Ultraschall-Untersuchungen bei Gehirntumoren

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20.04.1998 00:00

Ultraschall-Untersuchungen bei Gehirntumoren

Robert Emmerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Studie an der Universitaet Wuerzburg zeigt Vorteile des Ultraschalls bei Gehirntumor-Patienten

    Die Ultraschalltechnik bietet bei der Darstellung von Hirntumoren eine Reihe von Vorteilen. Doch erstaunlicherweise kommt sie im Rahmen von Hirntumor-Operationen und bei der Nachsorge operierter Hirntumor-Patienten noch selten zum Einsatz.

    Finanziell gefoerdert von der Deutschen Krebshilfe, hat eine Arbeitsgruppe an der Universitaet Wuerzburg systematisch Vor- und Nachteile der Ultraschalldiagnostik bei Gehirntumoren untersucht. Die Ergebnisse wurden am heutigen Montag, 20. April, bei einer Pressekonferenz in Wuerzburg vorgestellt.

    Ultraschall-Untersuchungen haben sich in weiten Bereichen der Medizin als wichtige Ergaenzung, zum Teil sogar als Ersatz fuer Roentgenuntersuchungen und Schnittbildverfahren - dazu gehoeren zum Beispiel die Computer-Tomographie (CT) oder die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) - durchgesetzt.

    Dank technischer Neuerungen hat sich die Qualitaet der Ultraschallsysteme in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert. So liefern die modernen Systeme nicht nur hochaufgeloeste Bilder, sondern auch eine Reihe von wichtigen Zusatzinformationen, zum Beispiel ueber Blutgefaesse und die Durchblutung der untersuchten Organe.

    An der Universitaet Wuerzburg widmet sich eine interdisziplinaere Arbeitsgruppe der Aufgabe, die Wertigkeit der Ultraschalldiagnostik bei Gehirntumoren im Vergleich zu den herkoemmlichen Schnittbildverfahren CT und MRT in einer klinischen Studie systematisch zu untersuchen. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe kommen von der Neurologischen und der Neurochirurgischen Klinik sowie der Abteilung fuer Paediatrische Neurochirurgie und arbeiten unter Leitung von PD Dr. Georg Becker und Prof. Dr. Andreas Krone. Die beiden Wissenschaftler stellten bei der Pressekonferenz die wesentlichen Ergebnisse der Studie vor:

    Moderne Ultraschallsysteme bieten als allgemein verfuegbare und vergleichsweise leicht zu handhabende Systeme dem Neurochirurgen waehrend der Operation die Moeglichkeit, auch tiefliegende, an der Oberflaeche nicht erkennbare Gehirntumoren sicher in ihrer Ausdehnung darzustellen. Zudem ermoeglichen sie es festzulegen, welcher Zugangsweg zum Tumor fuer das gesunde Gewebe am schonendsten ist.

    Sie ermoeglichen es zu kontrollieren, wie vollstaendig ein ins umliegende Gewebe einwachsender boesartiger Tumor entfernt wurde. Somit gestatten die Ultraschallsysteme eine radikalere und trotzdem sicherere Entfernung von Tumorresten, als dies allein nach dem mikroskopischen Eindruck des Operateurs moeglich waere.

    Die hohe Verlaesslichkeit der Ultraschalldarstellung wurde an mittlerweile ueber 70 Patienten belegt. Dabei entnahmen die Neurochirurgen systematisch Proben von Tumorresten und ihren Randbereichen und untersuchten diese anschliessend feingeweblich.

    Dabei erwies es sich als besonderer Vorteil der Ultraschalltechnik, dass auch solche Tumoren und Tumoranteile zur Darstellung kommen, die in anderen Schnittbildverfahren nur schlecht vom umgebenden Hirngewebe abgegrenzt werden koennen, weil sie kein Kontrastmittel aufnehmen.

    Diese waehrend der Operation ermittelten Vorteile des Ultraschalls wurden im weiteren Verlauf bei Untersuchungen bestaetigt, welche durch die geschlossene Schaedeldecke hinweg gefuehrt wurden. Eine derartige Ultraschalluntersuchung ist bei etwa 85 Prozent der Patienten moeglich und wird in der Wuerzburger Neurochirurgischen Klinik mittlerweile als wertvolle, ergaenzende bildgebende Diagnostik bei der Nachsorge von Hirntumorpatienten eingesetzt.

