Schätzungsweise 18 Millionen Menschen leiden weltweit an der Alzheimer Krankheit, Tendenz steigend. Ein wichtiges Merkmal dieser am häufigsten auftretenden Demenzform sind Proteinablagerungen, sogenannte Amyloid-Plaques, im Gehirn von Betroffenen. Diese bestehen hauptsächlich aus abnorm gefaltetem und aggregiertem beta-Amyloid. Aber auch andere Proteine werden in diesen Ablagerungen gefunden, unter anderem auch Cystatin C, das praktisch von allen Körperzellen gebildet und in alle Körperflüssigkeiten sezerniert wird.
Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass Alzheimerpatienten gehäuft eine bestimmte Variante des Cystatin C-Gens aufweisen. Diese Genvariante führt zu einer verminderten Sekretierung des Cystatin C-Proteins aus der Zelle und somit einer niedrigeren Konzentration von Cystatin C in den Körperflüssigkeiten.
In einer gerade publizierten Studie konnte nun Stephan Käser aus der Arbeitsgruppe von Prof. Mathias Jucker am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung des Universitätsklinikums Tübingen zeigen, dass genetisch veränderte Mäuse, die mit zunehmendem Alter Amyloid-Plaques im Gehirn haben, eine deutlich reduzierte Menge dieser Ablagerungen aufweisen, falls sie gleichzeitig im Gehirn menschliches Cystatin C produzieren. Weiter konnten die Wissenschaftler zeigen, dass Cystatin C an beta-Amyloid bindet und somit dessen Aggregation vermindert.
Eine Forschergruppe aus den USA, deren Veröffentlichung gleichzeitig mit der Veröffentlichung der Tübinger Forscher in Nature Genetics erschienen ist, kommt zu genau den gleichen Schlussfolgerungen.
Mehrere Risikogene für die Alzheimer Krankheit sind bekannt, allen voran die Epsilon 4-Variante von Apolipoprotein E. Nun gehört auch Cystatin C in die Liste der Risikofaktoren. Obwohl das Testen für alle diese Genvarianten relativ einfach ist, rät Jucker von Gentests ab, solange den Risikopatienten keine kausale Alzheimer-Therapie zur Verfügung steht. Jucker: "Ich sehe eher die Möglichkeit, Cystatin C-Analoga zu entwickeln. Diese könnten die beta-Amyloid-Aggregation hemmen und damit eventuell zu einem neuen Therapieansatz führen."
Das Tübinger Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, das bundesweit größte und modernste Zentrum für Neurologie, ist ein Projekt der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, des Universitätsklinikums Tübingen, der Medizinischen Fakultät Tübingen und der Eberhard Karls Universität.
Ansprechpartner für nähere Informationen
Universitätsklinikum Tübingen
Prof. Mathias Jucker
Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung
Otfried-Müller Strasse 27, 72076 Tübingen
mathias.jucker@uni-tuebingen.de
Tel. 0 70 71/29-8 19 47, Fax 0 70 71/29-45 21
** Titel der Originalpublikation
Kaeser SA, Herzig MC, Coomaraswamy J, Kilger E, Selenica ML, Winkler D, Staufenbiel M, Levy E, Grubb A, Jucker M (2007). Cystatin C modulates cerebral beta-amyloidosis. Nature Genetics, scheduled to be online Nov 18. 2007
Bildlegende Foto: Amyloid-Plaques im Gehirn eines Alzheimer-Patienten (nicht einer Maus)
Amyloid-Plaques im Gehirn eines Alzheimer-Patienten
Quelle: Universitätsklinikum Tübingen
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Informationstechnik, Medizin
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch

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