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06.08.2007 17:18

Renommierter Theologe und exemplarischer Christ

Klaus P. Prem Presse - Öffentlichkeitsarbeit - Information
Universität Augsburg

    Ein Nachruf des Dekans der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg auf deren Ehrendoktor Jean-Marie Kardinal Lustiger (1926 - 2007)

    Wie das französische Präsidialamt mitteilte, ist der frühere Erzbischof von Paris, Jean-Marie Kardinal Lustiger, am Sonntag, dem 5. August 2007, in Paris verstorben.

    Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Augsburg trauert um einen renommierten Theologen, einen Brückenbauer zwischen Juden und Christen, einen überzeugenden Seelsorger und exemplarischen Christen. Die Katholisch-Theologische Fakultät ist Kardinal Lustiger in besonderer Weise verbunden, da sie ihm am 17. November 1989 die theologische Ehrdoktorwürde verleihen konnte.

    Geboren als Aaron Lustiger im Jahre 1926 in Paris und als Jude im Glauben des Volkes Israel aufgewachsen, ist er während der Ferien 1936/1937 zur Verbesserung seiner Sprachkenntnisse erstmals in Deutschland gewesen und wurde bereits in dieser Zeit mit dem nationalsozialistischen Antisemitismus konfrontiert.

    Im Jahr 1940 datiert das zentrale Glaubensereignis seines Lebens: der Empfang der Taufe und der Erstkommunion. Jean-Marie Lustiger selbst interpretierte dieses Ereignis nicht so sehr als "Konversion" zum Christentum, sondern als "die Glaubenserkenntnis, dass in Jesus Christus die Messiaserwartung des Volkes Israel ans Ziel gelangt" und damit ein wesentlicher Ansatz zum Miteinander von Judentum und Christentum gegeben sei.

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges tritt Jean-Marie Lustiger im Jahre 1946 in das Pariser Priesterseminar ein und beginnt das Studium am Institut Catholique und an der Sorbonne. Weitere Lebensstationen sind: Priesterweihe im Jahr 1954, zuerst Studentenpfarrer, dann 1959 Pfarrer der Gemeinde Sainte-Jeanne-de-Chantal in Paris und Leiter des Centre Richelieu, verbunden mit der Chance intensiver geistiger Auseinandersetzung mit den religiösen, politischen und kulturellen Strömungen in Frankreich. Es folgte die Veröffentlichung einer Reihe von theologischen und spirituellen Schriften, darunter die "Sermons d'un curè de Paris" (1978).

    Am 10. November 1979 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Orléans. Am 2. Februar 1981 trat er die Nachfolge von Kardinal Marty als Erzbischof von Paris an. Am 2. Februar 1983 erfolgte die Erhebung zum Kardinal.

    Im Jahre 1995 wurde Kardinal Lustiger als Nachfolger von Albert Decourtray auf Fauteuil 4 der Académie Francaise gewählt. Am 11. Februar 2005 legte er die Leitung der Erzdiözese Paris nieder. Kardinal Lustiger verstarb am Sonntag, dem 5. August 2007, in Paris.

    Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Augsburg trauert um ihren hochverehrten Ehrendoktor, der jahrzehntelang nicht nur der Kirche in Frankreich eine überzeugende Stimme, sondern auch der Katholischen Kirche in Europa ein menschliches Gesicht gegeben hat.

    Die Katholisch-Theologischen Fakultät hatte Kardinal Lustiger mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet, weil er sich durch seine wegweisenden publizistischen und engagierten menschlichen Aktivitäten für die Verständigung zwischen Juden und Christen bleibende Verdienste erworben hat. In seiner Person findet sich eine eindrucksvolle theologische und biographische Brücke zwischen dem Gottesvolk des Ersten und des Zweiten Testamentes.

    Darüber hinaus ehrte die Auszeichnung mit Kardinal Lustiger einen engagierten Europäer, der unermüdlich an die jüdisch-christlichen Wurzeln Europas erinnerte und deren Bedeutung für die Zukunft eines geeinten Europas herausstellte.

    Schließlich wurde mit Jean-Marie Kardinal Lustiger als Erzbischof von Paris auch dessen wegweisendes pastorales Engagement gewürdigt. Die französische Hauptstadt fokussiert in besonderer Weise die modernen Herausforderungen für die Evangelisierung in einer säkularen und pluralen Gesellschaft. Kardinal Lustiger hat durch seine innovativen seelsorglichen Initiativen ganz entscheidend zur Glaubwürdigkeit des Evangeliums in einer urbanen Zivilisation beigetragen. Nicht von ungefähr widmete sich sein Festvortrag anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde in Augsburg dem Thema "Evangelisierung in der säkularen Gesellschaft".

    Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Augsburg wird Jean-Marie Kardinal Lustiger - im gemeinsamen Glauben an die Auferstehung - in dankbarer Erinnerung behalten und weiß sich seinem Erbe in ganz besonderer Weise verpflichtet.

    Prof. Dr. Klaus Arntz
    Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät
    Universität Augsburg

    _______________________________________

    Anlässlich der Augsburger Ehrenpromotion von Jean-Marie Kardinal Lustiger ist 1990 in der Reihe "Augsburger Universitätsreden" als Nummer 16 der Band "Die Neuheit Christi und die Postmoderne. Vortrag und Ansprachen anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Katholisch-Theologische Fakultät am 17. November1989" erschienen. Die Publikation kann kostenlos über die Pressestelle der Universität Augsburg (info@presse.uni-augsburg.de) bezogen werden.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Philosophie / Ethik, Religion
    überregional
    Personalia
    Deutsch


    Beim Eintrag ist Goldene Buch der Universität Augsburg bei seiner Ehrenpromotion am 17. November 1989: Jean-Marie Kardinal Lustiger


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