"Meine Leitkultur"

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03.12.2007 10:15

"Meine Leitkultur"

Dr. Armin Flender Pressestelle
Kulturwissenschaftliches Institut

    "Meine Leitkultur"
    Vortrag und Podiumsdiskussion mit:
    Dr. Necla Kelek, deutsch-türkische Sozialwissenschaftlerin
    Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages
    Prof. Dr. Jörn Rüsen, Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI)
    Moderation: Prof. Dr. Raoul Motika, Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg
    6. Dezember 2007, Festsaal der Philharmonie Essen, 19.00 Uhr

    Die Soziologin Necla Kelek ist in zwei Kulturen zu Hause. In einer türkisch-muslimischen Familie sozialisiert, wurde sie in der deutschen Gesellschaft ausgebildet, hier lernte sie den kritischen Blick und den interdisziplinären Diskurs. In der Debatte um eine europäische Leitkultur hat sie sich einen eigenen Blick bewahrt. Sie hält der deutschen Gesellschaft den Spiegel vor und diskutiert Begriffe wie "Freiheit" und "Respekt" am Welt- und Menschenbild des Islam. Dabei diagnostiziert sie eine Differenz zwischen den Werten der europäischen Kultur - Aufklärung, Trennung von Staat und Religion, Schutz und Rechte des Einzelnen - und der Kultur der auf das archaisch-patriarchalische Kollektiv ausgerichteten muslimischen Migrantencommunities.
    In dieser Hinsicht ist der Islam nicht in den europäischen Wertekonsens zu integrieren. Necla Kelek wendet sich gegen eine staatliche Anerkennung des Islam und besondere Gruppenrechte der Islam-Vereine. Sie plädiert für kulturelle Vielfalt, für ein wertebezogenes Miteinander aller Bürger und gegen den Multikulturalismus, der nur ein Nebeneinander produziert. Für sie bietet die westliche Gesellschaft die Chance, dass die islamische Religion die Trennung von weltlicher und geistiger Sphäre vollzieht und zur Spiritualität zurückfindet. Dafür ist aber die selbstbewusste Verteidigung demokratischer Prinzipien und das Vorleben dieser Werte nötig.
    Necla Kelek, geboren 1957 in Istanbul, kam mit 10 Jahren nach Deutschland und hat in Hamburg und Greifswald Volkswirtschaft und Soziologie studiert und über das Thema "Islam im Alltag" promoviert. Sie forscht und publiziert zum Thema Parallelgesellschaften, Islam und Integration. Das Bundesinnenministerium berief sie als ständiges Mitglied der Deutschen Islam Konferenz. Sie lebt und arbeitet als freie Autorin in Hamburg und Berlin. Im November 2005 wurde sie für ihr Buch "Die fremde Braut, Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland" (Verlag Kiepenheuer & Witsch) mit dem Geschwister-Scholl-Preis der Stadt München ausgezeichnet. Am 24. September erhielt sie für ihr jüngstes Buch "Die verlorenen Söhne. Plädoyer für die Befreiung des türkisch-muslimischen Mannes" (2006, Verlag Kiepenheuer & Witsch) den internationalen Sachbuchpreis CORINE 2006. Die Universität Duisburg-Essen hat ihr im November 2006 die Mercator-Professur verliehen.

    Norbert Lammert hat nicht erst als Bundestagspräsident die Debatte um die "Leitkultur" entscheidend mitgeprägt. Ihm zufolge braucht jede Gesellschaft einen Mindestbestand an gemeinsamen Überzeugungen und Orientierungen, aus denen insbesondere in Zeiten tiefgreifender Veränderungen neue Bindekräfte erwachsen können. Die gesellschaftlichen Bindekräfte und der Konsens über die Bedingungen für Dialoge und das Zustandekommen von verbindlichen Entscheidungen bilden Voraussetzungen der Konfliktfähigkeit einer Gesellschaft, die wiederum Voraussetzung der Möglichkeit von Freiheit ist.
    Die Diskussion über eine "Leitkultur" in Deutschland ist für Lammert eng verbunden mit der Suche nach einer europäischen Leitidee und deren religiösen, kulturellen und historischen Wurzeln.
    Norbert Lammert, geboren 1948 in Bochum, hat in Bochum und Oxford Politikwissenschaft, Soziologie, Neuere Geschichte und Sozialökonomie studiert und 1975 zum Thema Willensbildung in politischen Parteien promoviert. Seit 1980 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages, seit 2005 dessen Präsident. Seine wichtigsten Publikationen zum Thema sind "Verfassung, Patriotismus, Leitkultur: was unsere Gesellschaft zusammenhält (Hoffmann und Campe, 2006) und "Leitkultur - Das Wort und die Sache" (Fromm, 2006).

    Jörn Rüsen ist Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut, leitet das von der Stiftung Mercator geförderte Projekt "Der Humanismus in der Epoche der Globalisierung" und ist Professor für Allgemeine Geschichte und Geschichtskultur an der Universität Witten-Herdecke.

    Raoul Motika ist Professor für Turkologie am Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg.

    Die Veranstaltung ist Teil einer Reihe von öffentlichen Vorträgen, die im Rahmen des Projekts "Der Humanismus in der Epoche der Globalisierung. Ein interkultureller Dialog über Menschheit, Kultur und Werte" am KWI stattfinden. Ziel des von der Stiftung Mercator geförderten Projekts ist es, ein Verständnis vom Menschen zu entwickeln, das alle Kulturen übergreift und sie zugleich in ihrer Eigenart und Vielfalt zur Geltung kommen lässt. Hierbei gilt es, Potenziale für einen neuen Humanismus in verschiedenen kulturellen Kontexten auszuloten und so der besonderen Fähigkeit der Kulturwissenschaften, die im Zeitalter der Globalisierung in ihrer Orientierungsfunktion liegt, gerecht zu werden.

    Die Veranstaltung ist öffentlich. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.kwi-nrw.de oder unter der Telefonnummer 0201/7204-213.


    Weitere Informationen:

    http://www.kwi-nrw.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    fachunabhängig
    regional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


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