Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Heimen haben psychische Störungen, werden aber oft zu spät, das heißt erst in Krisenfällen psychiatrisch behandelt. Setzt eine einfach zugängliche ambulante Therapie dagegen frühzeitig ein, können psychische Störungen besser behandelt und längere stationäre Aufenthalte vermieden werden. Das zeigt eine bundesweite Studie der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie / Psychotherapie mit 624 Kindern und Jugendlichen.
Die Studie wird am Dienstag, 6. November 2007, auf einer Fachtagung im Wissenschaftszentrum Schloss Reisensburg bei Günzburg vorgestellt. Sie sind herzlich zur Teilnahme eingeladen. Gerne vermitteln wir im Vorfeld aber auch Interviews.
In Deutschland leben etwa 62.000 Kinder und Jugendliche in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe. Die Mehrzahl leidet an verschiedenen psychischen Störungen, die sich zum Beispiel in sozialem Rückzug, aggressivem Verhalten oder körperlichen Beschwerden ausdrücken. In psychiatrische Behandlung gelangen die meisten aber erst in Krisensituationen, beispielsweise nach einem Selbstmordversuch. "Die Schwelle zur Inanspruchnahme von psychiatrischer Versorgung ist hoch", erklärt Diplom-Psychologe Dr. Lutz Goldbeck, der das Projekt in Ulm leitet. "Oft sind auch die Wartezeiten auf einen Therapieplatz sehr lang."
Die Studie setzte an genau diesem Punkt an: An 11 Modellstandorten zwischen Hamburg und Augsburg bot sie besonders belasteten Kindern und Jugendlichen gezielt frühe Hilfe an. Dabei arbeiteten niedergelassene Fachärzte, Fachkliniken und die Einrichtungen der Jugendhilfe eng zusammen. Fachärzte suchten die Kinder und Jugendlichen beispielsweise in den Heimen auf, begleiteten sie über längere Phasen hinweg, besprachen sich regelmäßig mit den Erziehern.
Die Ergebnisse aus den Modelleinrichtungen wurden mit denen von 15 Kontrolleinrichtungen verglichen, die nach herkömmlichen Standards behandelt wurden. "Es zeigt sich, dass bei den Kindern und Jugendlichen, die im Modellprojekt früher und vernetzt behandelt wurden, kürzere stationäre Aufenthalte in psychiatrischen Einrichtungen nötig waren", erklärt Dr. Goldbeck. Außerdem zeigten sich die Kinder aufnahmefähiger für die pädagogischen Angebote in den Heimen, so Goldbeck.
Auf der Basis der Studienergebnisse schlagen die Ulmer Wissenschaftler vor, Anreize für frühe Hilfsangebote zu schaffen, die komplexen Versorgungsstrukturen im Zusammenspiel von Jugendhilfe und Fachärzten zu vereinfachen und die Zusammenarbeit zu fördern. Wie das ganz praktisch aussehen könnte, diskutieren Ärzte, Pädagogen und Psychologen aus ganz Deutschland am Dienstag, den 6. November, im Wissenschaftszentrum Schloss Reisensburg bei Günzburg (Bayern).
Wir laden Sie herzlich zur Teilnahme an der Fachtagung ein - das Programm finden unter dem unten genannten Link. Bitte melden Sie sich zu der Veranstaltung an. Gerne vermitteln wir Ihnen aber auch im Vorfeld Interviews mit den Ulmer Wissenschaftlern.
Ansprechpartner: PD Dr. Lutz Goldbeck (Dipl. Psychologe)
Tel: 0731 - 500 61601 (Frau Weisenheimer)
Mit freundlichen Grüßen,
Petra Schultze
Universitätsklinikum Ulm
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Einstein-Allee 29
89081 Ulm
Tel: 0731 - 500 43025
Fax: 0731 - 500 43026
E-Mail: petra.schultze@uniklinik-ulm.de
http://www.uniklinik-ulm.de/kjpp - Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie / Psychotherapie
http://www.uniklinik-ulm.de/fileadmin/Kliniken/Kinder_Jugendpsychiatrie/Flyer/Fl... - Programm der Fachtagung am 6. November 2007
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin, Pädagogik / Bildung
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch

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