idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
10.07.2007 09:47

Warum Raider Twix heißen muss

Uschi Lenk Referat Öffentlichkeitsarbeit
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    3. Jenaer Markenrechtstag am 12./13. Juli an der Friedrich-Schiller-Universität über Markennamen und -recht

    Jena (10.07.07) Mit einer groß angelegten Kampagne wurde vor einigen Jahren der neue Name eines europaweit bekannten Schokoriegels am Markt eingeführt. "Aus Raider wird Twix" lautete der Slogan, der die Kunden ob des gleichen Inhalts verwunderte. Marketingexperten indes war der Grund schnell klar. "Raider" bedeutet im Englischen so viel wie "Plünderer" oder "Räuber", ein Name, der für die geplante weltweite Vermarktung des Produkts wenig geeignet schien. "Einen wirklich guten, zugkräftigen Markennamen zu finden und dabei im rechtlichen Rahmen zu bleiben, ist eine Kunst für sich", weiß Prof. Dr. Volker Michael Jänich von der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

    Wie man einen solchen Namen erfolgreich bildet, welche Typen und welche etwaigen Hindernisse es bei seiner Eintragung gibt, sind einige der Themen des 3. Jenaer Markenrechtstags am 12. und 13. Juli in Jena. Rund 50 Wissenschaftler und Anwälte, dazu Markenspezialisten von Industrie und Verwaltung aus ganz Deutschland werden zu der von der Friedrich-Schiller-Universität, dem Deutschen Patent- und Markenamt sowie der Forum-Institut für Management GmbH gemeinsam veranstalteten Fachtagung erwartet. Dabei dreht sich alles um aktuelle Entwicklungen und die neueste Rechtsprechung im Markenrecht. Die Frage, ob sich "Post" nur die "Deutsche Post AG" nennen darf, wird dabei ebenso zur Debatte stehen wie die Haftung für Markenverletzungen im Internet. "Da gibt es innerhalb Europas noch erhebliche Unterschiede", weiß Jänich, der Jenaer Inhaber des Gerd Bucerius-Lehrstuhls für Bürgerliches Recht mit deutschem und internationalem Gewerblichen Rechtsschutz.

    Gleiches gelte für Produktpiraterie. Während in Deutschland der Besitz eines gefälschten Markenartikels, etwa einer Armbanduhr, für den eigenen Bedarf nicht strafbar sei, würden andere Länder, beispielsweise Italien, "mit teils drastischen Strafen, die denen bei Diebstahl gleichkommen, dagegen angehen". Dahinter stecke aber auch der Gedanke der Prävention. "Allerdings bleibt die Frage, wie man das Recht durchsetzen kann. Da gibt es noch großen Diskussionsbedarf", sagt der Jenaer Markenrechtsexperte.

    Der aus der Produktpiraterie resultierende volkswirtschaftliche Schaden lasse sich nur schwer beziffern. Die kursierenden Zahlen seien "mit ausgesprochener Vorsicht zu genießen". Laut Weltzollorganisation entstanden den Markeninhabern alleine im vergangenen Jahr weltweit Verluste in Höhe von 120 Milliarden Euro, die Bundesregierung spricht gar von rund 350 Milliarden Euro. Genauere Zahlen könnte nach Ansicht von Prof. Jänich eine Studie erbringen, die die Weltorganisation zum Schutz geistigen Eigentums in Auftrag gegeben hat.

    "Eine Möglichkeit, Produktpiraterie vorzubeugen, ist das Anmelden einer Marke", betont der Jenaer Jurist. Obwohl mit cirka 300 Euro im Vergleich zu einem Patent, bei dem schnell Kosten von 10.000 Euro anfallen könnten, relativ preiswert, würden vor allem kleinere Unternehmen dies scheuen. Dennoch erhielt das Deutsche Patent- und Markenamt in München 2006 rund 80.000 Markenanmeldungen und lag damit wiederum auf dem Niveau des Vorjahres.

    Der 3. Jenaer Markenrechtstag bietet den Experten jedoch nicht nur theoretisch Neuestes auf diesem Gebiet. Bei Führungen durch das Jenaer Archiv des Deutschen Patent- und Markenamtes und durch das Carl Zeiss-Werk sowie am Beispiel von Markenpraxis und -geschichte der Schott AG lernen sie auch die praktische Seite kennen.

    Kontakt:
    Prof. Dr. Volker Michael Jänich
    Rechtswissenschaftliche Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Carl-Zeiß-Str. 3
    07743 Jena
    Tel.: 03641 / 942110
    E-Mail: v.jaenich[at]recht.uni-jena.de


    Weitere Informationen:

    http://www.recht.uni-jena.de/z10
    http://www.uni-jena.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Politik, Recht, Wirtschaft
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay