppe wurde eine Sensibilisierungsreaktion durch eine anschließende weitere Temperaturabsenkung "verstärkt", wohingegen Gewöhnungsreaktionen durch eine anschließende Temperaturerhöhnung "bestraft" wurde. In der zweiten Gruppe verhielt es sich umgekehrt: hier wurde Gewöhnung verstärkt und Sensibilisierung bestraft. "Wir nennen dieses Lernen durch die Konsequenzen des Verhaltens operantes Lernen", erklärt Dr. Kleinböhl.

    Gesteigerte Schmerzempfindlichkeit durch unbewusstes Lernen

    Nach anderthalbstündigem Training zeigte sich, dass in der Gruppe, in der Sensibilisierung verstärkt wurde, vermehrt Sensibilisierungsreaktionen gegenüber Hitzereizen auftraten, während in der anderen Gruppe vermehrt Gewöhnungsreaktionen gefunden wurden. In der Gruppe mit erlernter Sensibilisierung wurde außerdem nachgewiesen, dass bei objektiv abnehmenden Reizstärken die subjektive Empfindungsstärke gleich blieb. Die Studienteilnehmer waren sich dieser im Verlauf des Experiments allmählich zunehmenden erhöhten Schmerzempfindlichkeit nicht bewusst. "Damit konnten wir zum ersten Mal nachweisen, dass Schmerzwahrnehmung durch unbewusstes operantes Lernen schleichend verändert werden kann, ohne dass der Betroffene davon etwas bemerkt", so Dr. Kleinböhl. "Solche unbemerkten Lernprozesse könnten bei der Entstehung erhöhter Schmerzempfindlichkeit sowie in der Chronifizierung von Schmerzen eine wichtige Rolle spielen." ist Dr. Kleinböhl überzeugt.

    Ansprechpartner

    PD Dr. Dieter Kleinböhl, Universität Mannheim, Otto-Selz-Institut, Labor für Klinische Psychophysiologie, Schloss, EW 184, 68131 Mannheim, Tel. 0621/181-2111, Fax: 0621/181-2107, E-Mail: kleinboehl@osi.uni-mannheim.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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