    Die Ultraschalltechnik kann jedoch die herkoemmlichen Schnittbildverfahren (CT, MRT) in der Routinediagnostik ausserhalb des Operationssaales nicht ersetzen. Allerdings stellen die an der Universitaet Wuerzburg erhobenen Befunde die Anwendung technisch aufwendiger und kostenintensiver Computer- und Kernspintomographen im Operationssaal in Frage.

    In einer ebenfalls von der Deutschen Krebshilfe gefoerderten Nachfolgestudie erforscht die interdisziplinaere Arbeitsgruppe derzeit, inwieweit die Anwendung von neuentwickelten eigenen Ultraschall-Kontrastmitteln in Verbindung mit der sogenannten Duplexsonographie (diese Ultraschalltechnik ermoeglicht eine zusaetzliche Darstellung von Flussphaenomenen in Blutgefaessen, die farbcodiert in das schwarz-weisse Schnittbild projiziert werden) die Aussagekraft der Ultraschall-Diagnostik noch weiter verbessern kann. Das gilt insbesondere fuer die bislang in allen Bildgebungsverfahren noch unbefriedigende Abgrenzung zwischen nachgewachsenem Tumorgewebe und den Folgen einer Strahlenbehandlung.

    Fuer diese Untersuchungen wird erstmals Ultraschall-Kontrastmittel waehrend der Operation eingesetzt. Die Befunde werden wiederum im Vergleich mit feingeweblichen Untersuchungen gezielt entnommener Proben sowie mit einer vor und nach der Operation durchgefuehrten speziellen Technik, der sogenannten Kernspin-Spektroskopie, abgesichert.

    Um dabei eine bessere Vergleichbarkeit der verschiedenen Bildgebungsverfahren zu gewaehrleisten, kommt mittlerweile ein integriertes infrarot-gesteuertes Navigationssystem zur Anwendung, das durch automatische, rechnergestuetzte Erkennung der Schallkopfposition eine direkte UEberlagerung und damit Vergleichbarkeit von CT-, Kernspin- und Ultraschall-Schichtbildern erlaubt.

    Wie noetig solche Untersuchungen sind, machte bei der Pressekonferenz auch der Leiter des Bereichs Presse- und OEffentlichkeitsarbeit der Deutschen Krebshilfe, Malte Wittwer, deutlich. Er wies darauf hin, dass in Deutschland jedes Jahr etwa 8.000 Menschen an einem Hirntumor erkranken. 1996 seien rund 5.000 Menschen an den Folgen dieses Leidens gestorben.

    Die Krebshilfe foerdere allein das vorgestellte Projekt mit rund 700.000 Mark. Es ist an der Universitaet Wuerzburg jedoch nur eines von vielen Vorhaben, in die Geld von der Deutschen Krebshilfe fliesst. Insgesamt habe die Organisation hier mit ueber 12,5 Millionen Mark mehr als 30 Projekte unterstuetzt, sagte Wittwer.

    Rund 1,2 Millionen Mark seien beispielsweise fuer eine Arbeitsgruppe am Pathologischen Institut bewilligt worden. In das kuerzlich eroeffnete Zentrum "Familiaerer Brust- und Eierstockkrebs" sei eine Million Mark investiert worden. Laut Wittwer ist dieses finanzielle Engagement nur durch die Spendenbereitschaft der Bevoelkerung moeglich - die Deutsche Krebshilfe erhalte keine oeffentlichen Gelder, sondern finanziere sich ausschliesslich aus freiwilligen Zuwendungen.

    Wesentliche Unterstuetzung erfaehrt das Wuerzburger Hirntumor-Projekt auch durch eine Kooperation mit der Siemens AG im Rahmen eines vertraglich geregelten Technologie-Transfers. Hierbei unterstuetzt die Firma Siemens das Projekt durch staendige Aktualisierung der technischen Ausruestung (Schallkoepfe, Software etc.). Dies ermoeglicht es den Wuerzburger AErzten, die Untersuchungen auf dem jeweils neuesten Stand der sich rapide entwickelnden Ultraschalltechnik durchzufuehren und verbessert somit die Aussagemoeglichkeiten der Studien. Umgekehrt fliessen die Erfahrungen der klinischen Anwender in die Weiterentwicklungen des Ultraschall-Herstellers ein.

    Kontakt: Prof. Dr. Andreas Krone, Neurochirurgische Klinik der Universitaet Wuerzburg, Josef Schneider-Strasse 11, 97080 Wuerzburg, Telefon (0931) 201-2554, Fax (0931) 201-5829, E-Mail: NCHK056@mail.uni-wuerzburg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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