Griechische Vasenmaler in Italien

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20.01.1998 00:00

Griechische Vasenmaler in Italien

Adolf Kaeser Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    "Zwischen Tradition und Fortschritt. Antike Keramik in Westgriechenland" ist der Titel einer Ausstellung, die bis einschliesslich Ostersonntag, 12. April, in der Antikensammlung des Martin von Wagner-Museums der Universitaet Wuerzburg zu sehen ist. Sie widmet sich erstmalig in der Geschichte des Museums den rotfigurigen Vasen, die von Griechen in Unteritalien hergestellt wurden.

    Dieser als "westgriechisch" bezeichneten Keramik haftete lange Zeit der Makel einer minderwertigen Kolonialkunst an. Erst in den vergangenen Jahren gelang es der archaeologischen Forschung, der Eigenstaendigkeit westgriechischer Vasenkunst gerecht zu werden, indem sie deren Eigenarten herausarbeitete.

    Grundlage dazu bilden die Arbeiten des 1995 verstorbenen Neuseelaenders Arthur Dale Trendall, der etwa 20.000 westgriechische Gefaesse erfasste, nach landschaftlichen Stilgruppen trennte und in mehreren Handbuechern publizierte. Mit diesem Geruest ist es moeglich, neu hinzukommende Vasen einer bestimmten Kunstregion, einer Toepferwerkstatt, ja sogar einer bestimmten Malerhand zuzuweisen und weitergehende ikonographische Untersuchungen anzustellen.

    Die an qualitativ hochwertigen Exemplaren ausserordentlich reiche Sammlung westgriechischer Vasen an der Universitaet Wuerzburg darf innerhalb der deutschen Vasensammlungen einen mehr als repraesentativen Status beanspruchen: Mit apulischen, kampanischen, paestanischen und sizilischen Exemplaren verfuegt sie - mit Ausnahme der lukanischen, die bis Ende Februar in der Ausstellung durch eine private Leihgabe vertreten ist - ueber alle wesentlichen Stilgruppen der unteritalischen Vasenmalerei und vermag so nicht nur einen UEberblick zu geben, sondern auch lokale Unterschiede oder stilistische Besonderheiten anschaulich zu machen. Texttafeln betten das archaeologische Material in das historische Umfeld aus Kolonisation und Akkulturation ein.

    Die fruehesten von griechischen Kolonisten in Unteritalien hergestellten Vasen entstanden bald nach der Mitte des 5. Jahrhunderts vor Christus. Toepfer und Vasenmaler waren vermutlich bereits bei der Gruendung der athenischen Kolonie Thurioi 444/443 v.Chr. an den Golf von Tarent gekommen. Die ersten von den Einwanderern produzierten Gefaesse unterschieden sich noch kaum von ihren Vorbildern: Vasenformen, rotfigurige Maltechnik und Figurenstil wurden von attischen Vasen uebernommen, Themen und Figuren aus dem grossen, ueberkommenen Typenbestand frei ausgewaehlt und kombiniert.

    Mit dem 4. Jahrhundert v.Chr. - als der politische Einfluss Athens in Unteritalien durch die Ereignisse des Peloponnesischen Krieges zurueckgegangen war - loesten sich die westgriechischen Werkstaetten von der attischen Tradition. Der Weg zur eigenen Identitaet fuehrte ueber die Aufloesung gueltiger Form- und Dekorationsprinzipien, zur Aufnahme einheimisch-italischer oder sogar karthagischer Elemente bis hin zur Ausbildung mehrerer Landschaftsstile.

    Durch den zunehmenden Absatz griechischer Vasen unter der italischen Bevoelkerung und die damit einhergehende Funktion der Gefaesse als Statussymbol entstand mit der Zeit eine Keramikgattung, deren Bildwelt zwar noch eng in griechischer Tradition steht, deren Bildaussage aber der spaeteren roemischen Kunst schon sehr nahe kommt.

    Die Ausstellung im Wagner-Museum mit etwa 90 Exponaten ist aus Vorarbeiten zum vierten Wuerzburger Band des "Corpus Vasorum Antiquorum" hervorgegangen, der im Herbst 1998 abgeschlossen wird. Das "Corpus Vasorum Antiquorum" ist ein Gemeinschaftsprojekt der Union Academique Internationale, bei dem die gesamte in Museen aufbewahrte figuerlich bemalte Keramik wissenschaftlich aufgenommen und veroeffentlicht werden soll. In Deutschland wird das Projekt von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften betreut.

    OEffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 14 bis 17 Uhr sowie an folgenden Sonntagen, jeweils von 9.30 bis 12.30 Uhr: 1. und 15. Februar, 1., 15. und 29. Maerz, 12. April. Zur Ausstellung gibt es Fuehrungsblaetter, der Eintritt ist frei.

    Kontakt: Dr. Gudrun Guentner, E-Mail: gudrun.guentner@mail.uni-wuerzburg.de Dr. Irma Wehgartner, Telefon (0931) 31-2866 (Sekretariat), -2282, -2288 (Kasse), Fax (0931) 13037


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft
    überregional
    Es wurden keine Arten angegeben
    Deutsch


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